Debatte läuft Reform-Ideen: Hochschulen können sich Verbünde vorstellen
Weniger Studierende und steigende Kosten: Thüringens Hochschulen suchen nach neuen Wegen, um leistungsfähig zu bleiben. Verbundmodelle werden diskutiert. Herauskommen soll eine große Hochschulreform.

Erfurt/Ilmenau - Die Thüringer Hochschulen zeigen sich mit Blick auf eine geplante weitreichende Reform offen für eine engere Zusammenarbeit in Verbünden. „Wir favorisieren intern ein Verbundmodell, wo man enger zusammenarbeitet, aber die Standorte erhalten bleiben“, sagte der Vorsitzende der Landespräsidentenkonferenz, Kai-Uwe Sattler, der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.
Verbünde kommen laut Sattler nicht nur für Fachhochschulen, sondern auch für Universitäten infrage. Beispielsweise gebe es zwischen der TU Ilmenau, deren Präsident Sattler ist, und der Bauhaus-Universität Weimar inhaltliche Anknüpfungspunkte.
Neue Wege der Zusammenarbeit
Die Hochschulstandorte müssten aber auch in ihrer Autonomie erhalten bleiben, machte Sattler deutlich. „Ich denke, man kann innovative Wege finden - also auch übergreifende Strukturen, Fakultäten, Schools, Cluster, wo man gemeinsam wichtige Themen angeht und damit letztlich auch die Schlagkraft der Wissenschaft und der Lehre verbessert.“
Die Landesregierung plant eine größere Hochschulreform, deren Grundlagen noch in diesem Jahr gelegt werden sollen. Hintergrund sind stark steigende Kosten bei zugleich sinkenden Studierendenzahlen. In diesem Jahr muss eine neue Vereinbarung zwischen dem Land und den Hochschulen ausgearbeitet werden, mit der Finanzierungsfragen für die Zukunft geklärt werden.
Finanzielle Engpässe
Sattler sagte, die Hochschulen stünden vor finanziellen Engpässen. „Natürlich wollen wir aber auch Thüringen attraktiver machen für Studierende, auch Wissenschaft.“ Er verwies darauf, dass die Studierendenzahlen in Thüringen seit Jahren sinken. Hinzu komme der demografische Wandel.
Thüringen habe mit einer relativ geringen Anzahl an Studierenden bei zehn Hochschulen Strukturen entwickelt, die man sich kritisch anschauen müsse. Es gehe dabei auch darum, „mit weniger Geld die Leistungsfähigkeit zu erhalten“.
Sattler wies darauf hin, dass es schon jetzt Beispiele für Zusammenarbeit gibt - beim gemeinsamen IT-Zentren oder bei Bibliotheken. „Man könnte sich natürlich auch in Zukunft bei Berufungen abstimmen“, sagte Sattler. Professoren seien Landesbeamte. Ein denkbares Modell sei, dass ein Professor nicht nur an einer Hochschule forsche und lehre, sondern vielleicht an zwei Standorten. Es sei aber noch alles offen, die Gespräche liefen. Auch der rechtliche Rahmen müsse noch geklärt werden.
Linke warnt vor zu großen Einspar-Erwartungen
Der Thüringer Linke-Fraktionschef und Hochschulpolitiker Christian Schaft warnte vor zu großen Erwartungen beim Einsparpotenzial durch eine Reform. „Die Einspareffekte, die man sich vielleicht im Finanzministerium wünscht, werden durch Kooperationen, Fusionen oder Verbünde nicht entstehen. Im Gegenteil“, sagte Schaft der dpa. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern hätten gezeigt, dass immer eine Anschubfinanzierung nötig sei. Grund sei, dass mit Verbünden neue Strukturen zunächst aufgebaut werden müssten.
„Es wird auf jeden Fall erstmal mehr Geld benötigen, um solche Verbünde auf den Weg zu bringen und nicht weniger“, sagte Schaft. Langfristig könne es dann auch aus seiner Sicht Einspareffekte geben. Das müsse man aber realistisch einschätzen. Schaft forderte, den Hochschulen kein Modell von oben aufzusetzen. Es sei wichtig, den Prozess der Reform transparent zu machen.