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SLK: Die Woche im ganzen Salzland Ein Abschied aus den vier Herzkammern

Ausnahmsweise nicht, was alles wichtig war in dieser Woche im Salzlandkreis, sondern ein ganz persönlicher Rückblick auf die vergangenen drei Jahre. Auf das ganze Salzland aber natürlich.

30.08.2025, 08:37
Frank Klemmer war bisher Leiter des Regiodesks Salzland, zu dem die MZ-Lokalredaktionen in Aschersleben und Bernburg sowie die der Volksstimme in Staßfurt und Schönebeck gehören. Am Montag wechselt er in die Lokalredakton der MZ nach Halle.
Frank Klemmer war bisher Leiter des Regiodesks Salzland, zu dem die MZ-Lokalredaktionen in Aschersleben und Bernburg sowie die der Volksstimme in Staßfurt und Schönebeck gehören. Am Montag wechselt er in die Lokalredakton der MZ nach Halle. (Grafik: Tobias Büttner)

ich bräuchte da mal Ihren Rat: Wie verabschiedet man sich am besten? Sagt man wirklich einfach nur „Auf Wiedersehen“? Oder Sätze wie „Ich bin ja nicht aus der Welt“? Oder: „Wir sehen uns ja noch“? Obwohl man das nun wirklich so doch gar nicht versprechen kann. Und oft genug – ich habe es oft genug erlebt – vielleicht wirklich ernst und nett gemeint hat, aber anschließend tatsächlich nie einlösen konnte?

Aber was die Alternative? Ja, Hape Kerkeling: „Ich bin dann mal weg“. Sein Abschied in Richtung Jakobsweg – längst auch in Buch- und Film-Form legendär – hat dem lapidaren Abschied eine Form gegeben. Versuchen wir es also doch mal auf diese Weise:

Ich bin dann mal weg!

So das war es. Wie jetzt? Sind Sie überrascht, dass ich wirklich meinen Abschied gemeint habe? Ja, für wen soll ich denn sonst fragen! Es stimmt: Auf den Tag genau drei Jahre, nachdem ich zum ersten Mal im Salzlandkreis aufgeschlagen bin, zieht es mich weiter. Ab Montag führt mich mein Weg weiter nach Süden zur Lokalredaktion der MZ nach Halle.

„Ich bin dann mal weg“: Devid Striesow als Hape Kerkeling im Kinofilm. Ein Vorbild?
„Ich bin dann mal weg“: Devid Striesow als Hape Kerkeling im Kinofilm. Ein Vorbild?
(Foto: picture alliance/dpa)

Und sowas – finde ich – sagt man am besten unvermittelt. Sonst schwelgt man nachher noch in Erinnerungen – nur in guten natürlich. Am Ende wird man noch wehmütig. Und wer will zum Abschied schon Tränen sehen!

Zum Abschied kann ich Ihnen aber sagen, dass die drei Jahre, in denen ich den ganzen Salzlandkreis kennenlernen durfte, sehr spannend waren. Spannend ist es wirklich, sich als Lokaljournalist - in meinem Fall einmal mehr - auf eine Gegend einzulassen, die man nur von der Landkarte kennt. Hinter der Karte stecken Menschen, ihre Geschichten und Probleme, über die man reden muss – und schreiben. Wer ins Gespräch kommt, lernt sehr viel über die Region, über die Menschen – und über sich selbst.

Und manchmal lernt er auch, dass eine Region – selbst wenn sie von Plötzky im Norden bis Zickeritz im Süden, von Gatersleben im Westen bis Lödderitz im Osten reicht – mehr verbindet, als sie es manchmal selbst merkt.

Die ersten Kinder des Salzlandkreises sind volljährig

Ja, der Salzlandkreis, das sind immer noch vor allem vier Städte mit ihrer Umgebung. Gerne auch immer noch „Altkreise“ genannt – auch unter Kollegen. Und das, obwohl selbst diejenigen, nicht mehr im „Alten“, sondern im „Neuen“ geboren sind, schon alt genug sind, um einen Führerschein zu haben und zur Wahl zu gehen. Mit 18 sind die ersten von ihnen jetzt volljährig.

Aber klar: Wer diese Region verstehen will, kommt nicht ohne ihre vier Herzkammern aus: Aschersleben, Bernburg, Staßfurt und Schönebeck aus. Und dass die Menschen dort vor allem etwas über sich und ihre eigenen Geschichten wissen wollen – und nicht so sehr über die ihrer Nachbarn: Das habe ich schnell gelernt.

Obwohl es ja eigentlich nichts Neues ist und kaum irgendwo anders. Besonders spannend wird es aber, wenn man merkt, dass den ein oder anderen das, was beim Nachbarn passiert, manchmal doch mehr interessiert als das, was bei den vermeintlich so engen Verwandten geschieht.

SLK geht gar nicht? Das wollen wir doch mal sehen!

