Imposant wie die Nicolaikirche kommt auch ihre zukünftige Haupteingangstür daher. Insgesamt acht Männer waren gestern im Einsatz, um die Tür im Westflügel einzusetzen. Dabei bewegten sie rund zwölf Zentner schweres, massives Eichenholz, das "für die nächsten Generationen", halten wird.

Zerbst. "Hoch!" Mit aller Kraft wuchten gestern Vormittag acht Männer einen Türrahmen im Westeingang der Nicolaikirche in Position. Nach einigen Augenblicken steht der Rahmen, doch die Arbeit ist längst noch nicht getan.

In einer Schubkarre warten sechs je einen Meter lange Türscharniere darauf, Tür und Rahmen zu verbinden. "Das sind so genannte Langbänder. Die stärkste Ausführung, die es gibt", erklärte Tischlermeister Volker Pietrek, dessen Mitarbeiter die Tür im Auftrag des Fördervereins "St. Nicolai" bauten. Solch massive Scharniere sind auch vonnöten, um die beiden, jeweils vier Zentner schweren, Türflügel zu halten.

Kosten belaufen sich auf rund 11 000 Euro

"Insgesamt ist die Tür etwa zwölf Zentner schwer, 4,8 Meter hoch und 2,8 Meter breit", zählt Pietrek die bemerkenswerten Eckdaten auf. Eine Zeichnung der Tür ist auch der Denkmalschutzbehörde vorgelegt worden. "Die zeigte zum Beispiel auch das schräg verlaufende Fischgrätenmuster, das die Tür ziert und auch dem Wasserablauf dienen soll", erklärt der Vorsitzende des Fördervereins, Walter Tharan. Schließlich liegt die Tür auf der Wetterseite und wird der Witterung somit fast ungeschützt ausgesetzt sein.

Ein historisches Bild der zerstörten Tür war zwar vorhanden, doch der Denkmalschutz, so Tharan, sprach sich für eine schlichtere Variante aus. "Für uns spielt vor allem eine Rolle, dass da überhaupt eine neue Tür ist", so der Vereinsvorsitzende.

Das war in den vergangenen 65 Jahren nicht der Fall. Nachdem die Kirche Ende des Zweiten Weltkrieges ausbrannte, ist der Westeingang zugemauert worden, um das Betreten der Ruine zu verhindern.

Insgesamt 11 000 Euro kostete die Tür, die unter der Nummer 22 der Fördermaßnahmen des Vereins läuft. Neben rund 15 Prozent Eigenanteil des Vereins, steuerten zahlreiche Co-Finanzierer einen Beitrag bei, um das Projekt zu realisieren: Die Stadt Zerbst, die Sparkassenstiftung Anhalt-Zerbst, die Volksbank, Erdgas Mittelsachsen und Gasstadtwerke Zerbst, die BWZ sowie Zetieba.

Jedoch ist Maßnahme 22 noch nicht hundertprozentig abgeschlossen. "Den Durchgang wollen wir noch mit Platten belegen, die extra für uns gebrannt werden", ergänzt Tharan. Dabei handelt es sich um eine Fläche von rund 40 Quadratmetern. Eine entsprechende Manufaktur hat den Auftrag bereits erhalten, doch das Wetter lässt eine Fertigung momentan nicht zu. "Dafür müssen wir zwar eine Maßnahmenverlängerung beantragen, was wiederum einen bürokratischen Aufwand bedeutet. Aber eine Genehmigung ist kein Problem."

Dafür ist die Liste bereits realisierter Projekte in diesem Jahr umso länger. Im Südturm ist eine Treppe fertiggestellt worden. Auch ein daneben gelegener kleiner Raum kann nun durch den Verein genutzt werden, nachdem er aufgearbeitet wurde. Unter anderem musste dort Estrich aufgetragen werden.

Anträge für neue Maßnahmen laufen

Auch der so genannte Raum 4, der Ausstellungsraum ist nun nutzbar. Auch er erhielt einen neuen Fußboden, Anstrich sowie neue Türen. "Darüber war die Decke undicht", berichtet Tharan. Eine Entwässerung ist eingebaut worden. Bei Kälte springt automatisch eine Heizung an, um die Nässe zu bekämpfen. "Und alle gemachten Räume sind mit Elektrizität versorgt."

Eine große Hilfe für den Förderverein sind auch die Mitarbeiter der Köthener Beschäftigungs- und Arbeitsförderungs- gesellschaft mbH (Köbeg), die vor allem Randprojekte durchführen. Zum Beispiel leisteten sie die Abbrucharbeiten des zugemauerten Tores. "Sie haben alles rausgerissen und in die Container geladen", erzählt Tharan. Daher blieben dem Verein lediglich die Kosten für den Abtransport des Bauschuttes. In anderen Räumen haben die Männer Fußböden verlegt, Ziergitter aus Metall für die Fenster gebaut oder Pflasterarbeiten übernommen.

Aber auch die Ziele für das kommende Jahr sind klar: "Wir wollen die begonnenen Projekte zu Ende bringen und Anträge für neue Maßnahmen laufen bereits."

Die Eichentür wird nicht nur deren Ende, sondern noch viele Generationen miterleben. "Das Holz ist beidseitig eichenfarben lackiert, in drei Schichten", erzählt Pietrek. "Mit etwas Pflege hält diese Tür ein paar hundert Jahre. Sie ist für die nächsten Generationen gemacht."