Mannheim (dpa). Im Vergewaltigungsprozess gegen den Wetterexperten Jörg Kachelmann geht die Verteidigung in die Offensive. Kachelmanns neuer Anwalt Johann Schwenn stellte gestern vor dem Mannheimer Landgericht zahlreiche Anträge und kritisierte zwei Sachverständige scharf.

Schwenn stellte unter anderem einen Befangenheitsantrag gegen die Sachverständige Luise Greuel. Die Bremer Psychologin ging nach seiner Ansicht nicht ergebnisoffen an das Verfahren heran. Er attestierte ihr eine "Jagdneigung" zum Nachteil seines Mandanten.

In ihrem Gutachten, auf das sich die Staatsanwaltschaft auch bei ihrer Anklageerhebung stützte, seien zahlreiche Spekulationen enthalten. Sie treffe darin psychiatrische Aussagen, die ihr als Psychologin nicht zustünden. Luise Greuel hatte die Glaubwürdigkeit von Aussagen der Frau analysiert, die Kachelmann Vergewaltigung vorwirft.

Schwenn sorgte außerdem dafür, dass die mitgebrachten Unterlagen des Therapeuten des mutmaßlichen Opfers beschlagnahmt werden. Außerdem ging er auf Konfrontationskurs mit der Verteidigungsstrategie seines Vorgängers Reinhard Birkenstock.

"Es geht darum, dass die Öffentlichkeit ihre Kontrollfunktion wahrnehmen kann." Seiner Ansicht nach müssten auch zahlreiche Zeuginnen erneut vernommen werden. Schwenn sagte, Birkenstock habe nicht effektiv dafür gewirkt, die Öffentlichkeit herzustellen. "Ich weiß ja nicht, welche Exklusivvereinbarung Herr Birkenstock hat", so der Verteidiger.