Umweltverschmutzung

Aufregung wegen Fischsterben an der Oder: Justiz ermittelt

Angler sprechen von einer Tragödie. In der Oder haben sie tausende tote Fische entdeckt. Das Flusswasser soll nun für Menschen und Hunde erst einmal tabu sein. Denn es bleiben Fragen nach der Ursache.

Von dpa Aktualisiert: 10.08.2022, 16:15
Tote Fische schwimmen in einem Fluss.
Tote Fische schwimmen in einem Fluss. Patrik Uhlir/CTK/dpa/Symbolbild

Frankfurt (Oder)/Warschau - Ein großes Fischsterben in der Oder beunruhigt Angler und Behörden in Brandenburg an der Grenze zu Polen. Tausende tote Fische wurden in dem Fluss entdeckt, ein Teil davon auf Höhe der Stadt Frankfurt (Oder) und umliegender Orte. Die Staatsanwaltschaft Wroclaw (Breslau) ermittelt wegen eines möglichen Umweltdelikts. Sind Giftstoffe auf polnischer Seite ins Wasser gelangt?

Die genaue Ursache des massiven Fischsterbens blieb bislang unklar. Jedoch konnte eine polnische Behörde an zwei Stellen eine giftige Substanz feststellen. Die Untersuchungen sollten aber weitergehen. Zudem war Kritik zu hören, der Informationsfluss sei nicht gut genug gewesen.

Die Stadt Frankfurt (Oder) und der Landkreis Märkisch-Oderland empfahlen am Mittwoch, den Kontakt zu Oderwasser zu meiden und keinen Fisch aus dem Fluss zu essen. Das Fischsterben seit aktuell in der Oder zwischen Finkenheerd und Genschmar zu beobachten, schrieb der Kreis.

Bereits Ende Juli kam es polnischen Medien zufolge zu ersten Berichten über Angler, die tote Fische am Ufer gefunden hatten. Inzwischen sind es nach Behördenangaben Tausende, die zunächst in Niederschlesien, inzwischen aber auch in der Wojwodschaft Lubuskie weiter nördlich gefunden wurden. Angler, die mehrere Tonnen toter Fische aus dem Fluss gefischt hatten, sprachen von einer „ökologischen Tragödie“.

Inspektoren des Gewässeramts in Niederschlesien hatten den Berichten zufolge bereits Ende Juli Wasserproben an drei Stellen entnommen. Der hohe Sauerstoffgehalt im Wasser weiche von den typischen Sauerstoffkonzentrationen im Sommer ab, hieß es nach der Analyse. Es sei möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt sei, teilte die Behörde Anfang August mit. Zudem wurde an zwei Stellen die giftige Substanz Mesitylen nachgewiesen. Auf das Ergebnis weiterer Analysen werde noch gewartet, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Marek Cebula, der Bürgermeister der Ortschaft Krosno Odrzanskie, rief die Einwohner der Stadt am Mittwoch auf, das Oderufer und insbesondere Kontakt mit dem Wasser zu meiden, bis die Ursache des Fischsterbens geklärt sei. „Wir haben keine offizielle Mitteilung über eine Verunreinigung der Oder erhalten“, schrieb er auf der Webseite der Stadt. Es sei bedauerlich, dass die Bürgermeister der Oder-Städte nicht von den zuständigen Behörden informiert worden seien. „Ein ordentlicher Informationsfluss ist hier Gold wert.“

Bislang gebe es keine belastbaren Informationen über die Ursachen und die Konzentration eventueller Schadstoffe an den unterschiedlichen Flussabschnitten, hieß es von der Stadt Frankfurt (Oder). Die Behörden prüften derzeit die Hintergründe.

„Ich erwarte eine zügige Aufklärung des Vorfalls. Besonders erschreckend ist die intransparente Informationslage“, sagte der Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke. „Viele Menschen nutzen die Oder und die anliegenden Wiesen und Inseln wie den Ziegenwerder zur Erholung und bei den derzeitigen Temperaturen gehen dort auch schon mal Hund und Mensch zur Abkühlung ins Wasser.“ Der Informationsaustausch zwischen Polen und Deutschland auf Bundes- und Landesebene müsse hier deutlich besser werden, um die Menschen rechtzeitig zu warnen.