Anschlag auf Weihnachtsmarkt Ex-Kollegin des Todesfahrers schaltete Betriebsrat ein
Wie trat der spätere Attentäter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt als Arzt auf? Eine ehemalige Kollegin aus dem Maßregelvollzug sagt dazu im Untersuchungsausschuss aus.

Magdeburg - Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt ist erneut deutlich geworden, dass der Todesfahrer in seiner Tätigkeit als Arzt unzuverlässig war und seine fachliche Qualifikation in Zweifel gezogen wurde.
Eine ehemalige Assistenzärztin sagte am Morgen im Ausschuss, viele Kollegen seien genervt gewesen, weil man dem Psychiater oft hinterhertelefonieren musste. Der Arzt habe sich geweigert, bestimmte Dinge zu übernehmen. Andere hätten dann seine Aufgaben übernommen.
Zu Diagnosen und Therapien habe es teils unterschiedliche Auffassungen gegeben, dann habe sie um Fallbesprechungen gebeten, sagte die Ex-Kollegin als Zeugin aus. „Ich habe seine Qualifikation hinterfragt.“ Sie sagte, sie habe sowohl die ärztliche Leitung als auch den Betriebsrat eingeschaltet. Die Führungsebene habe beschwichtigend und vermittelnd reagiert. Vom Betriebsrat habe sie keine Rückmeldung bekommen, bis sie ausgeschieden sei.
Schon bei vorigen Zeugenvernehmungen im Untersuchungsausschuss war deutlich geworden, dass Kollegen an der fachlichen Kompetenz des Mannes gezweifelt hatten.
Taleb al-Abdulmohsen war im Dezember 2024 mit einem PS-starken Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren. Sechs Menschen wurden getötet, mehr als 300 wurden zum Teil schwerst verletzt.
Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus Saudi-Arabien. Er arbeitete bis zur Tat im Maßregelvollzug in Bernburg (Salzlandkreis) beim Gesundheitsunternehmen Salus als Stationsarzt, sein Aufgabengebiet umfasste die psychiatrische Betreuung von Straftätern. Er soll in Saudi-Arabien Medizin studiert haben, in Deutschland erwarb er die Facharztanerkennung.