Zahlen rund um das Observatorium

Rund eine halbe Million Euro hat das Observatorium gekostet. Das Geld kommt von der Helmholtz Gemeinschaft, die wiederum vom Bund finanziert wird.

Das Gebiet ist einen Hektar groß, darauf befinden sich rund 300 Bäume. Etwa 400 Sensoren sind auf dem Gelände angebracht. Der Messturm ist fünfzig Meter hoch.

Oschersleben l 20 Buchen tragen jetzt blaue Gürtel. Es handelt sich um Silikonmatten, mit denen die Baumstämme umklebt sind. Unten sind sie umgeschlagen, so dass jeder Tropfen Wasser, der herunterrinnt, gesammelt und über einen Schlauch in einen Behälter geleitet wird. "Wir fangen auf dem Gelände das Regenwasser in unterschiedlichen Höhen auf", erklärt Umweltphysiker Matthias Cuntz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).


Das Leipziger Institut hat am Dienstag im Hohen Holz bei Oschersleben ein sogenanntes Wald-Klima-Observatorium in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von einem Hektar wird künftig gemessen, wo wie viel Wasser ankommt.

Hunderte Sensoren messen Wasserhaushalt
Neben den Silikonmatten geschieht das unter anderem mit Hilfe von Wasserrinnen und Hunderten Sensoren im Boden und an Blättern. Zudem wurde ein 50 Meter hoher Messturm errichtet. Auch der Austausch des Treibhausgases Kohlendioxid mit der Atmosphäre wird an Turm, Bäumen und Boden mit unterschiedlichen Apparaturen gemessen.

Das Observatorium ist das Herzstück eines Klima-Forschungsprojekts des UFZ, das sich über Sachsen-Anhat sowie kleine Teile Sachsens und Thüringens erstreckt. Das Projekt wiederum ist Teil eines bundesweiten Forschungsnetzwerks, das konkrete Klima-Veränderungen in vier Regionen vergleicht.

Es geht unter anderem darum, wie Boden und Vegetation auf diese Veränderungen reagieren - ob sich zum Beispiel Wassermangel bei Bäumen auf ihre Speicherung von Kohlendioxid auswirkt.

Im Sommer regnet es weniger, im Winter mehr
In Sachsen-Anhalt sind die Auswirkungen der Erderwärmung besonders zu spüren, berichtet Umweltforscher Cuntz. Deshalb eignet sich die Region für die Messungen gut. "Durch die Nähe zum Brocken wirken sich Klimaveränderungen relativ intensiv aus, da sich an dem Gebirge das Wetter quasi aufstaut", erklärt er.

Schon jetzt habe sich die Niederschlagsverteilung in der Region spürbar verschoben: Im Sommer regnet es weniger, im Winter dafür mehr. Außerdem hätten sich die durchschnittlichen Temperaturen über das gesamte Jahr erhöht.

Betreut wird das Wald-Klima-Observatorium von zwei Technikern und zwei Wissenschaftlern. Ständig anwesend ist allerdings niemand. Es reicht aus, wenn einmal pro Woche ein Mitarbeiter aus Leipzig anreist und nach dem Rechten schaut.

Denn alle erhobenen Daten werden elektronisch erfasst und über das Internet nach Leipzig geschickt. Von dort aus werden sie dann auch dem bundesweiten Netzwerk zur Verfügung gestellt.

15 Jahre lang sollen im Hohen Holz nun Daten gesammelt werden. Auf einen ersten Zwischenstand, wie sich die Auswirkungen des Klimawandels entwickeln, muss man allerdings noch eine Weile warten: Cuntz zufolge wird es den erst in acht bis zehn Jahren geben.