Warum der Aufstand?

Der Aufstand entstand aus dem Protest von Arbeitern gegen die von der SED beschlossenen Erhöhungen der Arbeitsnormen. Nach ersten Streiks und Demonstrationen an den beiden Vortagen im Ostteil Berlins beteiligten sich am 17. Juni bis zu 1,5 Millionen Menschen in mindestens 400 Städten und Gemeinden fast aller DDR-Bezirke an den Protestaktionen.

Dabei wurden neben der Rücknahme der Normerhöhungen und einer Verbesserung der Lebensbedingungen auch der Rücktritt der Regierung, freie und geheime Wahlen sowie die deutsche Wiedervereinigung gefordert.

Magdeburg l Heute vor 62 Jahren beendeten sowjetische Panzer und die Volkspolizei gewaltsam die friedlichen Demonstrationen Hunderttausender Arbeiter in der DDR. Auch in Magdeburg, Halle und anderen Städten im heutigen Sachsen-Anhalt hatten an diesem 17. Juni 1953 viele Menschen gegen die Willkürherrschaft der SED protestiert sowie Freiheit und Rechte gefordert. Mit der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes, die republikweit 55 Todesopfer forderte, begann der Untergang der DDR, der 1989 mit der friedlichen Revolution seinen Abschluss fand.

Die ehemalige Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Edda Ahrberg, bedauert, dass für den 17. Juni der einstige Feiertagscharakter weggefallen ist. Von 1954 bis zur Wiedervereinigung sei der 17. Juni als Tag der deutschen Einheit der Nationalfeiertag in der Bundesrepublik gewesen. "Als heutiger Gedenktag ist er lange nicht mehr so in den Köpfen der Menschen drin", sagte sie der Volksstimme. Noch nicht mal mehr in den meisten Kalendern sei er als Gedenktag erwähnt. "Es darf nicht geschehen, dass der 17. Juni 1953 mehr und mehr in der Erinnerung verblasst", warnte Ahrberg. In der Nachkriegsgeschichte habe er einen sehr hohen Stellenwert besessen und müsse als herausragendes Ereignis in der deutschen Geschichte seit 1848 begriffen werden.

Mit der Dokumentation "Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953" hat Edda Ahrberg die Opfer des Volksaufstandes gewürdigt. In dem Buch werden die Toten des Aufstandes in Berlin und sechs Bezirken der DDR vorgestellt. Die Darstellung der persönlichen Schicksale sei ein Versuch, die Toten vor dem Vergessen zu bewahren und ihnen und ihren Angehörigen und Freunden auf diese Weise eine späte Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so Ahrberg. Über die Zahl der Todesopfer des Volksaufstandes gab es im Laufe der Zeit die widersprüchlichsten Angaben. Die DDR-Staatssicherheit sprach am 25. Juni 1953 von 25 Toten. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen nannte "nach sorgfältig überprüften Angaben" die Zahl 507. Beides stimmte nicht, ergaben die Forschungen von Edda Ahrberg. "Nach unseren Recherchen sind 55 Todesopfer durch Quellen belegt, unter ihnen vier Frauen." Im Bezirk Magdeburg seien zehn Menschen ums Leben gekommen, im Bezirk Halle 16.

In Magdeburg wird heute um 11 Uhr auf einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis am Moritzplatz, an der auch Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) teilnimmt, der Opfer des Aufstandes gedacht. Die Gedenkstätte organisiert einen Projekttag mit Schülern des Hubertus-Gymnasiums, auf dem Hans-Jürgen Wolff als Zeitzeuge berichten wird. Er erlebte den 17. Juni 1953 als Oberschüler in Magdeburg.