Magdeburg l Eine Masterstudentin befragt derzeit die Pendler an den Bahnhöfen in Alte Neustadt und Buckau. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit will sie anhand der Ergebnisse Verbesserungsideen für die Aufenthaltsqualität finden.

Montagmorgen, kurz vor 9 Uhr. Obwohl die Sonne scheint, ist die Luft bereits vorwinterlich. Der Stift in der Hand von Lilli Ens will gar nicht so recht schreiben wie sie. Dennoch harrt sie für ihre Abschlussarbeit in der Kälte aus und befragt die Passanten, die aus dem Bahnhofsgebäude an der Gröperstraße kommen, nach ihren Vorstellungen, wie es besser, schöner, attraktiver werden könnte.

Im Rahmen ihres Masterstudiums sind die Interviews, die die junge Frau aus Baden-Württemberg derzeit führt, Grundlage für das spätere Schreiben. Denn anhand dessen, was ihr die Leute erzählen, will sie Ideen und Vorschläge formulieren, wie man den Klinkerbau wieder ins "Leben zurückholt".

Denn am Neustädter Bahnhof ist die Zeit im wahrsten Sinn des Wortes stehen geblieben. Die große Uhr unter dem Dachfirst steht seit Jahren still. Eine Reihe von Fenstern sind eingeschlagen. Bis auf eine Kioskkneipe steht das Gebäude leer. Die Vermarktung durch eine Immobilienfirma, die vor einigen Jahren Hunderte Bahnhöfe in Deutschland von der Deutschen Bahn erwarb, verlief bislang im Sand.

Eine Ausstellung in den Gängen könnte sich Lilli Ens zum Beispiel vorstellen, erzählt sie. Die Fenster und Türen müssten ausgetauscht werden, die Fliesen würde sie aber belassen. "Es könnte alles ein bisschen bunter sein", sagt sie. Außerdem müssten als Erstes wieder Geschäfte einziehen. Ein Kino im Bahnhof? Warum nicht, findet sie und hat es in ihren Fragenkatalog aufgenommen. Durch ihre Umfrage will sie nun erfahren, was sich die Anwohner und Nutzer wünschen mehr Mülleimer, bessere Beleuchtung oder doch vielleicht Kunst?

Knapp zwei Wochen wird sie sich größtenteils nachmittags vor den beiden Bahnhöfen aufhalten und spontan die Pendler befragen. Außerdem gibt es im Internet eine Umfrage (siehe Link am Artikelende). "Die habe ich erst am Freitag erstellt und es gab bereits 70 Teilnehmer", freut sich Lilli Ens. Aber gerade die Meinungen älterer Magdeburger fehlen ihr noch. Auf der Informationsveranstaltung zum Verfügungsfonds ist sie deshalb auch heute Abend, um weitere Interviews führen zu können.

Unterstützt bei ihrer Untersuchung wird sie von Geschäftsstraßenmanagerin Birgit Schmidt. Auf deren Internetseite ist sie überhaupt erst auf den Bahnhof und seinen Verbesserungsbedarf gestoßen, erzählt die Studentin. Die Leiterin ihres Studengangs, Prof. Dr. Renate Girmis, brachte dann noch den Buckauer Bahnhof ins Spiel, weil sich die Probleme an beiden Standorten sehr ähneln. "Dort ist es aber noch schlimmer als hier", sagt Lilli Ens und meint die bauliche Substanz. Auch in Buckau gibt es bis auf die Magdeburger Tafel keinen Mieter, der die Attraktivität erhöhen könnte. Mit dem von ihrer Dozentin initiierten "DingWeg" gibt es dort aber bereits einen Versuch, den Ort kulturell aufzuwerten.

Bis Mitte Dezember läuft die Befragung noch. Dann geht es an die Auswertung. Spätestens bis März soll ihre Masterarbeit geschrieben sein. Dann hofft Lilli Ens, dass sich jemand findet, der ihre Ideen auch in die Tat umsetzen will.

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