Magdeburg. Dem Staat DDR und der Stasi erst recht war jede Form vom Subkultur verdächtig, folglich auch die Fußball-Fans. Und da der 1. FC Magdeburg im DDR-Fußball ganz oben mit dabei war, gerieten auch dessen Fans ins Visier der Stasi. Das belegt eine Aktensammlung, die der Braunschweiger Germanistik-Student Jan-Hendrik Prüße jetzt im Rahmen eines Praktikums zusammengestellt hat.

Ziel der Ausspähung der Fans durch die Stasi war es, immer darüber informiert zu sein, was die einzelnen Gruppen vorhatten. "Damit wollte man dann auf Aktionen vorbereitet sein und entsprechend viele Sicherheitskräfte an Spieltagen bereitstellen", sagt Marion Rometsch, stellvertretende Leiterin der Magdeburger Stasi-Unterlagen-Behörde. Bei der Ermittlung der Fan-Clubs und deren Mitglieder war man 1985 auch sehr trickreich. Der 1. FC Magdeburg lud öffentlichkeitswirksam seine Fans zu einem "Fan-Club-Turnier" ein. Dazu sollten sich alle Clubs offiziell beim Verein anmelden und Teilnehmerlisten schicken. Und diese Listen, die aus der ganzen Republik kamen, landeten dann bei der Stasi. Das belegen Dokumente, die morgen in der Stasi-Außenstelle im Rahmen der Ausstellung "Stasi-Fußball - Jagd nach Punkten und Verrätern" zu sehen sind.

Natürlich waren Stasi-Mitarbeiter auch an den Spieltagen in den Stadien präsent. Sie fotografierten die Tribünen und pickten sich dabei vermeintliche "rowdyhafte Personen" und den "negativen Anhang" des Clubs heraus. Dabei konnten sie sehr genau einzelne Gruppen und Fan-Clubs benennen, was auf Fotos dann vermerkt wurde (siehe unten). Das hatte seinen Grund.

IM in der Fanszene aktiv

Belegt ist, dass die Stasi in den Fanclubs IM (inoffizielle Mitarbeiter) platzieren konnte. Einer wurde beispielsweise bei der Stasi unter dem Decknamen "IM Peter Dinse" geführt und war auf die "Domspatzen", einen als besonders aktiv und militant eingestuften FCM-Fanclub, angesetzt. Wie viele IM in den Fanclubs aktiv waren, könne man noch nicht sagen, so Marion Rometsch. "Ich gehe aber davon aus, dass die Stasi wie bei allen anderen Bereichen, die sie ausspioniert hat, auch bei den Fanclubs in ihrem Sinne sorgfältig und gezielt gearbeitet hat."

Stellt sich die Frage, ob und in welchem Maße gezielt einzelne FCM-Fans überwacht und auf sie IMs angesetzt wurden und ob es Sanktionen gegen einzelne Fans gegeben hat. "Diese Fragen können wir nach der Sichtung der sogenannten Sachakten über die FCM-Fanclubs nicht beantworten", sagt Marion Rometsch. Die Behörde könne natürlich selbst Nachforschungen dazu anstellen, allerdings müsse dafür ein Forschungsauftrag erteilt und finanziert werden. Vorerst bleibe nur die Möglichkeit, dass sich Fans, die einen entsprechenden Verdacht haben, in der Stasiakten-Außenstelle melden und nachforschen lassen, ob es über sie eine operative Personenakte gibt. Marion Rometsch geht davon aus, dass durch die Ausstellung bei den Betroffenen durchaus das Interesse geweckt werde, mal zu sehen, ob es über sie Stasi-Akten gibt.

Vortrag über Lutz Eigendorf

Der "Tag der offenen Tür" in der Georg-Kaiser-Straße 7 beginnt morgen um 14 Uhr mit der Eröffnung der Wanderausstellung "Stasi-Fußball - Jagd nach Punkten und Verrätern", die bis zum 1. November zu sehen ist. Die Ausstellung dokumentiert die sportpolitische Funktion des Berliner Fußball-Clubs Dynamo (BFC). Sie zeichnet den Einfluss der Staatssicherheit auf den Verein nach und macht sichtbar, wie auch der BFC und seine Fans von der DDR-Geheimpolizei überwacht und kontrolliert wurden.

Neben der Ausstellung werden Führungen durch die Behörde angeboten und ab 15.30 Uhr steht dann der Vortrag "Die Stasi und der Fall Lutz Eigendorf", der von Oberstaatsanwalt a. D. Dr. Hans-Jürgen Grasemann gehalten wird, auf dem Programm.

 

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