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Comic zu Bergbaugeschichte „Der blaue Schatz“: Abrafaxe gehen unter Tage auf Abenteuer

Seit 50 Jahren reisen die Abrafaxe als Comic-Helden durch die Geschichte. Nun verschlägt es sie für ein Abenteuer ins Erzgebirge. Welchen blauen Schatz es dort zu entdecken gibt.

Von Andreas Hummel (Text) und David Hammersen (Fotos), dpa 04.02.2026, 16:00
Seit 50 Jahren begeistern die Abrafaxe Generationen von Comic-Fans. Nun begeben sie sich in einem Sonderheft im Erzgebirge auf die Suche nach dem „blauen Schatz“.
Seit 50 Jahren begeistern die Abrafaxe Generationen von Comic-Fans. Nun begeben sie sich in einem Sonderheft im Erzgebirge auf die Suche nach dem „blauen Schatz“. David Hammersen/dpa

Schneeberg - Sie haben Nofretete im alten Ägypten getroffen, ebenso Kaiser Barbarossa und den großen Philosophen Sokrates. Wo die Abrafaxe auftauchen, da wird Weltgeschichte geschrieben. Nun führt ein neues Abenteuer Abrax, Brabax und Califax ins Erzgebirge. Mit Silberfunden begann dort vor mehr als 800 Jahren eine lange Bergbautradition, die der Comic auf liebevolle Weise in den Mittelpunkt rückt. Doch geht es nicht um Silber, Zinn oder gar Uran: „Der blaue Schatz“ dreht sich um ein ganz anderes Metall, das einst in der Region dem Fels abgetrotzt wurde.

Kobalt - der blaue Schatz aus dem Berg

Schauplatz des Sonderheftes ist die Stadt Schneeberg Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Kasse des sächsischen Königs ist wieder einmal leer und er pocht auf höhere Erlöse aus dem Bergbau. Doch die Gruben geben weniger her als noch vor einigen Jahren, klagt sein Oberberghauptmann. Es braucht neue Ideen, um den Bergbau in Schwung zu bringen. Da kommt das Trio mit den Knollennasen gerade recht, ist es doch für Abenteuerlust und Klugheit bekannt. 

Der Comic führt den Leser an authentische Orte, wie die Fundgrube Wolfgangmaßen und das Siebenschlehener Pochwerk - heute ein technisches Museum. Die Region Schneeberg war einst international bedeutendes Zentrum für die Förderung und Aufbereitung von Kobalt. Der war wegen seiner blauen Farbe begehrt - etwa um Glas, Keramik und Porzellan, aber auch Textilien zu färben. Doch der Weg vom mühevollen Abbau unter Tage über das Zerstoßen des Erzes bis hin zum Auswaschen und Rösten des Kobalts ist lang. Die Abrafaxe schauen den Bergleuten über die Schultern und nehmen den Leser mit auf eine unterhaltsame und lehrreiche Reise in die Geschichte des Bergbaus.

Bergbaubegriffe unterhaltsam erklärt

Dabei kommt der Witz nicht zu kurz - etwa dann, wenn sich die Comic-Helden in die Sprache der Bergleute fuchsen. „Wir Bergleute sagen: Ihr werdet in den Berg einfahren“, erklärt der Junge Georg. „Habt ihr hier einen Fahrstuhl?“, fragt Califax verwundert. „Das nicht. Wir klettern die Fahrten hinab. Und eine Fahrt ist eine Leiter“, antwortet Georg. Califax: „Und warum sagt ihr dann nicht einfach "Leiter"?“ 

Der Abenteurer mit der schütteren Büschelfrisur gilt in dem Trio als begnadeter Koch und wird auch enttäuscht, als sich der angekündigte Ofen nicht als Herd zum Braten, sondern als Röstofen fürs Kobalterz entpuppt. Und er sorgt sich um die Pferde, die im Göpel stundenlang im Kreis laufen müssen, um Maschinen anzutreiben. Denn Wasserkraft gibt es oben auf dem Berg nicht. Für das neue Pochwerk, das sie am Ende der Geschichte ersinnen, finden die Comic-Helden mit technischer Raffinesse eine andere Lösung. 

Abrafaxe schreiben deutsche Comic-Geschichte

Im Comic-Heft „Mosaik“ erleben Califax und seine beiden Freunde seit 50 Jahren regelmäßig Abenteuer. Das erste komplette Heft mit ihnen erschien im Januar 1976 in der damaligen DDR und hieß „Das Geheimnis der Grotte“. Das Magazin hat nicht nur die DDR überdauert, sondern gilt inzwischen als der älteste noch erscheinende deutsche Comic. Neben den regulären Ausgaben jeden Monat sind seit der Wiedervereinigung auch gut ein Dutzend Sonderhefte entstanden wie nun das neue Abenteuer im Erzgebirge. Dazu gehörten zwei Rügen-Hefte, eine Ausgabe mit dem Abrafaxen im Berliner Abgeordnetenhaus und eine Begegnung des Trios mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach. 

„Der blaue Schatz“ wurde laut Verlag in einer Auflage von 50.000 Stück gedruckt. Finanziert wurde es über Leader-Fördermittel der EU und hat gut 100.000 Euro gekostet. Das Heft gibt es gratis beim Bergbauverein Schneeberg und der Tourist-Information der Stadt. Ziel sei es, das Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří bekannter zu machen und Bergbaugeschichte anschaulich für Jung und Alt leicht verständlich zu vermitteln, erklärt der Landrat des Erzgebirgskreises, Rico Anton (CDU). „Auch ohne Vorwissen.“