Die umstrittene Ausstellung mit Mumien in Nedlitz (Jerichower Land) ist am Wochenende eröffnet worden. Die Organisatoren hatten einen Besu-cherandrang befürchtet, doch der blieb aus.

Nedlitz l Rund 130 Besucher kamen am Sonnabend zur Eröffnung der Ausstellung über den Totenkult in die Nedlitzer Kirche. Vorbereitet hatten sich die Organisatoren, die Mitglieder des Förderereins, auf mehrere hundert. Denn es werden auch zwei Mumien gezeigt. Vorsorglich hatte der Verein vorab mitgeteilt, dass geladene Gäste Vorrang hätten. Dies und vielleicht auch das nasskalte Wetter ließen wohl viele Interessenten fernbleiben.

Fast drei Jahre lang hatten die Nedlitzer auf diesen Tag hingearbeitet. Dabei war es immer wieder zu Kontroversen gekommen. Vor allem Vertreter der Kirche hatten sich dagegen ausgesprochen, dass die Mumien besichtigt werden können. Eine Störung der Totenruhe der beiden Bestatteten, Johanna Juliane Pforte (verstorben 1753) und Robert Christian von Hake (1740), wollten sie vermeiden.

Bei der Eröffnung waren jedoch nur versöhnliche Stimmen zu hören. "Der Wille zum Konsens und zum Kompromiss muss bei solchen Kontroversen die Diskussion bestimmen", sagte Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU), der die ehrenamtliche Tätigkeit der Nedlitzer bei der Sanierung der Kirche würdigte. Das tat auch Ute Mertens. Die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming ist eine Kritikerin des öffentlichen Zugangs der Mumien. Sie wünsche sich, dass das Evangelium die Menschen in die Kirche locke und nicht die Mumien. Eine Gruft mit Mumien sei keine Sensation, sondern "ist und bleibt eine Ruhestätte". Sie bat um einen behutsamen und pietätvollen Umgang mit den Mumien. Sie wisse aber, dass die Fördervereinsmitglieder dieses versuchen.

Vorsicht der Nedlitzer "einzigartig in Deutschland"

Wilfried Rosendahl, Leiter des "Deutschen Mumienprojektes" in Mannheim, erklärte: "Bei Mumien denken die meisten zuerst an Ägypten, als zweites an Ötzi." Europa habe eine regelrechte Mumienkultur, über die jedoch nur wenig bekannt sei. Hunderte Mumien gebe es in Gruften, "viele aus der Zeit der Renaissance und des Barocks, und wir wollen wissen warum", erklärte er seine Aufgabe.

Die Vorsicht und Akribie der Nedlitzer bei ihrem Projekt sei "einzigartig in Deutschland". Kontroversen gebe es in allen Mumienorten. Der Ausgang sei immer anders. Die ruhige Auseinandersetzung in Nedlitz nannte er beispielhaft in der Republik. "Sie machen hier alles richtig", schloss er seine Ausführungen.

Vereinsvorsitzender Peter Weber: "Ich bin erleichtert, dass die Eröffnung so gut verlaufen ist."

Zu sehen ist die Ausstellung ausschließlich nach Anmeldung unter der Telefonnummer (03 92 24) 9 78 65.