Gedenken an Vertreibung Kretschmer: Geschichte der Ungarndeutschen „lebendig halten“
Fast 50.000 Ungarndeutsche kamen nach Sachsen. Gemeinsam mit Ungarns Staatsoberhaupt erinnert der Ministerpräsident an ihr Schicksal.

Pirna - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der ungarische Staatspräsident Tamás Sulyok haben am Morgen in Pirna gemeinsam der Vertreibung deutschsprachiger Einwohner Ungarns nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Gemeinsam legten der CDU-Politiker und das ungarische Staatsoberhaupt einen Kranz vor einer Gedenktafel an der „Grauen Kaserne“ in Pirna nieder. Das Gebäude hatte als Erstaufnahme vertriebener Ungarndeutscher in Sachsen gedient. In Ungarn ist der 19. Januar seit 2012 nationaler Gedenktag zur Vertreibung der Ungarndeutschen. „Das unterscheidet Ungarn sehr von anderen Ländern, in denen solche Vertreibungen stattgefunden haben“, so der Ministerpräsident bei einer Veranstaltung im Anschluss an die Kranzniederlegung.
Auch in der DDR sei die Geschichte der Ungarndeutschen nicht thematisiert worden. „Daraus sind Trauma entstanden, nicht nur für diejenigen, die das unmittelbar erlebt haben, sondern auch für die nachfolgenden Generationen“, so Kretschmer. Umso wichtiger sei es, heute darüber zu sprechen und die Geschichte lebendig zu halten.
Sulyok: Vertreibung Ungarndeutscher eine „Sünde am Menschen“
Die Gemeinschaft der Ungarndeutschen habe einen großen Beitrag für das Land und seine Kultur geleistet, so Staatspräsident Sulyok. „Sie haben gemeinsam mit uns Ungarn aufgebaut.“ Das Land sei ihre Heimat gewesen, die Vertriebenen seien fester Bestandteil der ungarischen Nation gewesen, so der Politiker der ungarischen Regierungspartei Fidesz. „Die Vertreibung der Ungarndeutschen war eine schädliche Sünde am Menschen. Nach dem blutigen Weltkrieg wurden nicht erst die Wunden geheilt, sondern vielmehr neue Wunden aufgerissen.“
Seit dem 12. Jahrhundert siedelten in Ungarn Einwohner deutscher Sprache, teilte die sächsische Staatskanzlei mit. Demnach lebten 1910 im damaligen Staatsgebiet von Ungarn über zwei Millionen Deutsche, was einem Anteil von 9,8 Prozent an der Bevölkerung entsprach. Am 19. Januar 1946 traf der erste Transport vertriebener Deutscher aus Ungarn in Bayern ein. In Sachsen seien insgesamt 33 Eisenbahntransporte mit etwa 50.000 Ungarndeutschen angekommen. Von der damaligen Erstaufnahme in Pirna wurden die Vertriebenen in ganz Sachsen verteilt. Heute wird das Gebäude unter anderem als Raum für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft genutzt.