Alljährlich gibt es zur kalten Jahreszeit dasselbe Phänomen: Die Grippewelle schwappt über Deutschland hinweg. Während im vergangenen Jahr die Schweinegrippe für Aufregung sorgte, kämpfen in diesem Jahr noch drei Virenstämme darum, welcher 2010/11 der vorherrschende Grippevirus wird.

Zerbst. Wenn Norbert Preden, Amtsarzt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, über die kommende Grippewelle spricht, holt er gerne eine Karte hervor, die auf den ersten Blick wie eine Wetterkarte aussieht. Derzeit ist Deutschland darauf dunkelblau.

"Ein Virenstamm wird sich zum Jahresende durchsetzen"

"Wie man sieht, ist alles ruhig. Wenn die Grippe ausbricht, werden die Flächen dunkelrot", erklärt er. Und auch der Vergleich zur Wetterkarte ist noch an einem anderen Punkt angebracht: Die Grippewelle fegt auf dieser Karte über die Nation hinweg, wie ein Tiefdruckgebiet, das langsam von Westen nach Osten zieht.

Doch auch wenn die diesjährige Grippewelle noch nicht unmittelbar vor der Tür steht, so haben doch einzelne Labornachweise von Pa- tienten, deren obere Luftwege erkrankt sind, bereits erwiesen, dass derzeit noch drei Virenstämme um die Vorherrschaft kämpfen. "Einer davon wird sich durchsetzen", weiß Preden aus Erfahrung. Nun die gute Nachricht: Alle drei Virenstämme sind im diesjährigen Grippeimpfstoff enthalten.

"Das tückische am Influenza-Virus ist, dass er sich ständig verändert, dies schnell passiert und im großen Umfang", erklärt Preden. Beispiel Schweinegrippe. Der Virus trat, so Preden, bereits 1977 auf. Damals passierte kaum etwas. 2008/2009 veränderte sich der Virus. "Auf einmal gab es einen neuen pandemischen Virus, der auch jüngere Menschen schwer erkranken ließ." Dennoch sei der Verlauf, insbesondere in Deutschland, insgesamt mild gewesen. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gab es zwar akut Erkrankte, aber keine Toten. In Sachsen-Anhalt starben an dem Virus jedoch neun Menschen.

Doch wie wird festgestellt, ob im Landkreis die Grippe um sich greift? "Hier gibt es sogenannte Sentinelpraxen", erklärt der Amtsarzt. Diese führen sozusagen per Strichliste Notiz darüber, wie viele Patienten mit einem Infekt der oberen Atemwege den Arzt aufsuchen und ob sie die Grippe haben oder eine schwere Erkältung. "Denn Grippe und die Anzahl von Infekten verläuft parallel", fügt Preden hinzu. Diese Daten – in Anhalt-Bitterfeld sind zwei Allgemeinärzte und zwei Kinderärzte jene Sentinelpraxen – werden an das Robert-Koch-Institut weitergeleitet und dort ausgewertet. "Darin sind wir vom Gesundheitsamt nicht eingebunden", ergänzt Preden. Auch könne er keine genauen Zahl von Grippeerkrankten im vergangenen Jahr nennen, da es keine Meldepflicht gibt.

Das Gesundheitsamt ist jedoch vorallem in Sachen Prävention im Einsatz. Bei Begehungen und Hygienekontrollen in Alten- oder Pflegeheimen und Krankenhäusern gilt das Augenmerk auch stets der Grippeprävention. "Wir fragen dann auch stets nach, wie hoch die durchschnittliche Durchimpfung ist", erklärt Preden. In Altenheimen sei die stets gut. In Krankenhäusern liege die Durchimpfung mitunter bei 20 Prozent. "Und das ist ein schlechter Wert", räumt der Amtsarzt ein. Jedoch gebe es hier kein grundsätzliches Impfproblem. Seit 2004 ist Norbert Preden in Bitterfeld und nach der Kreisfusion in Köthen als Amtsarzt tätig und hat hier bisher keinen akuten Grippeausbruch erlebt. "Wir mussten bisher noch nie ein Altersheim oder eine Krankenhausstation schließen. Auch Schulen oder Kindergärten mussten noch nie wegen der Grippe komplett geschlossen werden", so Preden.

Doch es sind vor allem die Kinder, die bei der saisonalen Grippe die Hauptüberträger sind. Daher gibt es neben den Sentinelpraxen auch Sentinelkindergärten, die die Zahl von erkrankten Kindern notieren und weitergeben. In Zerbst sind dies die Kitas "Benjamin Blümchen" und "Heide". Einmal die Woche – jeweils mittwochs – geben die Einrichtungen die Zahl der erkrankten Kinder an das Gesundheitsamt des Landkreises weiter. Insgesamt acht solcher Sentinelkindergärten gibt es in Anhalt-Bitterfeld.

"Der Impfstoff braucht zehn bis 14 Tage um zu wirken"

Doch auch wenn der Grippevirus sich ständig verändert, helfen einfache Hygiene-Tipps, das Infektionsrisiko zu mindern. "Die Grippe wird per Tröpfcheninfektion übertragen, daher sollte auf das Händeschütteln verzichtet werden. Die Hände regelmäßig waschen und die Zimmer gut durchlüften", rät Preden. Auch ein Mundschutz kann sinnvoll sein.

Zur Impfung rät Preden zwischen Oktober und November. "Der Impfstoff braucht zehn bis 14 Tage um seine Wirkung zu entfalten", so der Amtsarzt, der sich selbst jährlich Ende November impfen lässt. Im Landkreis sind derzeit Impfdosen für etwa jeden vierten Einwohner vorhanden, also rund 45 000 Stück. In den vergangenen Jahren brach die Grippewelle oftmals Anfang des Jahres aus und hielt sich bis März oder April.