Magdeburg. Der Bau der neuen Lärmschutzwand im Nordabschnitt des Magdeburger Rings steht kurz vor dem Abschluss. Die Stadt konnte im Rahmen der Ausschreibung Kosten sparen, so dass Geld für eine Erweiterung an den Auf- und Abfahrten zur Verfügung stand. Diese waren zunächst gar nicht geplant und kalkuliert gewesen. Die derzeit noch laufenden Arbeiten sollen im September abgeschlossen werden, informierte der Beigeordnete für Umweltfragen, Holger Platz, in dieser Woche die "Kabinettsrunde" des Oberbürgermeisters. Der Bau der neuen Wand zwischen Kannenstieg und Neustädter See galt nach den Lärmschutzprojekten am Editharing oder Lübecker Privatweg als einer der Hauptschwerpunkte des städtischen Lärmaktionsplanes. Investiert wurden fast vier Millionen Euro. Zu großen Teilen kam das Geld aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. "Das Projekt lag schon jahrelang in der Schublade" ergänzte gestern Rolf Warschun, Leiter des Umweltamtes. "Ohne die Fördermittel hätten wir die Wand nicht bauen können", so Warschun zur Volksstimme.

Umso ärgerlicher, dass nicht alle Anrainer mit dem bisherigen Ergebnis des Mammutprojekts am Ring zufrieden sind - Anwohner in höheren Etagen der angrenzenden 10-Geschosser beklagen, dass es kaum Wirkung zeige (Volksstimme berichtete). Dazu soll es aber noch eine Klärung geben, wie Holger Platz gegenüber der Volksstimme bereits angekündigt hatte.

Sein "Sachstandsbericht zum Lärmaktionsplan", der nach der OB-Runde nun auch noch in den Stadtrat geht, hält ansonsten wenig Konkretes bereit. Das ist auch kaum verwunderlich, wie die Nachfrage gestern bei Amtsleiter Warschun ergab: Die größten Projekte an den lautesten Stadtstraßen gelten mit der Ring-Wand als abgeschlossen.

Ist der rund 85-seitige Lärmaktionsplan von 2009, der weitere Maßnahmen auflistet, damit Makulatur? Warschun sagt nein, doch er verweist darauf, dass aktuelle EU-Vorgaben zur Überarbeitung zwingen. Straßen mit stärkerer Frequentierung müssen neu kartiert (ist bereits angelaufen) und ein Lärmschutz-Maßnahmekatalog dafür erarbeitet werden. Das Umweltamt hat dafür bis 2013 Zeit. Die Öffentlichkeit muss dann auch einbezogen werden. So weit der Pflichtteil, wie ihn die EU vorschreibt. Die Umsetzung der Maßnahmen aber bleibt freiwillig - so wie schon jetzt.

Was wird also überhaupt in Sachen Lärmschutz in den nächsten Jahren passieren? Der alte Aktionsplan hatte bereits Empfehlungen für weitere verkehrs- und damit lärmreiche Straßen ausgesprochen: Das betraf seinerzeit neben dem Nordabschnitt des Rings auch die Walther-Rathenau-Straße, die Albert-Vater-Straße, die Halberstädter Straße, die Jerichower Straße sowie Alt-Fermersleben. Offenporiger Belag auf dem Ring ("Flüsterasphalt"), Tempo 30 zum Beispiel nachts in Fermersleben, in der Halberstädter und in der Albert-Vater-Straße sowie partielle Drosselung der Geschwindigkeit auch in der Walther-Rathenau-Straße - so weit reicht die Liste.

Doch man wird sich hüten, einfach Tempo-30-Schilder an einer Hauptverkehrsstraße aufzustellen. Warschun weiß, die Sache birgt Zündstoff und er betont, Einzelmaßnahmen kämen nach dieser Liste nicht zustande. "Das geht nur mit einem Gesamtkonzept, das neben dem Lärmschutz z. B. auch den Aspekt von Verkehrsverlagerung berücksichtigt", sagt er. So sieht es derzeit danach aus, dass sich vor 2013 nichts Nennenswertes mehr bewegt in puncto Lärmschutz. Die Stadt wird dann auch eine Prioritätenliste erarbeiten, die dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird. Amtsleiter Warschun: "Wenn ich an die Debatte zur innerstädtischen Umweltzone denke, ahne ich schon, das wird auch noch mal eine spannende Diskussion."