Forschung

Corona-Vakzinen: Neue Impfstoff-Technologie auch für Tiere?

Im Zuge der Corona-Pandemie sind neuartige Impfstoffe zugelassen worden. Forscher bei Greifswald sehen auch für Tier-Vakzine großes Potenzial. Allheilmittel wird es wohl trotzdem vorerst nicht geben.

Von dpa 23.09.2021, 13:48 • Aktualisiert: 25.09.2021, 08:31
Eine Mitarbeiterin eines Impfteams überprüft eine Spritze mit einem Impfstoff gegen Covid-19.
Eine Mitarbeiterin eines Impfteams überprüft eine Spritze mit einem Impfstoff gegen Covid-19. Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild

Riems - Außer Menschen könnten auch Tiere von den großen Fortschritten bei der Impfstoffentwicklung im Zuge der Corona-Pandemie profitieren. Von einer Zukunftstechnologie auch für den Tierbereich sprach Martin Beer mit Blick auf sogenannte RNA-Impfstoffe. Er leitet das Institut für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald. Unweit vom FLI arbeitet die Ceva Tiergesundheit Riems GmbH an RNA-Impfstoffen für Tiere. „Grundsätzlich ist natürlich die gesamte RNA-Forschung und -Technologie durch die Coronavirus-Impfstoffe stark beflügelt worden“, sagte der dortige Forschungsleiter Fabian Deutskens. Am Donnerstag besuchte Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) das Unternehmen.

RNA fungiert als genetische Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen und kann so genutzt werden, Zellen dazu zu bringen, Antigene von Erregern zu produzieren und die Immunabwehr dagegen zu aktivieren. Während dieses Prinzip bei Corona-Vakzinen schon genutzt wird, seien entsprechende Tierimpfungen seines Wissens bisher nicht vorhanden, sagte Beer. Ein Vorteil dieser Technologie sei, dass man mit ihr viele Monate bei der Entwicklung von Impfstoffen spare. „Für neu auftretende Viren ist das eine ganz wichtige Errungenschaft und wird sicher auch beim Tier in der Zukunft vermehrt eine Rolle spielen.“ Deutskens verwies darauf, dass mit dem Klimawandel etwa auch andere Mücken- oder Zeckenarten nach Europa kämen und damit auch potenziell neue Erreger.

Harry Glawe (CDU) sieht in Ceva gar einen Kandidaten für die Produktion von Impfstoffen für Menschen. Eine solche Produktion auch in Mecklenburg-Vorpommern sei wünschenswert, erklärte er.

Das Land fördert Cevas Entwicklungsarbeit an RNA-Impfstoffen mit EU-Geldern in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro. Ceva strebt bis 2025 die EU-Zulassung eines eigenen RNA-Impfstoffes an. Er richtet sich laut Unternehmen gegen einen Erreger, der bei Hausschweinen Immunschwäche verursacht.

Bei Tierimpfstoffen spiele der Kostenfaktor eine deutlich größere Rolle als bei Impfungen für Menschen, erklärte Beer. RNA-Impfstoffe seien in der Herstellung zumeist teurer als die bisher gängigen Vakzine. Durch die Massenproduktion solcher Vakzine im Zuge der Corona-Pandemie könnten aber seiner Ansicht nach auch die Kosten für entsprechende Tiervakzine sinken. Deutskens wies zudem daraufhin, dass auch die Zulassungsverfahren durch die Erfahrungen mit Corona-Impfstoffen weitestgehend geklärt seien.

Laut Beer werden aber auch in Zukunft etablierte Impfstoffe weiter eine Rolle spielen, die etwa auf abgetöteten oder abgeschwächten Erregern basieren. Gegen die Afrikanische Schweinepest etwa sei der Einsatz von RNA-Impfstoffen eher unwahrscheinlich. Wildschweine beispielsweise müsse man über Köder impfen, was für RNA-Vakzinen ein Problem darstellt. Das FLI arbeite daher an Impfstoffen gegen die Afrikanische Schweinepest auf Basis abgeschwächter Viren. Man sei aber noch viele Jahre von einem zugelassenen Impfstoff entfernt.