Die rund 80000 Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt werden überwiegend von ihren Angehörigen gepflegt. Das geht aus dem Pflegereport der Barmer GEK hervor. Erstmals gibt die Datensammlung auch Auskunft über die Gesamtkosten der Pflege und den Kosten, die aus eigener Tasche zu zahlen sind.

Von Silke Janko

Leipzig l 80667 Männer und Frauen (Datenbasis 2009) sind in Sachsen-Anhalt pflegebedürftig: Zwei von drei Betroffenen (69 Prozent) werden in häuslicher Umgebung gepflegt und betreut, geht aus den gestern in Leipzig vorgestellten Daten zur Pflegebedürftigkeit in Mitteldeutschland der Barmer GEK hervor.

Im Bundesvergleich, so ermittelten Wissenschaftler des Zentrums für Sozialpolitik der Universität Bremen im Auftrag der Krankenkasse, werden in Sachsen-Anhalt aber mehr ambulante Pflegedienste zu Hilfe genommen. Die Pflege durch Angehörige ist zwischen Arendsee und Zeitz wie in Deutschland insgesamt die weit verbreitetste Form - sie wird hierzulande aber eher unterdurchschnittlich genutzt. Fast jede/r dritte pflegebedürftige/r Frau oder Mann lebt in einem Heim (31,3 Prozent). Mögliche Erklärungen werden in dem Report nicht genannt. Die Wissenschaftler um Professor Heinz Rothgang weisen aber auf den höheren Anteil pflegebedürftiger Älterer in den neuen Bundesländern hin (siehe Grafik): So ist der Anteil der über 80-Jährigen im Osten höher als in den alten Ländern. Eine Rolle für den höheren Anteil Pflegebedürftiger spielen aber auch sozioökonomische Faktoren wie beispielsweise das geringere Einkommensniveau, Umweltbelastungen sowie ungünstige Versorgungsstrukturen und Wohnsituationen.

Erstmals gibt die Datensammlung Auskunft über die Gesamtkosten von der ersten Inanspruchnahme von Pflegeleistungen bis zum Tod: Danach benötigen Männer im Durchschnitt 21400 Euro, Frauen dagegen 39000 Euro. Die deutlich höheren Pflegekosten bei Frauen ergeben sich vor allem durch die stationäre Pflege, die Frauen häufiger nutzen als Männer, und ihre höhere Lebenserwartung. Grundlage für die Berechnung der Gesamtlebenszeitkosten für Pflege waren die Daten von rund 2000 Barmer-Versicherten, die im Jahr 2000 erstmals pflegebedürftig geworden waren. Dazu wurden die Ausgaben bis zum Jahr 2011 addiert und bis zum Jahr 2024 geschätzt. "Zum ersten Mal können wir sagen, welcher Anteil der Kosten von der Pflegeversicherung übernommen wird und wie viel jeder Einzelne privat zahlen muss", erklärte gestern Paul-Friedrich Loose, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK in Leipzig.

Vor allem bei der Betreuung in Pflegeheimen kommen auf die Betroffenen nicht unerhebliche Eigenanteile hinzu, da die Pflegeversicherung die Kosten nicht voll deckt. Im Durchschnitt zahlen die Bewohner 31131 Euro aus eigener Tasche - dabei kann der Eigenanteil im Extremfall bis auf 305000 Euro gehen. Ein Heimplatz (Pflegestufe 1) kostet in Sachsen-Anhalt 1622 Euro (2009) monatlich.

Der sogenannte Pflege-Bahr, die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ini-titierte steuerliche Förderung freiwilliger privater Pflegeversicherungen, löse deshalb nicht das Problem. Unter anderem nicht, weil nur eine Minderheit eine solche Versicherung abschließe. Nötig sei, dynamisierte Beiträge für die soziale Pflegeversicherung einzuführen, erklärte Loose.