Die Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg hat gestern einen neuen Windvorranggebietsplan beschlossen. Er stellt alle 18 Gebiete dar, in denen Windkraftanlagen konzentriert stehen sollten. Zwei bestehende Gebiete bei Zerbst und Straguth werden planerisch bestätigt und vergrößert, ein Gebiet bei Güterglück-Walternienburg-Gödnitz ist neu im Plan.

Köthen. Am lebhaftesten ging es gestern vor einer projizierten Karte zu. Der Entwurf des Windvorranggebietsplanes der Regionalen Planungsgemeinschaft war so detailliert zuvor noch nie zu sehen, daher für eine Vielzahl von Windenergie-Branchen-Vertretern von größtem Interesse. Sie zeichneten von Hand Konturen ab, denn fotografieren war verboten.

Die Mitgliederversammlung diskutierte nicht mehr zum Entwurf. Zuletzt hatte es neue Erkenntnisse zum Vorranggebietsvorschlag bei Buhlendorf gegeben. Die sind nun berücksichtigt: Die landwirtschaftliche Nutzung soll angesichts der Brotgetreideproduktion mit beabsichtigter permanenter Beregnungsanlage "nicht durch eine Windeignungsnutzung überlagert werden. Das ist jedenfalls unsere fachlich-planerische Empfehlung", erklärte Gemeinschafts-Geschäftsführerin Marion Schilling. Das nach allen anderen bisher umfangreich bemühten Kriterien geeignete Gebiet bei Buhlendorf ist also dennoch nicht im Planentwurf enthalten.

Die Maßgaben zu dem bereits bestehenden Gebiet Zerbst-Ost (Stiefelknecht) gelten indes fort. Das Gebiet wird ein wenig vergrößert, schmiegt sich künftig sichelförmig östlich an den Stiefelknecht. Der Windpark Straguth wurde ebenfalls in den Planentwurf aufgenommen – der Plan soll Bestandssicherheit für vorhandene Anlagen schaffen. Jedoch bewirken die aktuell herangezogenen Kriterien, dass das einstige Park-Gelände nach Norden ausgedehnt und in der Nähe von Badewitz abgeschnitten werden müsste. Dies stellt die Plan-Karte auch dar, zeigt zugleich alle bestehenden Windrad-Standorte auf. Einige müssten, wenn das zulässige Laufzeit-Minimum erreicht ist, beim Ersatz durch deutlich leistungsfähigere Anlagen im neuen "Inneren" des Plangebietes ersetzt werden. Mindestlaufzeiten sind heutzutage bereits bei 10 oder 15 Jahren erreicht, hieß es gestern am Rande.

Regulär im Planentwurf dargestellt ist auch das neue Vorranggebiet Güterglück. Zu jüngsten Aktivitäten der Bürger vor Ort wurde gestern während der Mitgliederversammlung der Planungsgemeinschaft nichts bekannt. Als die Mitgliederversammlung den Planentwurf beschloss, enthielten sich Mario Rudolf (Ortsbürgermeister Bornum, Stadt- und Kreistagsmitglied) sowie Kreishandwerksmeister Roland Prokop der Stimme. Alle anderen anwesenden Mitglieder, darunter auch der den Zerbster Bürgermeister vertretende Andreas Fischer, stimmten für den Entwurf.

Er wird nun einer maximal sechs Wochen dauernden Prüfung durch das Raumordnungsministerium unterzogen. Gibt es von dort grünes Licht, kann er öffentlich ausgelegt werden. Dem Beschluss hierzu und somit dem Zugang von Bürgers Meinung stimmten alle anwesenden Gemeinschaftsmitglieder zu.