Schönebeck l 14 Künstler gehören zum Ensemble des 23. Schönebecker Operettensommers. Fünf davon kommen aus Österreich zum sommerlichen Spektakel an die Elbe. Könnte man das Musikgenre mehr adeln als durch diesen Zuspruch aus einem Land, in dem es das ganze Jahr über Saison hat?

Auch Sebastian Huppmann gehört der „österreichischen Fraktion“ an. Der gebürtige Wiener gibt in den Vorstellungen des „Boccaccio“ ab Sonnabend bis zum 21. Juli den Barbier Scalza, der in Florenz die Ausweisung des Dichters amouröser Geschichten betreibt. Andere männliche Akteure wollen einen handfesteren Weg und ihren vermeintlichen Widersacher richtig „durchbläuen“. Für den Bariton Huppmann könnte das eine Paraderolle werden.

Premiere der besonderer Art

Und eine Premiere besonderer Art ist das Engagement in Schönebeck sowieso. „Ich weiß nicht warum, bisher war ich immer meiner Heimat treu. Nun gab es zum ersten Mal einen Ruf aus Deutschland, der für mich nicht abzulehnen war“, erzählt er in bestem Wienerisch.

Huppmann begann seine Ausbildung bereits sehr früh als Solist der Mozart Sängerknaben. Das Studium absolvierte er am Konservatorium Wien mit Auszeichnung. Bei internationalen Wettbewerben zeigte sich der Bariton erfolgreich, holte immer wieder Preise.

Bis jetzt sah ihn das Publikum in mehr als 30 Rollen. Zu seinem Repertoire zählen unter anderem Don Giovanni, Papageno (Zauberflöte), Figaro, Guglielmo (Cosi fan tutte) und der Escamillo (Carmen). Konzertant sang er zahlreiche Oratorien wie Bachs „Johannes Passion“ oder Händels „Messiah“. Gastspiele führten den Sänger beispielsweise ans Metropolitan Theatre Tokio, an die Oper Odessa, an das Luxor Theater Rotterdam und das Konzerthaus Moskau.

Zufall spielte eine Rolle

Der Zufall spielte bei der Verpflichtung zum Operettensommer eine Rolle. Alexander Klinger, seit langer Zeit Stammgast auf dem Bierer Berg, hatte seinen Berufskollegen empfohlen. „Mit seiner Frage Anfang dieses Jahres, ob ich im Sommer schon etwas vorhabe, nahm alles seinen Lauf“, erinnert sich Huppmann.

Für ihn sind Festivals auf Freilichtbühnen keinesfalls etwas Neues. In Österreich haben sich gerade die Touristenregionen solchen Offerten verschrieben. Sie wüssten längst um den Wert der Kultur als Wirtschaftsfaktor. Jeder Euro, der in solche Projekte ge-steckt würde, komme vielfach zurück. Viel wichtiger sieht der Sänger noch einen anderen Aspekt, die Lebensqualität in einer Region bekomme auf diese Weise einen Schub. Dass Städte wie Schönebeck das erkannt haben, gefällt dem Wiener.

Bei Gespräch in der Wohnung von Regisseurin Katharina Kutil in der Donaumetropole wurden schließlich die Nägel mit Köpfen gemacht, die letzten Zweifel beseitigt. Beide merkten schnell: Zwischen ihnen, auch das ist für ein solches Projekt wichtig, stimmt die Chemie.

Probezeit war anstrengend

Der freiberufliche Sänger machte sich also auf den Weg nach Schönebeck und fand die Stadt dank des funktionierenden Navis auch problemlos. Die Probenzeit mit angenehmen Kollegen war anstrengend, machte aber auch Spaß. Die angenehme Umgebung tat ein Übriges.