Danke zu sagen, ist ein großer Wunsch von Rosemarie Dreibrodt zu Weihnachten. Ihre Familie hat schwere Zeiten hinter sich, die noch nicht vorbei sind. Doch ihr stehen viele Helfer zur Seite, die sie, ihren Mann und ihren Sohn Kevin unterstützen.

Zerbst. Die Liste der Menschen, denen Rosemarie Drei-brodt auf diesem Weg Danke sagen möchte, ist lang.

"Das hat unser Leben komplett aus den Fugen geworfen"

Da sind die Ergo-, und Physiotherapeuten, der Logopäde, Schwester Sandra, Nancy und Daniela vom Pflegedienst, enge Freunde der Familie, die Nachbarn in ihrem Haus, der Klassenlehrer von Kevin, ihr ältester Sohn Lars und dessen Freundin Julia, dessen Schwiegermutter und ihre eigene Schwester.

"Ihnen gilt ein besonderer Dank", betont Rosemarie Dreibrodt immer wieder. Die Weihnachtszeit ist für sie und ihren Mann Tilo nicht einfach. Viele Erinnerungen an alte Zeiten kommen hoch, in denen Tilo Dreibrodt noch gesund war. Das änderte sich im April 2009 plötzlich, als er einen Schlaganfall hatte. "Sechs Wochen lang wussten wir nicht, ob er es schafft", erinnert sich die heute 52-Jährige. Ihr Mann kämpft und eine erste Reha-Maßnahme folgte. Wenige Monate später kam jedoch der zweite Schicksalsschlag. "Ich dachte, er hätte einen weiteren Schlaganfall, aber die Ärzte fanden heraus, dass es ein epileptischer Anfall war." Der 53-Jährige hat sie bis heute. Etwa alle zwei Monate plagt ihn ein schwerer Schub, der die mühevolle Arbeit der vergangenen Tage und Wochen zerstört. "Er musste nach dem Schlaganfall wieder das Sprechen lernen, Schreiben und Laufen funktioniert bis heute nicht." In diesem Jahr fiel auch noch die linke Niere aus.

"Das alles hat unser Leben komplett aus den Fugen geworfen", erzählt Rosemarie Dreibrodt. Ihr Mann war zuvor berufstätig, sie hatte einen Minijob. Nun ist sie für Tilo rund um die Uhr da. Und auch der jüngste Sohn Kevin, der noch mit im Haushalt wohnt, muss oft mit helfen. "Es fällt mal leichter und mal schwerer", sagt der 16-Jährige. "Er ist mein Vater und hat mich großgezogen. Es ist selbstverständlich, dass ich ihm helfe", fügt der junge Mann hinzu.

Doch als sich die Lage etwas zu normalisieren schien, kam ein erneuter Tiefschlag. Anfang Dezember musste Rosemarie Dreibrodt für eine Woche ins Krankenhaus – der Kreislauf spielte verrückt. "Die Pflege und die ständige Verantwortung zu tragen, geht an die Substanz."

In dieser Zeit wurde ihr einmal mehr bewusst, wie glücklich sie sich ihrer vielen Unterstützer schätzen kann. "Meine Schwester hat ihre Hilfe angeboten, obwohl sie in Weißenfels lebt und dort unsere Eltern pflegt." Kevins Klassenlehrer hat Verständnis, wenn der Junge dringend zuhause gebraucht wird und kein anderer einspringen kann. Ihr ältester Sohn Lars und Freundin Julia kümmerten sich um Kevin und seine Schwiegermutter sich um seinen Vater, als Rosemarie Dreibrodt im Krankenhaus war. Die Nachbarn sind immer zur Stelle, wenn die Familie Hilfe bei Besorgungen braucht oder andere Sorgen hat. Und auch die Therapeuten ihres Mannes haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste von Rosemarie Dreibrodt, sie geben ihr wertvolle Tipps oder hören einfach nur zu und bleiben auch schon mal länger, als sie eigentlich müssten.

"Ich hoffe, dass er mir irgendwann entgegenläuft"

"Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, aber es ist schwer", sagt Rosemarie Dreibrodt. Und auch das Weihnachtsfest wird Licht- und Schattenseiten haben. Licht, da die Familie zusammenrücken wird, die drei zusammen feiern. Schattenseiten, weil die Erinnerung an frühere Jahre zurückkehren werden. "Mein Mann hat sich früher um alles gekümmert." Er holte den Baum, schmückte ihn, besorgte die Geschenke. Er hat sogar den Kartoffelsalat vorbereitet. Das alles machen nun Kevin und seine Mutter.

"Ich hoffe noch immer, dass es irgendwann einen Knall gibt und mein Mann mir wieder entgegenläuft", sagt die 52-Jährige zum Abschluss dennoch hoffnungsfroh. Zumindestens kann sie sich sicher sein, das sie diesen Weg mit ihrem Mann nicht allein gehen muss.