Magdeburg. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Klinkums Magdeburg, Andreas Brakmann, erhoben. Vorgeworfen wird ihm die Veruntreuung von Geldern des Klinikums in 61 Fällen; in Summe geht es um über 200000 Euro.

Die Vorwürfe gegen Andreas Brakmann - von 2008 bis Mai 2012 Geschäftsführer des stadteigenen Klinikums in Olvenstedt - stehen schon lange im Raum; 2011 drangen sie erstmals an die Öffentlichkeit. Zwar hatte Brakmann das Klinikum bis dahin aus den roten in die schwarzen Zahlen gewirtschaftet; mehr und mehr Mitarbeiter bezichtigten den Mann - zumeist anonym - jedoch des allzu leichtfertigen Umgangs mit unternehmenseigenen Geldern. Es ging um Dienstreisen in der Grauzone zum Privatvergnügen, um dekorative Bilderkäufe auf der "Aida" - bezahlt mit der Klinikumskreditkarte, oder um die Verlegung von Pflastersteinen im Klinikumsauftrag auf Brakmanns privatem Anwesen in Berlin. Immer mehr solcher und ähnlicher Anschuldigungen kursierten im Klinikum, im Rathaus, im Aufsichtsrat, in der Öffentlichkeit. Oberbürgermeister Lutz Trümper stellte sich zunächst demonstrativ vor den Chef des sensiblen Stadtunternehmens Krankenhaus, distanzierte sich aber schließlich im März 2012 von Brakmann, indem er ihm ein mindestens "ungeschicktes Vorgehen" bei der Vermischung dienstlicher und privater Angelegenheiten attestierte. Aus Sicht der Magdeburger Staatsanwaltschaft ist Brakmanns Gebärden am Klinikum weit über Ungeschick hinaus ein vielfach strafbarer Tatbestand.

Christian Löffler, Sprecher des Landgerichtes Magdeburg, bestätigte gestern auf Volksstimme-Nachfrage den Eingang einer 61 Punkte umfassenden Anklageschrift. "Es geht sämtlich um Untreue, mal um kleine Summen im zweistelligen Bereich, mal um größere Beträge." Insgesamt beliefe sich das von der Staatsanwaltschaft ermittelte und aktenkundig gemachte Schadensvolumen zum Nachteil des Klinikums auf etwas mehr als 200000 Euro.

Die Anklageschrift sei nun zunächst dem Beschuldigten bzw. dessen Anwalt zugestellt worden. Brakmann hat sich zu seiner Verteidigung keinen geringeren bestellt als den Berliner Anwalt Guido Frings. Er vertritt auch den Ex-Sprecher des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, Olaf Glaesecker, in der bekannten Affäre um Bestechlichkeit und Vorteilsnahme im Amt.

Brakmann bzw. dessen Anwalt haben zunächst Gelegenheit, sich zur Anklage zu äußern. Erst danach entscheidet das Gericht über die Eröffnung eines Hauptverfahrens in allen oder in Teilen der Anklage. Ob und inwieweit die Stadt Magdeburg von einer Verurteilung Brakmanns profitieren könnte, steht noch dahin. Immerhin soll er eines ihrer Unternehmen wirtschaftlich beschädigt haben. Überdies zahlte ihm die Stadt für die vorzeitige Auflösung des Geschäftsführervertrages eine Abfindung - dem Vernehmen nach in Höhe von immerhin 136000 Euro.

Brakmann hat derweil einen neuen Posten inne. Am 11. März bestellte ihn der Aufsichtsrat der SHR Kliniken GmbH zum neuen Geschäftsführer des Zentralklinikums Suhl. Das scheint dringend auf einen harten Sanierer angewiesen - ungeachtet der in Suhl bekannten Vorwürfe gegen ihn aus Magdeburg.

Bilder