"Ein leuchtend roter Punkt in schwarzem Dunkel ist fast die einzige Erinnerung an meine erste erlebte Theateraufführung 1970 im damaligen Ber-liner Haus der DSF", erzählt Jörg Steinberg (47). Es war das Märchen "Die feuerrote Blume". Heute ist Jörg Stein-berg Regisseur. Er inszeniert am Anhaltischen Theater Dessau das diesjährige Weih-nachtsmärchen: "Die feuerrote Blume". Premiere ist am Dienstag, dem 16. November, um 10 Uhr im Großen Haus.

Dessau-Roßlau. In Dessau ist Jörg Steinberg eigentlich kein Unbekannter. "Von 1987 bis 1990 hatte ich hier am Theater mein erstes und auch bisher einziges festes Engagement. Als Schauspieler", klärt er auf.

Sein Lebenslauf ist seitdem gefüllt mit vielen Rollen im Theater, bei Film und Fernsehen. Ebenso breit gefächert mit Stücken und Aufführungsorten stellt sich seine Regietätigkeit dar, die Mitte der 1990er-Jahre im "Theater unterm Dach" in Berlin begann.

Auch als Drehbuchautor hat sich Jörg Steinberg verdient gemacht. 2004 entstand zum Beispiel die Fußballkriminalkomödie "Blutgrätsche – oder Hansi Kreische lebt". Die Fußballszene ist ihm nämlich gut vertraut. Bis zu seinem Kreuzbandriss im November 1995 hatte er als Hobbyfußballer eine höherklassige Karriere betrieben.

Der Weg zum Theater war für den Berliner Jungen aus Köpenick schon recht früh klar. Noch in der Lehre hat er an der Hochschule der Künste Berlin die Aufnahmeprüfung bestanden. "Kommen Sie nach der Armee wieder", sagte man dem Lehrling für Nachrichtentechnik. Gehört, getan. Nach vier Jahren Studium war Steinberg 1987 Diplomschauspieler.

Schon im Frühjahr des letzten Studienjahres war Schauspieler und Regisseur Karl Thiele in der Hochschule auf der Suche nach jungen Schauspielern für Dessauer Aufführungen. Jörg Steinberg war einer von ihnen, seine erste Rolle Haimon in "Antigone" (Sophokles) in der Regie von Karl Thiele. 23 Jahre später ein Blick in die aktuelle Besetzungsliste des Weihnachtsmärchens: Kaufmann – Karl Thiele, Regie – Jörg Steinberg.

"Diese sicher seltene Konstellation ist für mich, für uns im Ensemble, überhaupt kein Problem. Ich sehe das Theaterspielen als einen kollektiven Prozess, bei dem alle am Ende ein gutes Gefühl haben, für das Erreichte gemeinsam einstehen", so seine Auffassung. Und: Die Stimmung hier ist gut, das Gefühl auch.

Jörg Steinberg verspricht den Zuschauern ein "wunderschönes, zauberhaftes, fantastisches, auch humorvolles Märchen". In dem Stück von Karnauchowa und Braussewitsch geht es um Liebe, Freundschaft, um Vertrauen und Treue – um Gut und Böse.

Ein Kaufmann hat drei Töchter: eine hässliche, eine gemeine und die jüngste. Allen möchte er von einer Reise etwas Schönes mitbringen. Die beiden älteren möchten Kleider und Schmuck. Aljonuschka, die jüngste, wünscht sich eine feuerrote Blume. Ersteres ist leicht zu beschaffen. Auf dem Rückweg verschlägt es den Kaufmann in einen Zauberwald, in dem die Hexe Baba Jaga und andere merkwürdige Gestalten ihr Unwesen treiben. Dort findet der Kaufmann in einem wunderschönen Schloss die feuerrote Blume. Er holt sie sich, muss aber einen hohen Preis dafür zahlen. "Du hast dein Leben verwirkt", verkündet mit gruseliger Stimme das Ungeheuer, "oder …"

Was geschieht noch in dieser spannenden Geschichte? Noch einmal der Regisseur: "Auf jeden Fall ist viel Zauberei dabei. Und wenn ich mich recht erinnere, hat sie ein gutes Ende, oder?"