Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in der Stadt steht kurz bevor. 25 neue Erinnerungsstücke an ehemalige Magdeburger werden am 8. März in Gehwege eingelassen.

Magdeburg l Es entstehen zehn neue Orte der Erinnerung. Zehn Orte, an denen 25 ehemalige Magdeburger wohnten, die vom Naziregime ermordet worden sind. Auf ihr Leben aufmerksam machen werden insgesamt 25 neue Stolpersteine, die in der nächsten Woche in die Gehwege vor ihren damaligen Wohn- und Wirkorten eingelassen werden.

Diese Orte zu finden, ist nicht immer einfach. Viele der Häuser gibt es nicht mehr. "Das Gedenken geht Hand in Hand mit der Wahrnehmung, dass wir in unserer Stadt durch deutsche Schuld nicht nur viele Menschen auf schreckliche Weise verloren", sagt Waltraut Zachhuber, "sondern dass dadurch auch unsere Stadt so viel an Gesicht verlor." Von den zehn Orten, die in der nächsten Woche Stolpersteine erhalten, ist nur ein einziges Haus noch übrig geblieben.

Zachhuber und die Arbeitsgruppe "Stolpersteine für Magdeburg" laden am 8. März ein: "Lassen Sie sich ein auf den Weg des Gedenkens durch die Altstadt. Sie werden wieder eindrücklichen Menschen und Schicksalen begegnen können."

Die neuen Verlegungen:

Beginn ist am 8. März um 9 Uhr in der Gustav-Adolf-Straße. Eva Kesten wohnte im Haus mit der Nummer 40, das es nicht mehr gibt. Verlegt wird der Stein an der Ecke Blauebeilstraße/Tränsberg.

Um 9.25 Uhr soll ein Stein für Familie Laufer, ehemals Neustädter Straße 24, Ecke Mühlenstraße/Richtung Tränsberg, eingebracht werden. Danach folgt um 9.45 Uhr das Gedenken an David Rostholder in der Jakobstraße. Er wohnte in der Nr. 11, doch da die Nummerierung sich geändert hat, wird der Gedenkstein am Zugangsweg Jakobstr. 22-24 verlegt. Für das Ehepaar Rostholder, das in der Peterstr. 19b wohnte, wird um 10.05 Uhr ein Stein vor der Peterstr. 23 verlegt.

Der Familie Gryncajgier aus der Grünearmstraße 11 (heute Weitlingstraße, Ecke Große Steinernetischstraße) wird um 10.25 Uhr gedacht.

Wenig weiter erhält das Ehepaar Zorek, einst Jakobstraße 50, steinernes Gedenken um 10.50 Uhr. Auch ihr Haus steht nicht mehr. Verlegt wird an der Wiese neben dem Parkplatz Ecke Alter Markt. Dort liegen bereits Stolpersteine für das Ehepaar Wilhelm.

Auch das Haus von Familie Treu, Hartstraße 1, gibt es nicht mehr. Gedacht wird ihrer um 11.15 Uhr an der Martin-Luther-Platzseite/Ecke Reuterallee. Ein Stück weiter erhält Familie Zamory, Hartstr. 4, Stolpersteine.

Um 12 Uhr ist Gedenktreffen für Familie Meene, die Große Schulstraße 4 wohnte. Heute ist es die Julius-Bremer-Straße/Ecke Max-Otten-Straße.

Das einzig noch erhaltene Haus ist das von Familie Mannes-Cohn, Blumenthalstraße 10, die heute Einsteinstraße heißt (zwischen Leibnizstraße und Breitem Weg).

Bis 1933 waren jüdische Magdeburger selbstverständlich in unserer Stadt. Waren Nachbarn, Schulkameraden, Kollegen in Krankenhäusern, Geschäften, Behörden und Fabriken. 3200 jüdische Menschen gab es 1928 in Magdeburg. 1521 von ihnen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.

Daneben gab es auch andere Opfer: Hunderte Roma und Sinti, Widerstandskämpfer, Behinderte aus den Pfeifferschen Stiftungen, Homosexuelle, Zeugen Jehovas. Hinzuzuzählen sind auch die in Magdeburg ermordeten Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen. Die Naziverbrecher zerstörten einen wichtigen Teil von Magdeburgs Kultur und gesellschaftlichem Leben.

261 Steine und Geschichten

Wo diese Menschen wohnten und wirkten, mahnen Stolpersteine, erinnernd an ihr Schicksal. Und als Achtungszeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

Der Kölner Künstler ist maßgeblich an der Aktion "Stolpersteine" beteiligt. Deutschlandweit setzte er seit 1992 bereits mehr als 8000 dieser Erinnerungsstücke dort, wo die Menschen wohnten oder wirkten, in das Straßenpflaster. Betonsteine mit einer Messingplatte, auf der die Namen und Daten der ehemaligen Mitbürger zu lesen sind. Jeder kann "mit den Blicken" darüber stolpern und wird erinnert: "Hier waren sie zu Hause, auch bei mir nebenan."

In Magdeburg wurden die ersten Stolpersteine am 18. März 2007 verlegt. Nach einem Beschluss des Stadtrates wurde die Aktion von der Arbeitsgruppe "Stolpersteine für Magdeburg" ins Leben gerufen und seither umgesetzt.

Der erste Stolperstein wurde damals am Alten Rathaus in den Boden eingebracht. Er erinnert an den Magdeburger Bürgermeister Herbert Goldschmidt. Vier weitere wurden zum Gedenken an vier Familien bzw. Ehepaare vor deren ehemaligen Wohnhäusern gesetzt. Seither wurden in der Stadt insgesamt 261 dieser Gedenksteine verlegt. Begleitend zu der Verlegung entstand ein Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus. Es ist im Rathaus einzusehen. Es berichtet über das Leben der ehemaligen Magdeburger, fasst zusammen, was aus ihrem Leben noch bekannt ist. Gestaltet wird es vom Magdeburger Designer Ernst Albrecht Fiedler.

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