Von einst Müller Korn zu Mehl mahlten, lebt heute eine Gärtnerfamilie. Das hübsche Haus entstand im 15. Jahrhundert in Loburg.

Loburg. Auf dem Schreibtisch von Ulf Drzymala liegt ein originaler Plan vom Loburger Mühlengrundstück aus dem Jahre 1913. Irgendwann will er sich das alte Papier mal aufziehen lassen, um den Plan im Büro an die Wand zu hängen. Sein Büro befindet sich direkt über dem Mühlenbach. Der Blick aus dem Fenster fällt auf die alte Achse des Mühlenrades. Die Achse ist übrig geblieben, könnte kaum ohne Technik von der Stelle bewegt werden. Wozu auch.

Am Rande der Stadt, an der Stadtmauer, wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Loburg die Stadtmühle errichtet. Sie war als Gegenpart zur Wassermühle der Mönche am Münchentor gebaut worden und sollte die Einnahmen der Stadt aufbessern. Bis ins Jahr 1957 wurde hier Korn zu Mehl gemahlen. Die letzte Müllersfamilie waren die Schammerts. Die wollten das Haus schließlich verkaufen.

"Mit drei Kindern brauchten wir dringend eine Wohnung", erinnert sich Elisabeth Drzymala. Ihr Mann sei sowieso in das Grundstück verliebt gewesen, hatte er doch schon als Kind hier gespielt und am Mühlrad gebadet. 1971 kauften die Drzymalas die Mühle. Nach dem Müller zog nun der Gärtner, Otto Drzymala war Gärtnermeister, ein, aber die ehemaligen Besitzer durften auf Lebenszeit im Haus bleiben.

"Es war eine Trümmerranch", blickt die Besitzerin zurück, "eine Baustelle auf Lebenszeit". Der Teich, der einst hinterm Haus angelegt war, glich einer öffentlichen Müllkippe. Schwere Maschinenteile waren noch im Haus. Die Familie machte sich an den umfangreichen Um- und Ausbau, Stück für Stück, der Grundriss blieb unverändert. Im Keller sind die 1,20 bis 1,50 Meter dicken Feldsteingrundmauern unverdeckt.

In dem von der Mühlenstraße her eher unscheinbar wirkenden Gebäude entstanden im Laufe der Zeit zwei komplett eigenständige Wohneinheiten, der Firmensitz der Handelsgärtnerei Drzymala, die seit 1992 von Ulf Drzymala und seiner Frau Astrid geführt wird, und auch Elisabeth Drzymala hat ihre eigene Wohnung im Haus, da wo einst Mehlsäcke gelagert wurden. Nur von hinten wird die Größe des ganzen Gebäudes, das sich zum Teil über drei Etagen erstreckt, sichtbar. Und es ist noch ausbaufähig. Unterm Dach, wo früher die Rüttelsiebe standen, wäre Raum für ein schönes Atelier, findet Ulf Drzymala.

Was im Haus um- und ausgebaut wird, ist der Familie überlassen. Nicht das Gebäude steht unter Denkmalschutz sondern nur die Fassade. Der Denkmalschutz rückte nach der Wende auf den Plan, das war 1994. "Man erklärte uns, dass wir in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden", so Ulf Drzymala – zum Glück eben nur mit der Fassade. Nie Geld, nur Auflagen brachte der Status mit sich. So wurde außen nicht viel verändert.

Ein Jahr brauchte es, um für die Fassade einen neuen Anstrich genehmigt zu bekommen. Bei der "Wunschfarbe" hat die Familie sich voll nach dem Denkmalschutz gerichtet. "Aber uns gefällt es", erklärt der junge Gärtnermeister, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten war. Drei Generationen wohnen unter einem Dach in der Loburger Mühlenstraße 2 – die Mutter, der Sohn mit seiner Familie und eine Tochter mit Familie. Das Haus bietet eben genug Platz und wird so weiter in Familienbesitz bleiben.

Das Haus hat seinen eigenen Charakter, beschreibt Ulf Drzymala die Atmosphäre in der alten Mühle. Mehr als 50 Türen befinden sich im Innern – man könne sich sogar verlaufen, aber auf jeden Fall aus dem Weg gehen, wenn man es will. Die Familie weiß das angenehme Hausklima zu schätzen, mit kühlen Räumen im Sommer und Wärmespeicherung im Winter. Natürlich ist das alte Gemäuer nicht mit einem Energiesparhaus vergleichbar.

Auch sonst sind die Mehrkosten bei anfallenden Reparaturen nicht zu unterschätzen, denn meistens offenbaren sich unvorhersehbare Schäden. Es passiert nicht selten, dass die alten Baustoffe nicht mit den neuen verbindbar sind. Doch schon die alten Holzbalken allein verleihen den Räumen ein besonderes Ambiente.

Das gesamte Grundstück, es umfasst heute insgesamt 8500 Quadratmeter, da zum Mühlen- noch ein Wiesengrundstück dazu gekauft wurde, hat seinen ganz eigenen Charme. Anhand des alten Grundstücksplan von 1913 lassen sich in den Nebengebäuden noch die alte Bäckerei mit Backofen, Pferdestall, Abort, Ziegen- und Schweinestall erahnen. Große Zahnräder aus der alten Mühle dienen heute als Geländer an der kleine Brücke, die über den Mühlenbach auf die Wiese führt, wo einst der Teich angestaut war, und wo die ganze Familie bei Gelegenheiten im Sommer zusammensitzt.

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