Der Unfall bei "Wetten, dass..?" erregt die Gemüter. Politiker diskutieren über Quotendruck und Sensationsgier, das Publikum steht zur Show. Das ZDF bewahrt die Ruhe: Der Dauerbrenner geht weiter, die Sicherheit wird aber überprüft. Unterdessen wollen Ärzte den verletzten Wettkandidaten aus dem künstlichen Koma holen.

Mainz/Düsseldorf (dpa). Die erfolgreichste Fernsehshow Europas steht in der Kritik: Nach dem schweren Unfall bei "Wetten, dass..?" fordern Politiker unterschiedlicher Couleur Konsequenzen. Doch anscheinend stehen sie damit allein: Die überwiegende Mehrzahl der Zuschauer wie auch Medienexperten stehen zu der ZDF-Show, halten einseitige Schuldzuweisungen für falsch.

77 Prozent wollen auch künftig "Wetten, dass..?" im Fernsehen sehen, 65 Prozent geben dem ZDF keine Mitschuld an dem Unfall, und 63 Prozent glauben nicht, dass Quotendruck damit in Zusammenhang steht. Dies ergab eine repräsentative Studie des Instituts YouGov. Jedoch wünschen sich 59 Prozent der 961 Befragten, dass künftig auf riskante Wetten verzichtet wird; 33 Prozent halten das für unnötig.

Der Unionsfraktionsvize im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), kritisiert in der Berliner Boulevardzeitung "B.Z.": "Hier wurde eine Grenze überschritten. Da ist zu viel Auf-die-Quoten-Schielen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, zu viel Sensationsgier." Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, forderte ein neues Konzept: "Bestimmte Risikowetten sollten in Zukunft nicht mehr stattfinden", sagte er der Zeitung "Ruhr Nachrichten". Und der Grünen-Rechtsexperte Hans-Christian Ströbele meinte in der "B.Z.": "Ich frage mich, ob eine derart waghalsige Aktion dort im Saal tatsächlich live gefilmt werden muss. Das ist schlicht unglaublich und gehört ganz sicher nicht zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens."

Das ZDF bewahrt indes die Ruhe: Konkrete Konsequenzen für den Show-Dauerbrenner würden erst beschlossen, wenn Klarheit über den Gesundheitszustand des verletzten Wettkandidaten besteht. Unklar ist, ob die nächste Show wie geplant im Februar in Halle (Sachsen-Anhalt) über die Bühne geht. Doch eins steht fest: "¿Wetten, dass..?‘ wird sicherlich weitergehen", sagte ZDF-Programmchef Thomas Bellut. Und: "Wir werden noch einmal den Sicherheitsstandard erhöhen."

Während der Live-Übertragung am Sonnabend hatte sich der 23-jährige Kandidat Samuel Koch an der Halswirbelsäule schwer verletzt. Er war mit Federbeinen über fahrende Autos gesprungen und dabei schwer gestürzt. Das künstliche Koma sollte jetzt allmählich zurückgefahren werden. Dies werde vermutlich zwei Tage dauern, sagte die Sprecherin der Düsseldorfer Uniklinik, Susanne Dopheide. Erst danach könne endgültig beurteilt werden, ob bei dem Patienten weiterhin Lähmungserscheinungen auftreten.

Zur Frage, ob das ZDF unter Quotendruck schon mal fragwürdige Wetten angenommen habe, betonte Sprecher Peter Gruhne: "In der gesamten Geschichte ist noch nie ein grenzwertiges Wettangebot angenommen worden." Ohnehin: "Die spektakulären Wetten sind nicht zwingend Quotenbringer.