Das deutschlandweite Projekt "366+1 - Kirche klingt 2012", ein musikalischer Staffellauf, machte am Freitagabend Station in der Zerbster St. Bartholomäikirche. Es war das Konzert Nummer 314.

Zerbst l "Jeden Tag ein Konzert" steckt hinter der Zahlensumme: 365 "normale" Tage, dazu ein Tag des Schaltjahres und ein Sonderkonzert in der Osternacht. Den Rahmen für diese Aktion bildet die Lutherdekade, die das 500. Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

Die Zerbster Kantorei und der Zerbster Gospelchor, beide unter Leitung von Tobias Eger, gestalteten einen gut eineinhalbstündigen Chorkonzertabend, der, bei aller Zurückhaltung im Umgang mit Superlativen, nur aus Höhepunkten bestand.

Um den Choral "Nun lob mein Seel, den Herrn" von Johann Gramann aus dem Jahre 1525, dem die fünf Konzerte in Anhalt gewidmet waren, hat Tobias Eger ein abwechslungsreiches Programm gewoben.

Das zentrale Werk präsentierte die Kantorei mit vorzüglichem mehrstimmigen Gesang in fünf verschiedenen Bearbeitungen barocker Komponisten. Hier begleitete Eger auch am Klavier. Eine sehr beeindruckende klangliche Bereicherung waren die Improvisationen des aus Berlin stammenden, ausgezeichnet agierenden Saxofonisten Clemens Hoffmann.

Regionale Nähe erhielt das Konzert durch von der Kantorei interpretierte a-capella Lieder von Franz Preitz (1856-1916, Musikdirektor in Zerbst) und dem in Dessau als Organist der Schlosskirche wirkenden Richard Bartmuß (1859-1910).

Zu Beginn und auch im weiteren Verlauf des Konzertes "steuerten" Tobias Eger und Clemens Hoffmann eine spannende instrumentale Klangfarbe bei. Insbesondere auch, als Clemens Hoffmann seine einem Berliner Pfarrer gewidmete Komposition "Lunow" vom Altarraum aus mit hoher Emotionalität intonierte und dabei von Tobias Eger an der Orgel auf der Empore stimmig begleitet wurde.

Einen musikalischen Bogen über mehr als ein Jahrhundert spannte die Kantorei mit der erst 1998 von Matthias Nagel (geb. 1958) geschaffenen drei-strophigen Choralbearbeitung "Gib uns Frieden jeden Tag". Chor und Saxofon musizierten beschwingt freudvoll, im Wechsel und miteinander. Zum swingenden Rhythmus wippten viele Füße der Gäste.

Noch viel mehr Rhythmik und Beschwingtheit erlebten die Zuschauer beim Auftritt des Gospelchores im Kirchenraum vor dem Altar. Die 17 Sängerinnen und Sänger hatten bereits mit einem stimmungsvollen Gospel von der Empore aus das Chorkonzert eröffnet.

Auf dem Programm stand nun ein längerer Ausschnitt aus der "Gospel-Mass" des US-amerikanischen Komponisten Robert Ray (geb. 1946). Bereits beim Auftaktabschnitt "Gloria" ging der Chor, stimmungsvoll von Klavier und Saxofon mit Soli und als Begleitung unterstützt, "in die Vollen". Solo-Vorsänger forderten den Chor, der kraftvoll und mit großer Sangesfreude antwortete. Stimmung pur und nach dem mehr einfühlsam gesungenen abschließenden "Agnus Dei" begeisterter Beifall.

Den Zerbster Konzerttag, den 9. November, nahmen beide Chöre zum Anlass, im Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht das bekannte jüdische Friedenslied "Shalom alejchem" ("Friede sei mit Euch") zu singen.