Jerichow. Kadaver von mehreren Wildpferden und Wildrindern sind bei Jerichow gefunden worden. Das Hochwasser hatte sie wohl mitgerissen. Die Tiere waren aufgequollen, die Verwesung hatte eingesetzt. Ein grauenvoller Gestank schlug den Bergungsteams entgegen.

Nach einem schrecklichen Fund am Wochenende von sieben toten Pferden und einem Rind trafen die Helfer gestern auf weitere Kadaver. Die Tiere gehören zu Herden, die vom Naturschutzbund (NABU) Kreisverband Stendal bei Jerichow im Bucher Brack gehalten wurden.

"Wir haben versucht, die Tiere zu evakuieren", sagte Peter Neuhäuser, Leiter des NABU-Kreisverbandes Stendal. Am 3. Juni hatte das Ordnungsamt den NABU aufgefordert, die Tiere mit Hilfe von Treckern, Treibegittern und zahlreichen Freiwilligen in Sicherheit zu bringen. Doch die Evakuierung sei gescheitert. Die Wildtiere seien immer wieder ausgewichen. Einen Tag später sei das Gebiet mit Treckern nicht mehr befahrbar gewesen. Ämter hätten die Zufahrt über eine Brücke und das Wasser verweigert. "Die Vorwarnzeit war einfach zu kurz", so Neuhäuser. "Wir mussten tatenlos zusehen, was passiert", sagte der Kreisverbandschef. 60 Zentimeter höher als erwartet war der Scheitel bei Tangermünde.

Erst Mitte Juni war es bei Jerichow zu einem Zwischenfall mit NABU-Tieren gekommen. Im Auftrag des Katastrophenstabes waren zwei Wildrinder getötet worden. Nach Darstellung der Stabsmitglieder hätte von den Tieren eine Gefahr für Menschen und die aufgeweichten Deiche ausgehen können. Peter Neuhäuser hatte dies bestritten.
Am Montag war das Veterinäramt mit Peter Neuhäuser bei den Koppeln. Sie fanden weitere Kadaver. Wie viel tote Tiere sie gefunden haben? Dazu war gestern beim Landkreis trotz mehrmaliger Anfragen keine Auskunft zu bekommen.

Peter Neuhäuser wollte die Zahl der toten Tiere nicht schätzen. Das ganze Gebiet sei noch nicht zugänglich, so könne er sich keinen Überblick verschaffen. Drei Rinder hätten allerdings mindestens überlebt. Insgesamt lebten vor der Flut nach Angaben von Neuhäuser je 20 Pferde und Rinder auf den Flächen bei Jerichow.

Es ist ein großer Schaden entstanden - vor allem ideell. "Für uns ist es eine Tragödie. Man hängt ja auch an den Tieren", sagt Peter Neuhäuser.

Jerichows Landrat Lothar Finzelberg hatte nach dem Fund angekündigt, dass der Halter mit Konsequenzen rechnen müsse. Der Kreis werde ihm die Arbeiten in Rechnung stellen.

Schon früher stand das Verhalten des Naturschutzbundes in der Kritik. Während des Winterhochwassers 2010/11 waren die Tiere vom Wasser eingeschlossen.

Damals kritisierten viele Bürger das Verhalten des NABU-Chefs. Peter Neuhäuser wurde angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Stendal stellte ihre Ermittlungen aber ein. Eine Anzeige ist aktuell gegen Peter Neuhäuser beim zuständigen Polizeirevier Burg noch nicht gestellt worden, sagte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

Zum Thema Anzeige sagt Peter Neuhäuser: "Das ist eine Flut gewesen, die alles Bisherige in den Schatten gestellt hat. Wir haben alles Menschenmögliche versucht."

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