Wir haben da mal ein bisschen was ausprobiert in den vergangenen drei Jahren: Da wäre zunächst natürlich der hier: SLK, der Newsletter. Den haben wir im Sommer 2023 gestartet. Obwohl die Kollegen in Schönebeck damals noch andere „verwandtschaftliche“ Verpflichtungen hatten, war er auch da schon auf „das ganze Salzland“ angelegt.

SLK live: Ein Newsblog bringt seit Anfang 2024 alle Nachrichten aus dem ganzen Salzlandkreis auf einen Blick.
SLK live: Ein Newsblog bringt seit Anfang 2024 alle Nachrichten aus dem ganzen Salzlandkreis auf einen Blick.
(Grafik: Tobias Büttner)

Anfang 2024 – Schönebeck gehörte nun auch „bei uns“ komplett zum Salzland – folgte SLK, der Newsblog, im Frühjahr dann der Talk „Wahl lokal“ mit Experten aus dem ganzen Salzlandkreis live im Studio zu Themen, die rund um die Kommunalwahl bewegen, im Dezember 2024 schließlich „Salz Land Köpfe“, unser Podcast.

Wie klappt Wohnen im SLK: Mike Eley (links) und Michael Haßkerl (Mitte) beim Live-Talk in „Wahl lokal“
Wie klappt Wohnen im SLK: Mike Eley (links) und Michael Haßkerl (Mitte) beim Live-Talk in „Wahl lokal“
(Foto: Anja Riske)

Jedes einzelne ein aufregendes Projekt, weil niemand wusste, ob das wirklich funktioniert. Ob es wirklich ein Publikum dafür gibt. Bis auf die, die fest davon überzeugt waren, dass es das nicht gebe.

Sie wurden überrascht. Wir übrigens auch. Denn die Resonanz auf alle vier Formate hat gezeigt, dass der „Blick über den Gartenzaun“ manchmal offenbar doch spannender ist, als man selber glaubt. Und das es – wie an den meisten Gartenzäunen – eben doch das ein oder andere gibt, das alle beschäftigt.

Das Salzland und seine Sparkasse: Ein „Winterbetrieb“

Reden wir nicht um den heißen Brei herum. Ich werde mal konkret, was mir da besonders in Erinnerung geblieben ist: Da wäre zunächst der Spätsommer 2022. Klingt weit weg, darf man aber aus heutiger und gar nicht entspannter Sicht zumindest als vorläufigen Höhepunkt der Energiekrise bezeichnen. Ein halbes Jahr nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine mit allen folgenden Sanktionen: Wie kommen wir nur durch den nächsten Winter?

Vorläufig geschlossen: 19 von 46 Filialen der Salzlandsparkasse gingen im Herbst 2022 in den sogenannten „Winterbetrieb“.
Vorläufig geschlossen: 19 von 46 Filialen der Salzlandsparkasse gingen im Herbst 2022 in den sogenannten „Winterbetrieb“.
(Archivfoto: Frank Gehrmann)

Die Salzlandsparkasse hatte eine Idee und lud zur Pressekonferenz in ihr „Schiff“ nach Staßfurt: „Winterbetrieb“ wollte sie ihr massives Energiesparprogramm für die folgenden Monate nennen. Mit ganz viel Einsparpotenzial, zu dem aber eben auch die vorläufige Schließung einer ganzen Reihe von Geschäftsstellen gehörte – auch und vor allem draußen auf dem Land.

Ich habe damals darüber geschrieben – und glauben Sie mir: Es hat wirklich alle interessiert. Und irgendwie – das hat mir auch Vorstand Hans-Michael Strube später bestätigt, als wir zum Beispiel für „Salz Land Köpfe“ miteinander gesprochen haben – wollte partout niemand glauben, dass es wirklich nur ums Energiesparen ging. Und nicht ums Geschäftsstellen-Sparen.

Die sind lange wieder auf – wie versprochen. Aber zum ersten Mal bekam ich da ein Gespür dafür, was im Salzlandkreis wirklich alle betrifft.

Kliniken: Ameos und was die Menschen fürchten

Das nächste Stichwort, das mir dazu einfällt, ist natürlich Ameos. Da gab es natürlich auch schon vor meiner Zeit genug Schlagzeilen, die alle beschäftigt haben. Kein Wunder allerdings, dass mir da gleich das Frühjahr 2024 einfällt, als mir bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch die Schließung von zwei Stationen und Teilen der Notaufnahme am Standort Bernburg angekündigt wurde.

Bernburg ohne komplette Notaufnahme, Staßfurt ohne Stationen? Die Neustrukturierung der Kliniken durch Ameos beschäftigte alle.
Bernburg ohne komplette Notaufnahme, Staßfurt ohne Stationen? Die Neustrukturierung der Kliniken durch Ameos beschäftigte alle.
(Archivfoto: Engelbert Pülicher)

Und dann – nur wenige Wochen später – auf ähnliche Art die Schließung der letzten Stationen mit Ausnahme der ambulanten Angebote am Standort Staßfurt. In diesem Fall zugunsten von Bernburg. Die Sorgen waren dennoch groß: Ist das erst der Anfang? Kommt noch mehr als Folge der bundesweiten Klinik-Krise? Was bedeutet das für die Geburtsstation in Aschersleben?

