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Prozess Albtraum im Rulantica-Bad: So verschwand die Sechsjährige

Ein Mädchen verschwindet aus dem Freizeitbad Rulantica – erst Stunden später taucht es wieder auf. Was ist damals geschehen? Schon zum Prozessbeginn scheint zumindest klar, wie er ausgehen wird.

Von Martin Oversohl, dpa Aktualisiert: 09.02.2026, 15:04
Das heute sieben Jahre alte Mädchen soll sich gegen den Mann gewehrt haben.
Das heute sieben Jahre alte Mädchen soll sich gegen den Mann gewehrt haben. Martin Oversohl/dpa

Freiburg - Eine alltägliche Familienszene verwandelt sich in einen Albtraum: Ein Vater steht an einem Sommerabend mit seiner Tochter am Tattoo-Stand im Erlebnisbad Rulantica, die Mutter spielt mit dem jüngeren Kind im Planschbecken nebenan. Nur kurz wendet sich der Vater von der Tochter ab, als sie bei den Kinder-Tattoos an der Reihe ist, er geht wenige Schritte Richtung Planschbecken und schaut immer wieder zurück. Ein letzter kurzer Blick nach hinten, dann eine Bewegung – das sechs Jahre alte Mädchen ist weg.

Verzweifelt durchsuchen die Eltern Becken, Flure und Umkleiden, wie es ihr Rechtsanwalt nun erzählt. Stunden später wird das Kind mehrere Kilometer entfernt gefunden – hilflos, allein, im Wald. Was ist damals geschehen?

„Kann mir nicht erklären, wie es dazu kommen konnte“ 

Vielleicht bringt die Familie das Geständnis des Mannes weiter, dem nun vor dem Freiburger Landgericht unter anderem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. „Ich bereue es sehr, dass das geschehen ist“, ließ der 31-Jährige vor dem Landgericht in Freiburg über seinen Anwalt zum Auftakt des Prozesses erklären. „Ich kann mir auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte.“ Der Rumäne soll das Kind laut Anklage am Abend des 9. August aus dem Bad herausgelockt und missbraucht haben.

Sicher scheint schon jetzt: Der Mann wird am Ende des Prozesses zu einer Strafe zwischen mindestens drei Jahren und neun Monaten sowie höchstens vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer haben sich nach Angaben des Richters im Fall eines Geständnisses auf diesen Strafrahmen verständigt.

Eltern sagen geschützt aus

Zu Details und Fragen über die wenigen Sätze zum Auftakt will sich der Angeklagte erst später äußern. Die Eltern des Mädchens sagten zum Schutz des Kindes hinter verschlossenen Türen aus.

Nach Überzeugung der Ermittler nutzte der Mann an jenem Sommerabend den entscheidenden Moment. Laut Staatsanwaltschaft sprach er die Sechsjährige an und bot ihr an, ein Taxi zu rufen, das sie zu den Eltern bringen könne. Danach führte er das Kind aus dem Bad und in ein nahes Maisfeld.

Zwei Stunden spurlos verschwunden

Dort, so die Staatsanwaltschaft, habe er Kokain geschluckt und das Kind aufgefordert, ebenfalls davon zu nehmen – „um es gefügig zu machen“, wie die Staatsanwältin es formuliert. Das Kind habe die Substanz allerdings fallengelassen. „Du bist überhaupt kein guter Mann“, soll es gesagt haben, als der 31-Jährige schließlich versuchte, es sexuell zu missbrauchen. Als sich das Mädchen aber immer wieder wehrte, habe der Mann das Kind in ein Gebüsch an einer Straße geworfen und die Flucht ergriffen.

Rund zwei Stunden nach seinem Verschwinden wurde das Mädchen schließlich von einem Autofahrer in der Ortschaft Kappel-Grafenhausen entdeckt – erschöpft, leicht verletzt, verängstigt, nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet. Hinweise auf eine Vergewaltigung gibt es nach früheren Angaben der Polizei nicht. Dennoch berichteten Ermittler nach der Tat von einer zutiefst traumatischen Erfahrung für das Mädchen.

Zugriff in Rumänien

Der Verdächtige war zunächst untergetaucht und eine Woche später in seiner rumänischen Heimat festgenommen worden. Deutsche Beamte hatten ihn mit Hilfe von Überwachungsvideos identifiziert, die der Europa-Park als Betreiber des Bads zur Verfügung gestellt hatte. 

Erst nach Auswertung zahlreicher Aufnahmen und Zeugenaussagen ergab sich die Spur. Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Rumänien fanden Ermittler Kleidung, die der Mann am Tattag getragen haben soll.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Der Fall hatte im vergangenen Sommer bundesweit Entsetzen ausgelöst – nicht zuletzt, weil er in einem Umfeld geschah, das für viele mit Sommer, Unbeschwertheit und Familie verbunden ist.

Nach der Tat hat der Europa-Park nach eigenen Angaben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „In Rulantica wurde zusätzlich eine erweiterte, technische Kontrolle beim Ein- und Auslass umgesetzt“, sagte ein Sprecher. Mit einem Armband können Badegäste das Schwimmbad betreten und verlassen, es kann damit auch bezahlt werden. 

„Optional lassen sich nun mehrere Armbänder im Familienverbund koppeln, so dass der Auslass für Minderjährige nur möglich ist, wenn zuvor ein Erwachsener aus derselben Buchung das Drehkreuz passiert hat“, sagte der Sprecher.