Wenn es dunkel wird in Cracau, gehen in der Pechauer Straße bei Familie Müller die Lichter an. Doch nicht einfach so. Der ganze Vorgarten erstrahlt in zauberhaftem Lichterglanz und lässt Passanten staunen. Rentner Hans Müller steckt viel Liebe und Engelsgeduld in sein besonderes Hobby.

Cracau l "Frohe Weihnachten" wünscht ein beleuchtetes rotes Schildchen über der Pergola, ein Weihnachtsmann sitzt im Rentierschlitten auf dem Rasen, der große Schneemann grüßt freundlich, indem er seinen schwarzen Zylinder schwenkt - und ringsherum sorgen funkelnde Sterne und Lichterketten für stimmungsvolle Atmosphäre. Oft bleiben Passanten stehen mit erstauntem "Ohh!" und Ahh!" Manche Autofahrer, die schon vorbei waren am Müllerschen Grundstück, drehen noch mal um, um sich das Wunder von Cracau anzusehen oder kommen, weil sie es aus den letzten Jahren schon kennen, extra auf einen Kurzbesuch vorbei. Gerade an den Wochenenden wird der Vorgarten der Familie Müller in der Advents- und Weihnachtszeit regelrecht zum Wallfahrtsort. "Wenn wir im Wohnzimmer sitzen, sehen wir ganz oft die Fotoapparate aufblitzen", erzählt Rentnerin Marlis Müller. Auch die Nachbarn und viele andere Cracauer freuen sich jedes Jahr über den Lichterzauber im Vorgarten der Familie Müller, der auch im Sommer die Blicke auf sich zieht, wenn die vielen Rosenbüsche vor dem Haus ihre prächtigen Blüten zeigen. Im Sommer die "Rosen-Müllers", in der Weihnachszeit die "Lichter-Müllers". Marlis Müller muss selbst darüber schmunzeln: "Och, das ist einfach schön. Wenn sich die Leute so am Lichterglanz freuen können, macht uns das natürlich Spaß. Das ist eine Freude, die wir gern mit den anderen teilen", sagen Marlis Müller und ihr Mann Hans (73), der eindeutig "den Hut aufhat" für die weihnachtliche Schmückaktion, wie Ehefrau Marlis betont.

Rentner Hans Müller beginnt jedes Jahr spätestens drei Wochen vor dem ersten Advent mit dem üppigen Schmückwerk vor dem Haus, in dem auch ein Sohn mit seiner Familie wohnt. Hans Müller zieht unendlich viele Kabel, probiert Lämpchen aus, steigt auf die Leiter, zuppelt hier und drapiert dort. Bis die Sterne den Weg zum Haus säumen, die Bäume und Blumenkästen mit Lichterketten und -netzen versehen sowie Schlitten und Schneemann platziert sind. "Er ist dann jeden Tag stundenlang draußen, bis alles am richtigen Platz ist und funktioniert. Ich helfe höchstens mal beim Halten", beteuert Ehefrau Marlis. Anheimelnd schön, aber nicht kitschig sollen der geschmückte Vorgarten und das Haus sein. "Deshalb nehmen wir keine kunterbunte Beleuchtung und auch nicht so viel Plaste", meinen die beiden. Das meiste sei inzwischen auch schon auf LED umgerüstet, was zwar teurer in der Anschaffung, dafür um Längen günstiger im Stromverbrauch sei. "Na ja, es gab natürlich in der Vergangenheit auch schon Leute, die meinten: So viel Strom für Lichterschmuck, die müssen ja viel Geld haben ..." Doch, so weiß Marlis Müller, das waren nur die wenigsten und außerdem: "Andere geben ihr Geld für Bier und Zigaretten aus. Wir gönnen uns im Alltag nichts Besonderes. Das mit der Weihnachtsbeleuchtung ist für uns einfach eine große Freude", betonen Marlis Müller und ihr Mann. Und dabei strahlen sie selbst übers ganze Gesicht, ganz so, als hätte sie sich potenziert - die eigene Freude und die der anderen. Wenn Kinder am Zaun stehen und über die vielen Lichter staunen (die das Rentnerpaar nicht gezählt hat), dann geht die 66-jährige Marlis Müller auch schon gern mit vor die Tür und steckt den Jüngsten einen kleinen Schokoweihnachtsmann zu. Die Müllers haben selbst sechs Enkel - der Grund, weshalb sie 1993/94 auch begannen, den Vorgarten weihnachtlich zu schmücken.

"Und es wurde dann jedes Jahr mehr", stellen die beiden fest. Wobei es nun gut sei ... mit einer Ausnahme. Der Schwager arbeitet gerade an einer schönen Holzpyramide. Die soll im nächsten Jahr einen Ehrenplatz im weihnachtlich erleuchteten Vorgarten der Müllers bekommen.