Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Angereist mit: Hubschrauber und Audi A8

Satz des Tages: "Wenn Sie eine Partei brauchen, die Ihnen sagt, wann Sie Fleisch essen sollen, dann sind Sie bei der CDU an der falschen Adresse."

Über Steinbrück: kein Wort. Ohne namentliche Erwähnung sagt sie allerdings: "Wahlkampf ist nicht dafür da, dass man schlecht über andere redet."

Politische Schwerpunkte: Mindestlohn soll von den Tarifparteien ausgehandelt werden, Versprechen solider Haushaltspolitik, Hilfen für Euro-Krisenländer nur als Gegenleistung für Reformen dort, gegen Steuererhöhungen.

So kommt sie an: In Wernigerode gibt\'s viel Applaus. Merkel kommt an als "eine von uns", die gelassen die Bürde trägt, täglich Europa zu retten.


Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD)

Angereist mit: VW Phaeton

Satz des Tages: "In Deutschland kennen sich nur drei Menschen mit dem komplizierten Länderfinanzausgleich aus. Der eine ist tot, der zweite in der Psychiatrie. Der dritte bin ich - und ich habe alles vergessen."

Über Merkel: "Frau Merkel fährt gern im Kreisverkehr, ganz langsam und ganz vorsichtig. Aber es gibt keine Richtung."

Politische Schwerpunkte: Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro, schrittweise Einführung eines gleichen Rentenrechts in West und Ost, Bekämpfung des Missbrauchs von Minijobs und Leiharbeit, Steuererhöhungen für Spitzenverdiener.

So kommt er an: Gute Noten in Magdeburg. Ein Klartextpolitiker, der politische Themen gut erklären kann. Schlagfertig, spitzzüngig, trockener Humor

Wernigerode/Magdeburg l Nein, auf dem Brocken war sie noch nicht - das räumt Merkel ein, als sie die Bühne auf dem Wernigeröder Marktplatz betritt. "Zu DDR-Zeiten konnte man ja nicht, und in der letzten Zeit war ich auch nicht oben." Doch nach der Wahl werde sie den Harz erneut besuchen, sagt sie. Als sie von Brocken-Benno hört, dem Mann, der den Weg täglich hinaufwandert und jetzt nahe der Bühne steht, will die passionierte Wanderin wissen, wie lange er braucht - es sind zwei Stunden. "Mit Ihnen kann ich nicht mitgehen", entscheidet sie.

Dann kommt die Kanzlerin zu ihren Botschaften: Deutschland muss sich behaupten in einer Welt, in der auch andere Nationen nicht schlafen. Am Ende gibt es ein Versprechen: Mütter, die vor 1992 Kinder geboren und erzogen haben, sollen das für ihre Rente besser angerechnet bekommen.

Die Stimmung ist freundlich, rund 5000 CDU-Anhänger füllen den Platz. Nach 30 Minuten bittet Merkel um beide Stimmen für die CDU - für sie geht es weiter ins sächsische Oschatz. In Sachsen-Anhalt spricht sie noch ein zweites Mal - am 17. September in Magdeburg.

Peer Steinbrück geht schon jetzt in der Landeshauptstadt auf Tuchfühlung. Im Bürgerhaus Kannenstieg plaudert er mit Kindern ("Macht die Schule Spaß?"), flachst mit sportlichen Seniorinnen ("Der Bauchtanzgruppe schließe ich mich nicht an"). Und der 66-Jährige ist sogar mal verblüfft. "Herr Minister, kann ich mal ein Foto machen?", fragt jemand. "Waaas? Minister will ich nicht mehr werden", sagt der SPD-Kanzlerkandidat und grinst.

Im Innenhof des Bürgerhauses beantwortet Steinbrück bei Kaffee und Kuchen Fragen von 100 Zuhörern. Wahlkampf im Kleinen. Es geht um Altersarmut, öffentliche Sicherheit, die Mietpreise. Er gestikuliert, erklärt, fordert. Zum Beispiel höhere Steuern. Aber nur für Spitzenverdiener, "die oberen fünf Prozent". Ja, damit mache der politische Gegner Stimmung gegen ihn: "Aber die sagen auch, dass wir Rasierapparate und Trockenhauben verstaatlichen wollen."

Steinbrück fährt weiter nach Leipzig, dann nach Chemnitz. Diesmal wird er vor Tausenden Menschen reden.

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