Fischerei

Küstenfischerei in Not: Überbrückungszahlungen gefordert

Die Klimaveränderungen und damit die Änderungen in der gesamten Tier- und Pflanzenwelt in der Ostsee setzen auch Fischbeständen wie Hering oder Dorsch zu. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Fischerei.

Von dpa 19.09.2021, 10:22 • Aktualisiert: 20.09.2021, 23:03
Der Fischkutter „Seeadler“ liegt im Alten Hafen.
Der Fischkutter „Seeadler“ liegt im Alten Hafen. Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Wismar - Die handwerkliche Kutter- und Küstenfischerei braucht nach Angaben ihres Landesverbands dringend Überbrückungszahlungen, bis die EU-Stilllegungsprämien Mitte 2022 wieder fließen. Einige Fischereigenossenschaften wie etwa in Lauterbach auf Rügen oder Hiddensee hätten schon aufgegeben, sagte die Verbandsvorsitzende Ilona Schreiber der Deutschen Presse-Agentur.

Das alte Programm des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) hatte eine Laufzeit von 2017 bis einschließlich 2020. Bis das neue Programm in nationales Recht übernommen werde, werde es bis 2022 dauern. Es sei zu befürchten, dass das einige Fischer nicht überstehen. So bestehe die Gefahr, dass die kleine handwerkliche Kutter- und Küstenfischerei aussterben wird. Schreiber forderte deshalb Gespräche der Politik mit den Fischern.

Kern des Überbrückungsprogramms ist es, dass Fischer ihre Boote 180 Tage in drei Jahren stilllegen. „In dieser Zeit wird nicht gefischt und das Boot nicht repariert, die Fischer dürfen nicht in Urlaub gehen oder krank werden“, sagte Schreiber. Die Fischer hätten keine Gewinne erwirtschaftet, Unkosten müssten aber gedeckt werden.

In der Ostsee ist der Fischbestand je nach Art sehr unterschiedlich. Wie der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, sagte, produzieren die Dorsche in der westlichen und östlichen Ostsee kaum noch Nachwuchs, es gebe deshalb den Vorschlag an die EU-Kommission für eine Quote von knapp 700 Tonnen. Diese Menge würde den Beifang bei der Fischerei abdecken. Für den Hering in der westlichen Ostsee gebe es für 2022 eine Fangstopp-Empfehlung. Die meisten anderen Fischbestände seien in einem guten Zustand.

Zimmermann zeigte sich skeptisch, dass ein neuerliches vorübergehendes Stilllegungsprogramm sinnvoll sei. Die Bestände von Dorsch und Hering seien in einem so schlechten Zustand, dass es unsicher sei, ob sie sich in absehbarer Zeit so erholen, dass Fischfang wieder möglich ist. Er widersprach auch den Verbandsforderungen, die Dorschquote für die Küstenfischerei freizugeben.