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Schulen Mehr Stundenausfälle an Schulen als vor Corona

Noch immer sind die coronabedingten Spätfolgen an den Schulen zu spüren. Erhöhte Krankmeldungen führen zu vermehrten Vertretungsstunden und zu mehr Unterrichtsausfällen als vor der Pandemie.

Von dpa Aktualisiert: 25.06.2024, 08:51
Unterichtsausfall - an vielen Schulen noch immer keine Seltenheit.
Unterichtsausfall - an vielen Schulen noch immer keine Seltenheit. Caroline Seidel/dpa/Archivbild

Potsdam - An den Brandenburger Schulen fällt der Unterricht weiterhin öfter aus als vor der Corona-Pandemie. Im ersten Halbjahr 2023/24 fielen 2,5 Prozent der geplanten Unterrichtsstunden ersatzlos aus, vor der Pandemie waren es 1,8 Prozent, wie das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion mitteilte. Die Daten wurden in den Grundschulen, Oberschulen, Gesamtschulen, Gymnasien und Förderschulen erhoben.

Auch Vertretungen seien demnach häufiger. Vor allem der durch Krankheit verursachte Vertretungsbedarf betrug im ersten Halbjahr des laufenden Schuljahres 14,3 Prozent. Vor der Pandemie waren es nach Angaben des Ministeriums 11,7 Prozent. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Brandenburg sieht fehlende Lehrer-Einstellungen in der Vergangenheit als wesentliche Ursache für die Stundenausfälle.

Wie die Behörde erläutert, war es bereits im März 2020 pandemiebedingt zu Schulschließungen gekommen. Die Auswertung des ersten Halbjahres 2019/20 könne daher nicht unmittelbar mit gesamten Schuljahren verglichen werden. Im Schuljahr 2020/21 kam es coronabedingt landesweit zu vermehrten Krankheitsmeldungen mit Vertretungsbedarf sowie zu weiteren Schulschließungen.

In den beiden folgenden Schuljahren sei der Schulbetrieb durch Schulschließungen, Quarantänemaßnahmen, Distanzunterricht und weiteren Unregelmäßigkeiten beeinträchtigt worden. Seit dem Schuljahr 2022/23 spielten diese coronabedingten Merkmale in der Statistik keine Rolle mehr.

Stundensoll der Lehrkräfte gesunken

Dabei ist das Stundensoll der Lehrkräfte im ersten Halbjahr 2019/20 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023/24 laut Ministerium von rund 7,08 Millionen Stunden auf 6,85 Millionen Stunden gesunken. Durch vermehrte Krankmeldungen von Lehrern und Schülern mussten im ersten Halbjahr 2023/24 für 9,6 Prozent der Stunden Vertretungslösungen gefunden werden. Im ersten Halbjahr 2019/20 waren es noch gut 8 Prozent.

Den höchsten Vertretungsbedarf durch Krankheit hatten im ersten Halbjahr 2023/24 die Förderschulen mit 13,7 Prozent des Stundensolls. Auch die Oberschulen (11,9 Prozent) und Grundschulen (11,7 Prozent) lagen im zweistelligen Bereich. Bei den Gymnasien machten die Krankmeldungen rund 8,3 Prozent des Stundensolls aus. Allerdings hatten die Gymnasien auch schon vor Corona nur einen Krankheitsanteil von gut 6,4 Prozent des geplanten Unterrichtssolls.

Um Unterrichtsausfälle zu verhindern, wurden zum Beispiel Klassen und Kurse zusammengelegt, Vertretungsreserven mobilisiert, Mehrarbeit angeordnet und geplante Klassenfahrten vorgezogen, so das Bildungsministerium.

Lehrergewerkschaft: Stundenausfälle werden zunehmen

Nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg spiegeln die Ausfälle und der hohe Vertretungsbedarf die Fehler der Vergangenheit wider- es seien nicht ausreichend Lehrer eingestellt worden. „Neben den fehlenden Lehrkräften haben wir auch darauf verwiesen, dass die Zahl der Krankmeldungen steigen wird und die Vertretungsreserve an den Schulen mit drei Prozent viel zu niedrig angesetzt ist“, sagte der Vorsitzende der GEW in Brandenburg, Günther Fuchs, der dpa. „Wir sehen mit großer Sorge, dass die Unterrichtsausfälle dort, wo Lehrkräfte nicht zur Verfügung stehen, wesentlich höher sind als das, was derzeit von der Regierung veröffentlicht wird.“ Der Unterrichtsausfall werde auch in den nächsten Jahren nicht zurückgehen, sondern noch zunehmen.