Die Deutschen sind ein Volk der Pendler. Das gilt auch für die Arbeitnehmer in unserer Region, wie der Chef der Agentur für Arbeit Dessau Roßlau, Markus Behrens, im Interview mit Judith Kadow verrät.

Volksstimme: Wie viele Arbeitnehmer pendeln, um einer Beschäftigung nachzugehen?

Markus Behrens: Von den rund 88 921 Beschäftigten mit Wohnort im Agenturbezirk Dessau-Roßlau, pendelten im vergangenen Jahr 24 361 Personen regelmäßig aus dem Agenturbezirk. Das bedeutet, dass mehr als jeder vierte Arbeitnehmer nicht in der unmittelbaren regionalen Wirtschaft beschäftigt war. In den neuen Bundesländern waren die Pendlerverflechtungen am intensivsten, denn rund 80 Prozent der Auspendler waren dort tätig. Zielgebiete waren hauptsächlich die angrenzenden Regionen innerhalb von Sachsen-Anhalt. 4799 Beschäftigte pendelten in die alten Bundesländer, angeführt vom benachbarten Niedersachsen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Volksstimme: Welche Personengruppen pendeln eher zu ihrem Arbeitsplatz?

Behrens: Die Bereitschaft zum Pendeln unterscheidet sich zwischen Männern und Frauen deutlich. Dies hängt zum einen mit den Berufsbildern bzw. den spezifischen Qualifikationen zusammen, zum anderen mit den familiären Verpflichtungen wie zum Beispiel Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Durchschnittlich 64 Prozent der Auspendler sind Männer und 36 Prozent sind Frauen, sowohl in den alten als auch innerhalb der neuen Bundesländer.

Volksstimme: Sind es vor allem junge Leute, die pendeln?

Behrens: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung konzentriert sich das Pendeln nicht auf die Altersgruppe der Jüngeren. Vielmehr durchzieht dies alle Altersgruppen. Die Gruppe der älteren Beschäftigten über 50 Jahre nimmt zum Beispiel, gemessen an allen Auspendlern, einen Anteil von rund 28 Prozent ein, die der Jüngeren unter 30 Jahre dagegen nur von rund 22 Prozent. Der höchste Anteil an Berufspendlern findet sich in dem Alterssegment der 40- bis 49-Jährigen.

Volksstimme: Nimmt der Trend zum Pendeln zu?

Behrens: Als ein deutliches Indiz für einen zunehmenden Trend zum Pendeln gilt der Anteil der Pendler an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. So stieg dieser im Agenturbezirk im Betrachtungszeitraum tendenziell an. Pendelten im Jahr 1997 noch 19,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zur Arbeit, waren es 2010 schon 27,4 Prozent.