Instrument des Jahres Das Akkordeon - von wegen verstaubte Quetschkommode
Das Akkordeon ist so vielfältig wie seine Kosenamen. Was das Instrument des Jahres 2026 mit Berlin gemein hat – und was man von ihm lernen kann.

Berlin - Quetschkommode, Schifferklavier oder Ziehharmonika: Das Akkordeon hat viele Spitznamen und ein eher angestaubtes Image. 483 Akkordeon-Schüler und -Schülerinnen zähle Berlin, erklärt Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos). Das sei „keine große Zahl, aber eine, die zeigt, dass Akkordeon lebt“.
Durch die Wahl zum Musikinstrument des Jahres 2026 könnte sich das ändern: „Wir wissen aus Erfahrung, dass die Wahl entscheidend dazu beiträgt, Sichtbarkeit zu erhöhen und neues Interesse zu wecken“, so die Senatorin.
Was man vom Akkordeon lernen kann
„In einer zunehmend digitalen Welt stehen wir vor der Aufgabe, junge Menschen, davon zu bezeugen, dass die körperliche Erfahrung des Musizierens, den Balg zu führen, den Klang unmittelbar am Körper zu spüren, durch keine Art diese Welt ersetzt werden kann“, betont die Kultursenatorin. Gerade das Akkordeon lehre, „dass Musik Atem braucht, Nähe und gemeinsames Hören, gemeinsames Zuhören“.
„Werde Sie jetzt ein bisschen quälen“
„Ich werde Sie jetzt ein bisschen quälen, weil ich soll das Instrument einmal in die Hand nehmen“, verkündete Wedl-Wilson vor einer kleinen Unterrichtseinheit mit der Berliner Schirmherrin des Akkordeonjahres, Claudia Buder. Wedl-Wilson hat in ihrer Jugend mit ihrem Streichquartett und als Konzertmeisterin in diversen Jugendorchestern selbst schon früh musikalische Erfolge gefeiert.
Die erste Erkenntnis der Senatorin: „Es kommt nur ein Ton raus, wenn ich hier den Balg bewege.“ Daher passe das Akkordeon so gut zu Berlin. „Weil es genau wie diese Stadt von Luft und Druck und Bewegung lebt.“