Im Aussichtsturm im Stadtpark wurde gestern das Projekt "Szenen einer Ausstellung" offiziell vorgestellt. Damit soll an die kulturhistorische Bedeutung der Deutschen Theaterausstellung von 1927 erinnert werden.

Magdeburg l Hoch über Magdeburg im Aussichtsturm im Stadtpark gerät Nobert Pohlmann ins Schwärmen: Die Theaterausstellung von 1927 sei damals zu Recht als "Weltausstellung" bezeichnet worden. Pohlmann nennt sie "grandios" und "außergewöhnlich", aber sie sei eigentlich noch gar nicht richtig kulturhistorisch bewertet worden. Dass sie vor jetzt 85 Jahren ausgerechnet in Magdeburg veranstaltet worden sei, sei genauso großartig für die Stadt gewesen wie die Architektur, die eigens für die Ausstellung im Stadtpark entstanden sei. Jetzt, im Jubiläumsjahr, solle an diese Ausstellung erinnert werden. "Szenen einer Ausstellung" heißt das Veranstaltungsprojekt, mit dem dieses ab dem 12. Mai passieren wird.

Dabei sei der Name Programm, sagt Kunsthistoriker und Kurator Norbert Eisold. "Wir wollen nicht die Theaterausstellung wiederholen. Das ist überhaupt nicht möglich. Aber wir wollen versuchen, den Geist und die Idee der Theaterausstellung darzustellen."

Und dafür haben sich die über 100 Akteure des Projekts ein sehr umfangreiches und ambitioniertes Programm vorgenommen. So sollen mit überdimensionalen Fotografien die Ausstellungsgebäude zwischen Stadthalle, Pferdetor, Aussichtsturm und Adolf-Mittag-See dargestellt werden. Bis zum Ende der Herbstes werden im Stadtgebiet verteilt über 80 Bühnendekorationen berühmter Theaterstücke zu sehen sein. Es wird Theateraufführungen von Stücken aus der Zeit der Ausstellung von 1927 geben.

Im Forum Gestaltung ist dann eine Ausstellung zu sehen, die die publizistische Wirkung der Theaterschau darstellt. Gezeigt werden Programmhefte, Plakate, Theaterzeitungen und vieles mehr.

Auch Ausstellungsexponate, die seinerzeit in der Theaterschau zu sehen waren, werden präsentiert. "Das war besonders schwierig, da diese Sachen aus ganz Deutschland zusammengetragen werden mussten", so Kurator Norbert Eisold.

Zum Programm gehören Tagungen und Kongresse, theaterhistorische Stadtrundfahrten, die Taufe des Aussichtsturms in "Albinmüller-Turm", ein Sommertheaterfest (Ekmagadi), die Bühnentechnische Tagung im Juni, das Puppentheater wird sich mit einem eigenen Projekt beteiligen und vieles mehr. Dabei werden auch mehrere traditionelle Kulturveranstaltungen in das Projekt mit eingebettet.

Insgesamt steht den Organisatoren dafür ein vergleichsweise kleines Budget von rund 40000 Euro zur Verfügung, so Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch. Eigentlich habe die Stadt dieses Projekt bereits zum 80. Jahrestag der Theaterausstellung 2007 umsetzen wollen, das sei aus kommunalen Sparzwängen heraus aber nicht möglich gewesen. "Wir haben das Ganze aber nicht aus den Augen verloren und freuen uns, das Projekt jetzt so umsetzen zu können."

Dabei schlägt die Stadt mit der Aktion gleich "zwei Fliegen" mit einer "Kulturklappe": Es wird an eine der außergewöhnlichsten Ausstellungen erinnert, die Magdeburg vor 85 Jahren erleben durfte, und die Stadt hat noch zusätzlich "Futter" für die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt, die sie 2020 werden möchte. Denn das Projekt "Szenen einer Ausstellung" ist ein Bestandteil der Bewerbung, mit dem die Stadt Magdeburg die Vergabejury für sich einnehmen möchte.

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