Wendgräben – ein kleiner Ort mit lebendiger Gegenwart, großer Vergangenheit und wundervollen Menschen, die hier wohnen und wirkten. Nachdem im Juli diesen Jahres der 85. Geburtstag des ehemaligen Lehrers Ulrich Winter gefeiert wurde, fand nun ein weiteres Fest für einen ehemaligen Lehrer der Heim-oberschule Wendgräben statt. Rudolf Köppe feierte am 30. November seinen 85. Geburtstag.

Wendgräben (cno/pwi). Wenn es um Rudolf Köppe geht, sind sich alle einig. Ein wundervoller, gütiger, humorvoller Mensch und großartiger Lehrer, der es verstand, zutiefst humanistische und christliche Werte zu vermitteln, an einer sozialistischen Schule, in einer sozialistischen Diktatur, in der es für Lehrer immer eine Gratwanderung war, sich politisch zu äußern. Prof. Gisbert Bobbert brachte das in seiner Festrede auf den Punkt.

Ein Stelldichein von etwa 100 ehemaligen Schülern, Lehrern, Freunden, Verwandten und Nachbarn fand sich ein, um Köppe die Ehre zu erweisen. Zu danken war ihm nicht nur für das Vermitteln von Wissen, in den Fächern Biologie, Chemie und Latein, das zum Abitur führte, sondern für vier wunderschöne, sorglose Jahre, die jeder Schüler in der Heimoberschule Wendgräben unter der Obhut von Lehrern wie Rudolf Köppe und Ulrich Winter erleben durfte. Jeder der etwa 750 ehemaligen Schüler dieser Schule, die von 1947 bis 1976 existierte, hat seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit und seine Lehrer.

Passend zum Anlass waren die Musikstücke, die von Hans-Dajo und Friedrich-Wilhelm von Wulffen auf dem Klavier gespielt wurden. Ernst-Friedrich Anger aus Berlin, ein ehemaliger Schüler (Abi `55), der noch das Schild "Wir helfen einander", welches über der Tür des Speisesaales hing, in Erinnerung hat, hielt die Laudatio und berichtete aus dem Leben des Jubilars.

1925 in Biendorf bei Köthen geboren, verlebte er die Schulzeit und Jugendzeit in Nordgermersleben bei Haldensleben. Hier lernte er auch seine Jugendliebe Gerda kennen. Das Ehepaar Köppe konnte in diesem Jahr seine Diamantene Hochzeit feiern. Zwei Kinder und Schwiegerkinder sowie vier Enkelkinder mit Partnern machen ihren Lebensinhalt perfekt.

Nach dem Lehrerstudium bekam Köppe eine Anstellung als Lehrer in Rosian. Hier freundete er sich mit dem damaligen Pastor Matusek an, mit dem er gemeinsam Hausmusik machte und über das Leben philosophierte, was einigen Herren der SED-Kreisleitung und dem Kreisschulrat nicht passte, wie vieles in der weiteren Entwicklung des Pädagogen. Seit 1952 war er in Wendgräben tätig und fand Gleichgesinnte, Freunde, Pädagogen und auch Schüler. Diese große "Wendgräbener Familie", wie er dieses Schüler-Lehrer-Angestellten-Verhältnis in der Heimoberschule selbst nennt, war auch ein Schutz für ihn. In Wendgräben tickten die Uhren etwas anders. Die Lehrer waren nicht nur Pädagogen, sie waren Freunde, Elternersatz, Berater und Tröster in der Not.

Als die Heimoberschule 1975 in Wendgräben aufgelöst wurde und die letzten Lehrer und Schüler nach Zerbst gingen, begann für Lehrer, wie Köppe und Ulrich Winter eine schwierige Zeit. Es dauerte nicht lange und beide wurden aus politischen Gründen von der EOS Zerbst strafversetzt an kleinere Schulen. Glücklicherweise kam die Wende und sie wurden rehabilitiert.

Der Jubilar selbst fand im Laufe des Beisammenseins immer mal Gelegenheit, aus seinem Leben zu plaudern und erzählte lustige Anekdötchen. Stundenlang hätten die Gäste ihm zuhören können, wie damals im Unterricht …

Schließlich ernannte Thomas Strümpel im Auftrag des Vorstandes sowohl Rudolf Köppe als auch Ulrich Winter zu Ehrenmitgliedern des Freundeskreises Schloss Wendgräben. Das und viel mehr haben sich beide verdient mit ihrem Lebenswerk als Lehrer der ehemaligen Heimoberschule in Wendgräben. Wären sonst so viele Ehemalige erschienen, trotz der schlechten Straßenverhältnisse wegen des Wintereinbruchs?

Ein kleiner Wermutstropfen er Veranstaltung war für Rudi Köppe, dass sein Nachbar, Wegbegleiter und Freund Ulrich Winter aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte.