Meiningens Theaterstar Meiningens Pläne für das „Georg“-Jubiläumsjahr
Der 200. Geburtstag von Theaterherzog Georg II. bestimmt in Meiningen 2026 nicht nur das kulturelle Leben. Was Besucher erwartet und warum es lohnenswert sein kann, sich einen Bart stehenzulassen.

Meiningen - 2026 wird ein wichtiges Jahr für Meiningen. Die Stadt an der Werra feiert ihre wohl bekannteste Persönlichkeit: Der 200. Geburtstag von „Theaterherzog“ Georg II. von Sachsen-Meiningen steht an.
Warum ist der Herzog bedeutend?
„Theaterherzog Georg hat Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, die ihresgleichen suchen“, sagt Oberbürgermeister Fabian Giesder (SPD). Als Regent sei Georg (1826-1914) liberal und innovativ gewesen. „Er hat sich auch für Frauenbildung eingesetzt und den Strafvollzug menschlicher gestaltet und zum Beispiel die Folter verbieten lassen.“ Auch ein erstes Pressegesetz im Herzogtum gehe auf ihn zurück, so Giesder. In der Welt bekannt wurde er aber wegen seiner Leidenschaft fürs Theater.
Warum heißt er „Theaterherzog“?
Den Beinamen verdiente sich Georg II., weil er das Theater nachhaltig beeinflusste. Als er 1866 Regent wurde, krempelte er Hoftheater und Hofkapelle um. Damit legte er den Grundstein für den späteren europaweiten Ruhm des auf Gastspielen gefeierten Meininger Ensembles. Georg war quasi Intendant, führte auch selbst Regie und entwarf Kostüme. Auch wegen der detailgetreuen Ausstattung fanden die Inszenierungen viel Beachtung.
„Im Kulturbereich prägte er das Theater bis heute; seinerzeit hat er alles, was Rang und Namen hatte, nach Meiningen geholt“, erklärt Giesder. Georg II. berief etwa Dirigenten wie Richard Strauss und Max Reger für die Hofkapelle, war mit Johannes Brahms befreundet. Auch mit dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen stand er in Verbindung. Und: In dritter Ehe heiratete Georg II. eine aus bürgerlichem Haus stammende frühere Schauspielerin.
Giesder sieht aber auch einen politischen Hintergrund in Georgs Fokus auf die Künste: „In der Kleinstaaten-Struktur von damals konnte Georgs kleines Herzogtum kaum militärisch punkten, deshalb suchte er andere Dinge, um relevant zu sein.“
Was ist nun zum Jubiläum zu erwarten?
Gut 70 Seiten umfasst das Heft zum Programm im „Georgjahr“, an dem sich auch andere Wirkungsstätten des Herzogs beteiligen, nämlich Bad Liebenstein und Heldburg. Konzerte, Vorträge, Führungen und Sportevents gehören dazu. Schon jetzt können die Spuren Georgs in Meiningen anhand einer Open-Air-Ausstellung verfolgt werden. Wichtiges Datum: Am 2. April, dem Geburtstag, ist unter anderem ein Fest auf Schloss Elisabethenburg geplant - mit freiem Eintritt.
Welche Ausstellungen gibt es?
In den Meininger Museen sind mehrere Schauen geplant, etwa mit Zeichnungen aus der Hand des Herzogs und eine Sonderausstellung „Georg II. von Sachsen-Meiningen: Ein fürstlicher Gestalter“ (3. April bis 11. Januar). Die Dampflok Erlebniswelt zeigt ab dem 21. August „Abgefahren in Meiningen. Herzog Georg II. und die Eisenbahn“. Das Deutsche Burgenmuseum Veste Heldburg schaut ab dem 1. März darauf, wie der Herzog als Bauherr die Veste gestaltet hat.
Warum geht es auch um Sterne und Bärte?
Weil Georgs Einfluss bis zum Hollywood-Kino reicht, soll eine Jury 200 Meininger auswählen, die die Stadtgesellschaft besonders prägen. Angelehnt an den „Walk of Fame“ in Hollywood sollen sie mit einem „Meiningen-Stern“ geehrt werden und sich am 23. Mai mit ihren Vereinen in der Innenstadt zeigen.
Weil Georg II. einen Rauschebart trug, wird Ende Mai in einem Wettbewerb der Träger des schönsten und längsten Barts von Meiningen gekürt. Motto. „Wer hat den längsten - oder den schönsten?“
Am 4. und 5. Juli ist ein Festwochenende in der Altensteiner Höhle bei Schloss Altenstein in Bad Liebenstein geplant. Georg II. ließ die Höhle zur Schauhöhle ausbauen und darin Musiker auftreten. Im Schlosspark Altenstein wird das Jubiläum mit Musik und mehr am 21. und 23. August gefeiert.
Was sind die Pläne des Staatstheaters?
Vor dem Theatermuseum soll am 23. März eine neu geschaffene Skulptur des Herzogs enthüllt werden. Die Kulturstiftung Meiningen-Eisenach hat dafür den berühmten Bildhauer Markus Lüpertz beauftragt, der am Theater das Bühnen- und Kostümbild für die Inszenierung von Wagners „Rheingold“ verantwortet, die am Abend zuvor Premiere feiert.
Neben passenden Inszenierungen durch die aktuelle Spielzeit hindurch zeigen vom 20. bis zum 26. März Regieabsolventen Inszenierungen in der „Woche der jungen Regie“. Wer bei diesem Festival die Jury überzeugt, darf in einer der zwei nächsten Spielzeiten am Theater eine Inszenierung erarbeiten.
Am 24. und 25. April lädt das Theater zum Bühnenball mit höfischem Fest - mit Musik, Tanz und vor allem Dekorationen und Kostümen wie in vergangenen Zeiten. Im Marienthaler Schlösschen in Bad Liebenstein ist am 20. Juni ein Herzog-Georg-Sommernachtsball geplant.