Konflikt Tesla und IG Metall Betriebsratswahl bei Tesla im Zeichen des Streits gestartet
Der Riss zwischen der Tesla-Spitze und der IG Metall ist tief. Zuletzt wandte sich sogar Elon Musk an die Belegschaft. Was bedeutet der Streit für die angelaufene Betriebsratswahl im Tesla-Werk?

Grünheide - In aufgeheizter Stimmung hat die Betriebsratswahl im einzigen deutschen Autowerk von Tesla in Grünheide bei Berlin begonnen. Der seit langem schwelende Konflikt zwischen der IG Metall und dem Unternehmen hatte sich zuletzt zugespitzt.
An der Fassade des Tesla-Werks brachte das Unternehmen ein riesiges Transparent an mit der Aufschrift: „Progress. Innovation, Success. Our Future.“ Die Tesla-Spitze verknüpfte den Ausgang der Betriebswahl mit der Zukunftsentwicklung am Standort.
Rund 11.000 Beschäftigte können bis Mittwoch ihre Interessenvertretung wählen. Elf Listen stehen zur Wahl, darunter die „IG Metall Tesla Workers“ um Laura Arndt und „Giga United“ um die amtierende Betriebsratschefin Michaela Schmitz.
Werksleiter: Externe Organisationen greifen Tesla-Ziele an
Tesla-Werkleiter André Thierig richtete erneut Vorwürfe gegen die Gewerkschaft. „Dass die IG Metall mit allen Mitteln versuchen wird, den Wahlkampf zu beeinflussen, war uns klar. Doch in den letzten Wochen wurden meiner Meinung nach von der IG Metall die Grenzen eines fairen Wahlkampfes deutlich überschritten“, sagte Thierig nach der um Mitternacht begonnenen Betriebsratswahl in einer Stellungnahme. „Gerade in Zeiten, in denen unsere Werte und Ziele (und auch ich persönlich), von externen Organisationen angegriffen werden, ist unser interner Zusammenhalt umso stärker zu spüren.“
Gewerkschaft kritisiert Beeinflussung der Wahl
Die IG Metall fordert seit langem bessere Arbeitsbedingungen und wirbt für einen Tarifvertrag, den Tesla-Werksleiter Thierig ablehnt. Der IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto, sagte: „Nie zuvor habe ich als Gewerkschafter ein Management erlebt, das mit all seiner Macht derart eine Betriebsratswahl zu beeinflussen versucht wie die Tesla-Geschäftsführung.“
Bei dieser Wahl gehe es um bessere Arbeitsbedingungen in der Gigafactory und um einen Betriebsrat, der die Interessen der Beschäftigten am wirkungsvollsten vertrete. „Das ist unser Fokus, darauf konzentrieren wir uns. Um nichts anderes geht es“, so Otto.
Bei der Betriebsratswahl 2024 stellte die IG Metall die größte Gruppe, die Sitzmehrheit ging aber an nicht gewerkschaftlich organisierte Vertreter.
Musk wandte sich mit Video an Belegschaft
Nach Ansicht des US-Elektroautobauers bedeutet die Betriebsratswahl eine Richtungsentscheidung: Es geht um die Frage, ob die Fabrik weiter ausgebaut wird oder nicht. Tesla-Chef Elon Musk hatte sich zuvor mit einer Videobotschaft an die Belegschaft in Brandenburg gewandt, um indirekt vor der Gewerkschaft zu warnen.
„Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, sagte Musk. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.“ Musk will die Fabrik zum „größten Fabrikkomplex in Europa“ machen - vorausgesetzt, Behörden und Bevölkerung machen mit.
Eklat bei Betriebsratssitzung
Bei der jüngsten Betriebsratssitzung kam es zu einem Eklat: Tesla warf einem IG-Metall-Vertreter vor, heimlich mitzuschneiden. Den Vorwurf weist die Gewerkschaft zurück. Ermittlungen laufen, beide Seiten einigten sich vor dem Arbeitsgericht im Streit um Äußerungen auf einen Vergleich.