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Aachener Tradition Mission Karneval: Raumfahrtministerin Bär mit Orden geehrt

Politiker im Karneval – das ist diffizil. Dorothee Bär nutzt ihren Auftritt in Aachen für ein paar Botschaften. Derweil schleicht Markus Söder durch etliche Pointen wie ein unsichtbarer Gast.

Von Jonas-Erik Schmidt, dpa Aktualisiert: 01.02.2026, 02:29
Dorothee Bär ist die neue Trägerin des Ordens wider den tierischen Ernst.
Dorothee Bär ist die neue Trägerin des Ordens wider den tierischen Ernst. Rolf Vennenbernd/dpa

Aachen - Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat in Aachen den karnevalistischen Orden wider den tierischen Ernst bekommen. Bei der Verleihung der traditionsreichen Auszeichnung griff die CSU-Politikerin die von Kanzler Friedrich Merz ausgelöste „Stadtbild“-Debatte auf. Zugleich war während des Abends auffällig oft ein Mann Thema, der gar nicht anwesend war: CSU-Chef Markus Söder.

Über beide Männer äußerte sich Bär sehr wohlwollend in ihrer Antrittsrede als 76. Ordensritterin, die sie nun durch die Entscheidung des Aachener Karnevalsvereins ist. In ihrer Rede sinnierte die 47-Jährige, die auch Bundesministerin für Raumfahrt ist, darüber, welcher Politiker wohl für eine Mondreise infrage käme. Irgendwann kam sie bei Merz (CDU) an.

„Wäre ein Sauerländer auf dem Mond, okay? Grundsätzlich ja, nur der Kanzler nicht, denn wir brauchen auf Erden sein Gewicht“, sagte Bär, die in ihrem Vortrag durchgehend reimte. Für US-Präsident Donald Trump finde Merz „die richtigen Töne“ und er sage „nicht nur das Schöne“. Dann schloss sie: „Das Wort "Stadtbild" stört wenig, wenn das Weltbild stimmt.“

Debatte aus dem vergangenen Jahr - nun im Karneval

Merz hatte die „Stadtbild“-Debatte im Oktober 2025 ausgelöst. Die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, „aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“, hatte er erklärt. Wen er meinte, war zunächst offen geblieben. Später konkretisierte Merz, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltenden Regeln hielten. Die Äußerungen hatten Zustimmung gefunden, aber auch massive Kritik ausgelöst.

Auch Söder dürfte die Rede von Bär, die er schon mal als „Space-Ministerin“ bezeichnet hat, gefallen haben. „Der Markus mit seinem Raumfahrtprogramm, der käme da oben sicher gut an“, reimte Bär. „Die Söder-Schule macht stark, nicht klein. Möge die Macht weiter mit ihm sein.“

Der Orden wider den tierischen Ernst wird seit 1950 vom Aachener Karnevalsverein vergeben und soll „Humor und Menschlichkeit im Amt“ würdigen. Bekannt ist die Verleihung vor allem für die vielen Spitzenpolitiker, die dabei im eher ungewohnten Habitat einer Karnevalssitzung auftreten und Reden halten. Das richtige Maß von Humor und politischen Botschaften zu finden ist diffizil, nicht jeder ist geborener Büttenredner.

„Nürnberger Würstchen mit der Lizenz zum Tröten“

Für die deftigeren Spitzen waren in diesem Jahr eher andere zuständig als die neue Ordensritterin. Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang etwa zielte in ihrer Rede ebenfalls auf Söder, den sie als „Nürnberger Würstchen mit der Lizenz zum Tröten“ auf die Schippe nahm. „Der fränkische Fleischsommelier ist das beste Beispiel dafür, dass auch groß gewachsene Männer am Napoleon-Komplex leiden“, sagte Lang.

Söder ist dafür bekannt, regelmäßig Fotos und Videos seines meist deftigen und fleischlastigen Essens in sozialen Netzwerken zu posten - ein Umstand, den bei der Verleihung auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil als Witze-Rampe nutzte. Söders Motto sei nicht wie bei Dorothee Bär „Wenn dich dein Leben nervt, streue Glitzer drauf“, sondern stattdessen „Wenn's dir nicht schmeckt, mach Ketchup drauf“, so Klingbeil.

Der SPD-Politiker war im vergangenen Jahr mit dem Orden ausgezeichnet worden. Daher hielt er in diesem Jahr die Laudatio auf seine Nachfolgerin. „Du bist eine sehr besondere Person, fast einzigartig in der CSU“, witzelte er zunächst. „Eine Frau.“

Klingbeil lobt seine Nachfolgerin

In einer ernsteren Passage fand er dann allerdings wirklich warme Worte für die Kabinettskollegin. Bär sei ein Mensch, der Freude ausstrahle, „ohne den Ernst der Lage zu leugnen.“ Und darum gehe es in diesen Zeiten, sagte Klingbeil. Er verwies auch auf die Schlagzeile „Dirndl-Doro bringt Farbe ins Kabinett“, die die „Bild“-Zeitung einmal formuliert hatte. „Manche haben das als Kritik wahrgenommen“, sagte Klingbeil. „Ich finde aber, gerade in Zeiten, in denen immer alles brauner wird, tut Farbe uns doch mal richtig gut.“

Ziemlich gut im Saal kam CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann an, der ein Comedy-Programm abspulte - inklusive Seitenhieb auf einen Parteifreund. Linnemann sagte im Scherz, er habe darüber nachgedacht, die Straße vor der Parteizentrale in Kai-Wegner-Straße umzubenennen, also nach Berlins Regierendem Bürgermeister. Dann habe er jedoch gedacht: „Geht gar nicht, ist ja gar kein Tennisplatz in der Nähe.“ Wegner war kürzlich unter Druck geraten, weil er während eines großen Stromausfalls Tennis gespielt hatte.

Moderator Guido Cantz wollte von Linnemann zudem wissen, wie wichtig Humor im politischen Alltag sei. Der Politiker erzählte, dass unter anderem im Koalitionsausschuss zuletzt gelacht worden sei. „Wenn wir das nicht machen würden, gehst du in dem Geschäft, glaube ich, am Ende kaputt.“

Eine Aufzeichnung der Verleihung ist am Montag (2. Februar 2026, 22.50 Uhr) in der ARD zu sehen. Am 14. Februar (23.00 Uhr) zeigt sie das WDR-Fernsehen.