Inzwischen – auch das hat man mir ausführlich erläutert – hat Ameos sich mit den drei Standorten Aschersleben, Schönebeck und Bernburg neu organisiert. Und ist überzeugt, den ganzen Raum so auch weiterhin bestmöglich versorgen zu können. Jeder einzelne dieser Schritte kannte keinen Gartenzaun – es hat alle beschäftigt.

Ein Anschlag vor der Haustür - und aus der eigenen Mitte

Das gilt – noch mehr natürlich – für den 20. Dezember 2024: Beginnend mit den ersten Minuten und Stunden nach der Tat, die Retter aus dem ganzen Salzlandkreis zum Anschlagsort auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg eilen ließen. Wo sie, wie sie uns später erzählt haben, Dinge erleben mussten, die zum Beispiel eine 19-Jährige noch nicht erlebt haben sollte.

Auch am Abend nach dem Anschlag war die Retter aus dem Salzlandkreis noch am Magdeburger Dom im Einsatz.
Auch am Abend nach dem Anschlag war die Retter aus dem Salzlandkreis noch am Magdeburger Dom im Einsatz.
(Foto: DRK Staßfurt)

Es galt aber vor allem auch für den Moment, als klar wurde, dass der Täter aus Bernburg kommt. Dass er dort gelebt und als Arzt bei Salus gearbeitet hat. Unsere Nachricht, dass dort seine Wohnung durchsucht wird, ging gefühlt hinaus in die ganze Welt. Genauso wie die ersten Spuren an seinem Arbeitsort, die vermuten ließen, dass „Dr. Google“ vielleicht doch nicht nur ein ganz normaler Arzt ist.

Ich erinnere mich auch noch gut, wie ich mir am Morgen nach der Tat wiederum von Ameos erzählen ließ, wie die Nacht zuvor verlaufen war. All das war im Blickfeld von Deutschland und der Welt. Dass es genau hier geschehen war, ist aber auch an den Menschen hier nicht spurlos vorbeigegangen – egal wo im Salzlandkreis sie leben.

Ein Landkreis ohne Grenzen

Und es gibt da noch so ein Gespräch, an das ich mich erinnere – eines mit vertauschten Rollen. Damals im Frühjahr 2024 habe nicht nur ich im Studio bei „Wahl lokal“ Fragen gestellt, sondern auch die Kollegen Anna Petersen und Stefan B. Westphal. Zu ihren „Experten“ gehörten auch Kollegen von mir aus allen möglichen Regionen des Landes – und ich selbst.

Plötzlich selbst SLK-„Experte“: Vor der Kamera bei „Wahl lokal“ mit Anna Petersen und Stefan B. Westphal.
Plötzlich selbst SLK-„Experte“: Vor der Kamera bei „Wahl lokal“ mit Anna Petersen und Stefan B. Westphal.
(Screenshot: Frank Krause)

Nicht mal zwei Jahre war ich da und sollte ich sagen, wie der Salzlandkreis tickt und was die wichtigsten Themen vor, bei und nach dieser Wahl seien. Dabei hatte ich noch nicht mal „meine“ Fragen gestellt – zum Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt, zur Bildungsmisere durch den Lehrermangel, zur Bedeutung der Landwirtschaft für die Region. Noch mehr so Themen, die alle beschäftigen. Auch Intel war damals auch noch ein großes Thema – lange her.

Irgendwann da in dem Studio warfen wir einen Blick auf eine Landkarte – so wie die, von der ich den Salzlandkreis vor drei Jahren nur kannte. Und wir stellten fest, dass SLK tatsächlich der einzige Landkreis in ganz Sachsen-Anhalt ist, der nicht an ein anderes Bundesland grenzt.

Mitten im Herzen von Sachsen-Anhalt

Ist das schlimm? Nein, sagte ich. Wenn man genau hingucke, dann zeige der Blick auf die Karte doch eigentlich, dass der Salzlandkreis das Herz von Sachsen-Anhalt sei. Ich weiß gar nicht, was es da zu schmunzeln gab!

Denn eigentlich zeigen all die Sachen, über die ich hier in den vergangenen drei Jahren gesprochen und geschrieben habe, dass es genau darum geht: Dass das Herz des Landes schlägt. Und dass eben das in den Händen der Menschen liegt, die genau dort leben: mitten im Herzen des Landes, im Salzlandkreis - mit seinen vier Herzkammern.

Keine einfache Aufgabe gerade, ich weiß. Ich wünsche Ihnen aber trotzdem, dass Sie das auch ohne mich hinkriegen. Ich glaube fest daran. Das kann doch aber auch gar kein Problem sein. Schließlich ging es ja bis zum 1. September 2022 ganz hervorragend ...

Ihr Frank Klemmer