Erich Loest Preis und Buch zum 100. Geburtstag von Erich Loest
Am 24. Februar wäre der Schriftsteller Erich Loest 100 Jahre alt geworden. Die Hüter seines Nachlasses wollen ihn zu diesem Anlass wieder mehr in Erinnerung rufen.

Leipzig - Fragt man Stephan Seeger, den geschäftsführenden Vorstand der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, nach dem Schriftsteller Erich Loest (1926-2013), dann fällt sein Urteil eindeutig aus: „In Leipzig ist er noch sehr präsent. Aber in der großen Öffentlichkeit, in der großen Allgemeinheit ist es still geworden, und das hat er nicht verdient“.
Die Medienstiftung nimmt den 100. Geburtstag von Loest am 24. Februar zum Anlass, um eine Sonderausgabe einer nach ihm benannten Auszeichnung zu verleihen. Der mit 10.000 Euro dotierte Erich-Loest-Preis geht am Dienstag an den aus Dresden stammenden Schriftsteller Durs Grünbein.
Turnusmäßig wird der Preis alle zwei Jahre vergeben, die nächste reguläre Verleihung steht 2027 an. Der Preis würdigt laut Stiftung Menschen, die sich wie Loest offen - und gerne auch streitbar - für die Demokratie einsetzen.
Buch mit Briefwechseln von Loest
Außerdem wird ein neues Buch mit Briefwechseln Loests vorgestellt. Es wurde von der Medienstiftung gefördert. „Erich Loest "Mensch, was haben wir alles hinter uns"“ enthält Korrespondenzen, die der Leipziger Ehrenbürger von 1953 bis 2013 mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten geführt hat.
Den Anfang machen Schreiben an seine Frau Annelies aus der Stasi-Haft in Bautzen, in der er ab 1957 sieben Jahre lang wegen angeblicher konterrevolutionärer Umtriebe saß. Dann folgen Briefwechsel mit zahlreichen Autoren aus der DDR wie Walter Janka oder Christa Wolf, aber auch Austausche mit Autoren aus der Bundesrepublik wie Walter Kempowski und Günter Grass.
Deutsche Teilung und Wiedervereinigung als Lebensthemen
„Diese Briefwechsel zeigen, wie angesehen Loest im Kreise der Schriftsteller war“, sagt der Historiker Seeger. Loest, der 1981 in die Bundesrepublik übergesiedelt war und nach der friedlichen Revolution nach Leipzig zurückkehrte, sei ein deutsch-deutscher Schriftsteller gewesen. Die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung waren große Themen in Loests Werken wie etwa im Roman „Nikolaikirche“.
Die Kultur- und Umweltstiftung der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig verwahrt den Nachlass Loests. Der Schriftsteller hatte der Stiftung Hunderte Briefe, Manuskripte und handschriftliche Notizen vermacht - ein Umfang von mehr als 110 Leitz-Ordnern. In das neue Buch ist eine Auswahl dieser Briefe eingeflossen.
Stiftungs-Vorstand Seeger würde das Buch in Zukunft gerne im Schulunterricht sehen. „Wer sich ein Bild machen will der vergangenen 80 Jahre deutscher Geschichte und auch etwas verstehen will von den Veränderungen, die es auch in der DDR gegeben hat, der kann das mit diesem Buch anhand dieser Briefwechsel nachvollziehen“, sagt er.