Der Abriss der Jannowitzbrücke hat gestern begonnen. Bis Freitag müssen Anwohner mit nächtlichem Lärm rechnen.

Zerbst l Der Abriss der Jannowitzbrücke sieht leichter aus als gedacht. Innerhalb von Minuten hat der Bagger mit seiner Schere bereits das komplette Geländer einer Seite heruntergerissen.

Die Firma Baggerbetrieb Burkhardt aus Thüringen ist seit Montag mit der Brücke aus dem 19. Jahrhundert beschäftigt: "Wir mussten Sicherungsmaßnahmen vornehmen, um die Gleise vor dem Schutt zu schützen, der beim Abreißen herunterfällt", erklärt Bauleiter René Burkhardt. "Außerdem haben wir das Pflaster auf der Brücke abgerissen." Da die Brücke seit den 90er Jahren gesperrt ist, durften René Burkhardt und Kollegen sie nicht mit Baumaschinen befahren und mussten alles zu Fuß erledigen. Des Weiteren mussten am Übergang Brücke und Straße voneinander getrennt werden.

Der Bagger hat gestern begonnen, mit einer Schrottschere das Eisengeländer und die einzelnen Träger herauszutrennen. Die Betonfüße wollen die Bauarbeiter mit dem Abbruchhammer zerkleinern. Ein Abriss ist viel einfacher zu praktizieren als eine Sprengung, so kann der Abrissschutt nach und nach abtransportiert werden.

Bis Freitag, spätestens Sonnabend, will die Firma aus Thüringen fertig sein. Der Zeitplan ist knapp, daher soll auch nachts gebaut werden. "Wie lange wir in der Nacht arbeiten werden, weiß ich nicht. Das hängt immer davon ab, wie gut wir vorankommen", meint Burkhardt. Es kann sein, dass bis Mitternacht gebaut wird oder die Nacht durch. Besonders der Abbruchhammer wird zu hören sein.

Bereits seit 2007 wird der Abriss der Jannowitzbrücke geplant. Dabei muss die Stadt als Baulastträger die Belange der Deutschen Bahn berücksichtigen. "Auch wenn die Brücke gesperrt war, mussten wir sie als Stadt trotzdem sichern. Das kostet natürlich Geld", sagt Bernd Köhler, Amtsleiter Bauverwaltung. Die Stadt musste vorsorgen, dass keine Teile der Brücke auf die Gleise fallen, auch der Weg über die Brücke musste einwandfrei sein. "Normalerweise hätten wir an die Deutsche Bahn eine Entschädigung zahlen müssen, wenn wir die Sperrung beantragt hätten", sagt Köhler.

Da die Bahn aber selbst derzeit wegen Bauarbeiten am Gleisnetz die Strecke gesperrt hat, bot sich die Gelegenheit für den Abriss der Brücke. Die Kosten von 100000 Euro trägt die Deutsche Bahn nach einer Kreuzungsvereinbarung zu 47 Prozent, die Stadt zu 53 Prozent. Die 53000 Euro als Anteil der Stadt können aber zu 80 Prozent durch eine Förderung finanziert werden. Das Entflechtungsgesetz sieht vor, dass die Länder beim Straßenbau durch Finanzmittel des Bundes entlastet werden. Damit schlägt der Abriss bei der Stadt mit nur 10200 Euro zu Buche.