Weihnachtsziel Nummer eins sind wohl glückliche Kinderaugen. Was aber, wenn die Kleinen sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kätzchen? Volksstimme-Volontärin Kristin Schulze sprach über tierische Geschenke mit Tierheimleiterin Zdenka Meinhardt.

Volksstimme: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. An diesem Spruch einer Elektrokette kommt man zurzeit kaum vorbei. Mit einem Vierbeiner unter dem Tannebaum dürfte man bei Kindern auch weit vorne sein, oder?

Zdenka Meinhardt: Die Freude über ein niedliches Kätzchen oder einen Hund ist bei den meisten Kindern sicher groß. Das Verschenken von Tieren zu Weihnachten lehne ich trotzdem grundsätzlich ab.

Volksstimme: Warum sollte man davon absehen?

Meinhardt: Die Entscheidung für ein Tier sollte ein Prozess und keine Spontanaktion sein. Die ganze Familie muss das mittragen. Ernährung, Auslauf, Kosten... Das sind alles Punkte, über die man sich vorher Gedanken machen muss. Ein Tier ist keine Sache. Damit trägt man Verantwortung. Ich finde, das wird nicht transportiert, wenn Hund oder Katze einfach so unter dem Weihnachtsbaum sitzen.

Volksstimme: Haben Sie schlechte Erfahrungen mit verschenkten Tieren gemacht?

Meinhardt: Ja. Ein älterer Mann sollte einen Hund bekommen. Er wurde Heiligabend extra noch hübsch frisiert, abgeholt, bekam ein Schleifchen um den Hals... Der Beschenkte wollte aber gar keinen neuen Hund. Nach den Feiertagen musste das Tier zurück ins Heim. Für jeden Vierbeiner ein Trauma.

Volksstimme: Was ist mit Tieren, die nicht so viel Arbeit machen, wie zum Beispiel Katzen?

Meinhardt: Eine Katze wird etwa 20 Jahre alt. Das beschenkte Kind ist dann erwachsen. Was wird dann aus dem Geschenk? Katzen sind außerdem sehr verspielt. Gardinen, Blumen, Kissen, Vasen... Man muss durchaus mit Chaos in der Wohnung rechnen. Und auch für eine Katze muss man sich Zeit nehmen. Sie will spielen, kuscheln, muss zum Tierarzt...

Volksstimme: Was sagen Sie zu einem Hamster?

Meinhardt: Hamster sind nachtaktive Tiere und schlafen am Tag. Wenn der glückliche Hamsterbesitzer dann aus der Schule kommt und mit seinem Geschenk spielen will, können Biss- und Kratzwunden die Folge sein.

Volksstimme: Letzter Versuch, was ist mit einem Kaninchen? Das ist doch am Tage wach.

Meinhardt: Da brauchen Sie auf jeden Fall zwei. Die brauchen Kontakt, sie einzeln zu halten ist Tierquälerei. Und man braucht pro Kaninchen mindestens zwei Quadratmeter Platz. Egal, für welches Tier man sich interessiert, jedes hat ganz individuelle Bedürfnisse. Damit muss man sich einfach vorher beschäftigen.

Volksstimme: Was also tun, wenn auf dem Wunschzettel ganz oben ein Vierbeiner steht?

Meinhardt: Man könnte zum Beispiel ein Buch verschenken. Dann erklärt man dem Kind, dass die ganze Familie sich Wissen über das Wunschtier aneignet (Mein Tipp: www.tierschutzbund.de) und wenn nach dieser Phase alle noch Familienzuwachs wollen, steht dem nichts mehr im Wege. Ein Lebewesen ist eben keine Sache, die man einfach umtauschen kann, wenn es dem Beschenkten nicht (mehr) gefällt.