In einer schalltechnischen Untersuchung der Deutschen Bahn ist nach Abschluss des Ausbaus des Eisenbahnknotens Magdeburg von täglich 248 Zügen die Rede, die durch Zerbst fahren würden. Ganz so viele werden es wohl nicht, erklärt die Bahn nun auf Nachfrage. Derzeit geht das Unternehmen von höchstens 160 Zügen pro Tag aus, die durch Zerbst rollen. Derzeit sind es 108.

Zerbst. Es kommt nicht selten in Zerbst vor, dass Autofahrer und Fußgänger geduldig an den innerorts gelegenen Schranken warten müssen, weil ein Zug den Übergang passiert.

Dies wird wohl ab dem Jahr 2015 noch öfter passieren. Dann ist der Ausbau des Eisenbahnknotenpunktes Magdeburg abgeschlossen und die Deutsche Bahn rechnet auf der Strecke Magdeburg-Güterglück-Zerbst-Dessau mit bis zu 160 Zügen am Tag.

Grundlage dieser Zahlen ist eine schalttechnische Untersuchung der Bahn, die Teil des Genehmigungsverfahrens für den Ausbau des Knotenpunktes ist. "Dieser Untersuchung liegen langfristige Verkehrsentwicklungen zugrunde, die einen nach aktuellen Erkenntnissen maximal möglichen Verkehr berücksichtigen", heißt es in einer Antwort der zuständigen Pressestelle auf Nachfrage der Volksstimme.

Nur so könne sichergestellt werden, dass im Rahmen von baulichen Veränderungen der Schallschutz den Anforderungen entsprechend dimensioniert wird. Hier kommen nun die 248 Züge pro Tag ins Spiel. Dies soll die Größenordnung sein, die den Planungen zu Grunde liegt.

Jedoch sind statt dieser befürchteten Anzahl auch 160 pro Tag nicht wenig. Nach derzeitigem Stand der Dinge geht die Bahn von einer gleichmäßigen Streckenbelegung über den gesamten Tagesverlauf aus. Tagsüber wird der Schwerpunkt auf festgetakteten Reisezügen liegen, in der Nacht wird sich die Kapazität der Güterzüge erhöhen – von derzeit 14 auf bis zu 75. Auch diese Zahlen sind Teil der schalttechnischen Untersuchung. Jedoch betont die Bahn, dass es noch keine Fahrlagenplanung für 2015 gibt. Die Zahlen bleiben somit vorerst Planungsgrößen.

Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung und dem parallel dazu laufenden Ausbau des Knotenpunktes Dessau-Roßlau, wird der Haltepunkt Zerbst modernisiert. Für den Bahnhof Zerbst bedeutet das beispielsweise, dass die bisher vier Gleise auf zwei reduziert werden – für jede Fahrtrichtung eine. Aus dem Bahnhof wird ein Haltepunkt werden. Beide Gleise werden mit je einem neuen Bahnsteig versehen, hieß es bereits im Februar dieses Jahres aus den Reihen der Deutschen Bahn. Der Bahnsteig 2 wird durch einen Fußgängertunnel in Zukunft erreichbar sein. Beginn der Modernisierungsarbeiten: frühestens 2011.

Des Weiteren wird es eine Neuausrüstung der vorhandenen Bahnübergänge mit moderner Sicherungstechnik geben. Moderne zuggesteuerte Halbschranken sollen dann die alten wärterbedienten Schranken ablösen. So könne, teilt die Bahn mit, die Wartezeit je Zugdurchfahrt am Bahnübergang reduziert werden. Feste Schließzeiten konnte das Unternehmen jedoch nicht benennen, da diese je nach Zuglänge, Fahrplan, Geschwindigkeit und anderen Faktoren unterschiedlich ausfallen.

Die Frage, ob der erhöhte Zugverkehr auch eine bessere Anbindung der Zerbster an den Personennahverkehr bedeutet, konnte die Bahn noch nicht beantworten. Die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) bereite derzeit im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt eine Neuvergabe der Zerbst berührenden Verkehre mit dem Ziel der Inbetriebnahme Ende 2015 vor. "Dies beinhaltet voraussichtlich auch eine Veränderung der Fahrplanangebote", so die Bahn. Die Planungen diesbezüglich sind jedoch noch nicht abgeschlossen.