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Pflegebedürftige in Thüringen Mehr als 3.000 Euro Zuzahlung für Pflegeheimplatz fällig

Pflege im Heim wird in Thüringen immer mehr zu einem Luxusgut. Die Altersrente jedenfalls dürfte bei vielen Pflegebedürftigen dafür nicht reichen.

Von dpa 22.01.2026, 00:01
Die Pflege im Heim wird immer teurer - für Pflegebedürftige wie für Kommunen, die mit Sozialhilfe einspringen (Symbolfoto).
Die Pflege im Heim wird immer teurer - für Pflegebedürftige wie für Kommunen, die mit Sozialhilfe einspringen (Symbolfoto). Tom Weller/dpa/dpa-tmn

Erfurt - Die Pflege im Heim wird für alte Menschen in Thüringen zu einer immer größeren finanziellen Belastung. Die von Pflegebedürftigen im ersten Heimjahr zu tragenden monatlichen Zuzahlungen haben zum Jahreswechsel die Marke von 3.000 Euro übertroffen. Sie lagen zum Stichtag 1. Januar bei exakt 3.005 Euro, wie der Verband der Ersatzkassen ausgewertet hat. Das sind 209 Euro mehr als zu Jahresbeginn 2025 und 96 Euro mehr als am 1. Juli 2025. In Thüringen werden nach amtlicher Statistik etwa 24.000 Menschen in Heimen gepflegt. 

Pflegeversicherung übernimmt nur Teil der Leistungen

In den Beträgen sind neben den Eigenanteilen für die eigentliche Pflege auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, für Investitionen in den Heimen und Umlagen für Ausbildungskosten enthalten. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt - anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Pflegekosten.

Auch bundesweit sind die aus eigener Tasche zu leistenden Zuzahlungen binnen eines Jahres deutlich gestiegen. Im Schnitt mussten in Heimen lebende Pflegebedürftige 3.245 Euro aufbringen, 261 Euro mehr als im Januar 2025 und 137 Euro mehr als im Juli 2025. Unter der Schwelle von 3.000 Euro liegen nur drei Bundesländer: Sachsen-Anhalt (2.720 Euro), Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen (je 2.903 Euro). Ausgewertet wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern. Zu den Ersatzkassen gehören unter anderem die DAK, die Barmer und die Techniker Krankenkasse.

Anstieg trotz Entlastungszuschlägen

Seit 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse auch Entlastungszuschläge für die reinen Pflegekosten. Die Höhe der Zuschläge hängt von der Dauer des Heimaufenthalts ab. Im ersten Jahr werden die Pflegekosten um 15 Prozent gedrückt, im vierten Jahr um 75 Prozent. Auch mit diesem höchsten Zuschlag waren zum 1. Januar in Thüringen noch 1.865 Euro aus eigener Tasche fällig, 106 Euro mehr als vor einem Jahr.

Reichen Altersrente und Ersparnisse von Pflegebedürftigen nicht aus, um die Zuzahlungen für den Heimplatz zu finanzieren, springt in der Regel die Sozialhilfe ein. Im Jahr 2024 etwa betraf das nach den verfügbaren Daten des Statistischen Landesamtes 10.425 Heimbewohner, also fast die Hälfte der in Heimen lebenden Pflegebedürftigen. Das ist auch ein Problem für die Kommunen, die unter den steigenden Sozialhilfeausgaben ächzen.