Vorbereitung auf Handball-EM EM-Test liefert Antwort: Wie gut ist „der beste Juri Knorr“?
Mal wieder ruhen die deutschen EM-Hoffnungen auf Juri Knorr. Ist er in Dänemark zu einem besseren Handballer gereift? Warum das DHB-Team bei dieser EM seinen Spielmacher in Topform braucht.

Hannover - Es war gerade ruhiger geworden um Juri Knorr. Die Entwicklung des deutschen Handball-Nationalspielers beim dänischen Spitzenreiter Aalborg Handbold hatten hierzulande wohl nur Hardcore-Fans verfolgt. Doch nun ruht der Ligabetrieb und mit der EM-Vorbereitung ist Knorr zurück im Fokus der deutschen Öffentlichkeit.
Denn trotz seines Wechsels ins Ausland, den manche als Flucht aus dem Rampenlicht interpretiert hatten, bleibt Knorr der Publikumsliebling und große Hoffnungsträger im DHB-Team. Vor allem jetzt - vor der für Deutschland wohl schwierigsten EM seit Jahren.
„Regelmäßig in der Champions League zu spielen, macht ihn besser. Der Druck für ihn ist jetzt anders. Er trägt nicht mehr die Verantwortung für die gesamte Mannschaft auf seinem Rücken wie bei den Rhein-Neckar Löwen“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason vor den EM-Generalproben am Donnerstag (20.30 Uhr/sportschau.de) und Sonntag (18.05 Uhr/ARD) gegen den WM-Zweiten Kroatien.
Bundesliga-Coach: Der beste Knorr, den ich je gesehen habe
Seit Sommer spielt Knorr für den dänischen Topclub. Genug Zeit, um ein besserer Spieler zu werden? „Der beste Juri Knorr, den ich jemals gesehen habe. Es tut ihm gut, dass er in Aalborg in jedem Spiel performen muss, weil die Mannschaft um drei Titel mitspielt“, befand Trainer Nicolej Krickau von den Füchsen Berlin im Podcast „Erste 7“.
Der Däne verfolgt die Spiele in seinem Heimatland wohl wie kein anderer Bundesliga-Coach und ist sich sicher, dass Deutschland von Knorrs Auslandserfahrung profitieren werde. „Ich habe das Gefühl, dass er erwachsener spielt als noch vor einiger Zeit“, sagte Krickau.
Knorr über EM: „Das schwerste Turnier überhaupt“
In den beiden Testspielen gegen Kroatien kann Knorr zeigen, wie gut er wirklich ist. Die EM steigt dann vom 15. Januar bis 1. Februar in Dänemark, Schweden und Norwegen. Deutschland bestreitet alle seine Spiele im dänischen Herning. Zunächst geht es gegen Österreich, Serbien und Spanien - zwei Teams qualifizieren sich für die Hauptrunde.
Bei einem Weiterkommen warten höchstwahrscheinlich Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, Europameister Frankreich, der WM-Vierte Portugal und Norwegen. „Schon die Vorrundengruppe ist unglaublich hart. Und das, was danach in der Hauptrunde kommt, ist das schwerste Turnier überhaupt, was den Weg ins Halbfinale betrifft, das ich bisher erlebt habe. Jedes Hauptrundenspiel ist wie ein Viertelfinale“, erklärte Knorr.
Beliebteste Spieler in Deutschland: Wo liegt Knorr?
Seit seinem internationalen Durchbruch bei der WM 2023 gehört Knorr nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den beliebtesten aktiven Spielern in Deutschland. In einer von der Sportmarketingagentur ONE8Y durchgeführten Umfrage unter Handball-Interessierten gaben 14 Prozent an, dass Weltklasse-Keeper Andreas Wolff ihr Lieblingsspieler sei.
Knorr folgt auf Platz zwei mit zwölf Prozent. DHB-Kapitän Johannes Golla (5 Prozent) liegt mit Abstand auf Platz drei. Dänemarks Welthandballer Mathias Gidsel von den Füchsen Berlin schafft es nur auf Rang acht.
Knorr: „Ein Teil von mir sucht das Rampenlicht“
Wenn Stadionsprecher Knorr ankündigen, ist der Applaus am lautesten. Nach Abpfiff schreibt der introvertierte Nationalspieler oft am längsten Autogramme. Eine Aufgabe, die Teil des Jobs ist. Dabei ist Knorr niemand, der aktiv das Rampenlicht sucht. Am wohlsten fühlt sich der Norddeutsche, wenn er Zeit mit seiner Familie und Hund Elfie verbringen kann - am liebsten nah am Wasser.
„Ein Teil von mir sucht das Rampenlicht, ein Teil verflucht es. Auf der einen Seite will ich alles perfekt machen, auf der anderen Seite wünsche ich mir einfach nur, Handball mit Freunden zu spielen“, sagte der DHB-Profi über den Balanceakt zwischen öffentlicher Erwartung und dem Wunsch nach Normalität.
Der 25-Jährige hat gelernt, den medialen Druck zu relativieren. „Früher habe ich alles gelesen und mich reingesteigert. Jetzt lese ich nichts mehr. Das macht alles viel entspannter. Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass mir Lockerheit auf dem Platz mehr hilft als das letzte Quäntchen Disziplin oder Perfektionismus“, berichtete Knorr im Magazin „Bock auf Handball“.