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Auswirkungen des Winters Schneespaß und Schlaglöcher - Winter hinterlässt Spuren

Bis auf die Inseln wurde Niedersachsen in den vergangenen Wochen weiß eingetaucht. Winterfans kamen vielerorts auf ihre Kosten, doch an anderen Stellen sorgt das Wetter auch für Probleme.

Von dpa 12.02.2026, 05:30
Auch Langlauf ist in diesem Winter im Harz schon häufig möglich gewesen. (Archivbild)
Auch Langlauf ist in diesem Winter im Harz schon häufig möglich gewesen. (Archivbild) Matthias Bein/dpa

Hannover - Schnee, Frost und Glätte bestimmen seit mehreren Wochen das Wetter in Niedersachsen. Bis zu 20 Zentimeter Schnee bedeckten das Bundesland zwischenzeitlich, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Auf der Nordseeinsel Norderney etwa habe mit bis zu zwölf Zentimetern so viel Schnee wie seit 2014 nicht mehr gelegen. „Der Januar war ein richtiger Wintermonat“, sagte Meteorologe Marc Wenthe. Je nach Ort habe es im Winter bisher an mehr als einem guten Dutzend Tagen nennenswert geschneit. Auch die Thermometer zeigten häufig niedrigere Werte als in der jüngeren Vergangenheit an.

Was den einen freut, ist für den anderen lästig. Welche Auswirkungen das Wetter bisher hatte.

Weiße Pracht lockt Besucher in den Harz

Zahlreiche Menschen haben in den vergangenen Wochen das Wetter für Winterausflüge in den Harz genutzt. Der Tourismusverband rechnet mit einem Besucherplus gegenüber den vergangenen Jahren für die ersten sechs Wochen. Vor allem Tagesgäste und Kurzurlauber kämen bei Schnee in das Mittelgebirge. Orte mit eigenen Skigebieten, also etwa Braunlage oder Sankt Andreasberg, seien besonders gefragt gewesen.

Erstmals seit Jahren sei es gelungen, zum Jahreswechsel, pünktlich zu den Winterferien, umfangreiche Wintersportmöglichkeiten anzubieten – „etwas, das aufgrund der fehlenden Schneesicherheit im Harz nicht selbstverständlich ist“, sagte eine Sprecherin. Das zeige, dass Ski- und Rodellifte im Harz weiterhin ihre Berechtigung hätten - auch wenn sie für das Geschäft weniger wichtig würden. 

Frost sorgt für Schlaglöcher

Die längere Frostperiode hinterlässt Spuren auf den Straßen. Kommt es dabei zu häufigen Wechseln von Frost und Tauwetter setze das den Straßen zusätzlich zu, teilte Landesbehörde für Straßenbau mit. „Wenn Wasser in Risse oder porösen Asphalt einer Fahrbahn eindringt, dort gefriert und wieder auftaut, entstehen Hohlräume“, erklärte Behördensprecher Andreas Moseke. „Autos und Lastwagen brechen dann Asphaltstücke aus der Fahrbahn – ein Schlagloch entsteht.“

In Braunschweig wurde bereits damit begonnen, Schlaglöcher zu flicken. Meist seien sie innerhalb weniger Stunden wieder verschlossen, heißt es von der Verwaltung. Aus der Meppen heißt es: „Viele Straßen wurden durch den starken Frost in Mitleidenschaft gezogen“. Auch der Seitenraum sei teilweise beschädigt. Die Stadt Bremerhaven verzeichnet ebenfalls einen leichten Anstieg bei den Straßenschäden.

Eingefrorene Weichen als Problem für den Bahnverkehr

Auch Schienen wurden durch die eisigen Temperaturen in Mitleidenschaft gezogen - vor allem jene des Fernverkehrsnetzes, heißt es aus dem niedersächsischen Verkehrsministerium. Das habe zu Verspätungen und Ausfällen geführt. „Dem könnte zukünftig mit zusätzlichen Weichenheizungen, Räumfahrzeugen und qualifiziertem Ersatzpersonal abgeholfen werden“.

Brennholz wird regional knapp

Weil viel geheizt wird, kann es regional bei Brennholz zu Engpässen kommen. „Die Kollegen haben Schwierigkeiten, die Stammkundschaft zu bedienen“, sagt Jobst Böttger, Pressesprecher der Landesforsten. „Nicht jeder bekommt inzwischen mehr seine Wunschbaumart bei den Förstereien.“ 

Talsperren haben weniger Wasser

Trotz des winterlichen Wetters sind die Harzer Trinkwassertalsperren derzeit nicht wirklich voll. Ihr Füllstand beträgt 56 Prozent und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, wie die Harzwasserwerke mitteilten. Der Winter sei bisher zu trocken, mehrere Millionen Kubikmeter Wasser seien zudem noch als Schnee gebunden. Tauwetter allein werde aber auch nicht für einen großen Zufluss in die Wasserreservoirs sorgen. Die Betreiber hoffen auch auf Regen. Die Trinkwassersicherheit sei jedoch nicht gefährdet.

Wetter trotz Schnee für Ackerböden zu trocken

„Schneemassen“ zum Trotz - auch für die Böden der Bauern war es zu wenig Wasser, wie der Landesbauernverband mitteilte. Es habe weniger als die Hälfte des Niederschlags aus dem Januar des Vorjahres gegeben, sagte Fachmann Konrad Westphale. Generell gab es ihm zufolge von Februar 2025 bis Februar 2026 zu wenig Niederschlag. „Das wird uns wahrscheinlich in diesem Jahr auf die Füße fallen.“ Ob der Frost auch Schäden bei den Pflanzen angerichtet hat, wird sich nach Einschätzung des Experten erst in den nächsten Wochen zeigen.

Frost herausfordernd für Wildtiere - aber wichtig für viele Prozesse

Niedrige Temperaturen stellen Wildtiere zwar vor erhebliche Herausforderungen. „Frost ist jedoch auch ein natürlicher Bestandteil intakter Ökosysteme“, sagte ein Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu). Er trage etwa dazu bei, Parasiten und andere Schädlinge zu regulieren. Menschen könnten die Wildtiere in Maßen unterstützen, ohne natürliche Prozesse zu stören. Wichtig sei dabei der Zugang zu Wasser.

Dieser Winter zeige, dass Frost weit mehr sei als eine Belastung. „Für viele ökologische Prozesse ist er unverzichtbar“, betonte der Nabu-Sprecher. Auch zahlreiche heimische Pflanzen benötigten die Frostperiode als natürliches Signal für ihren Jahresrhythmus. Zudem erhöhten gefrorene Böden die Stabilität von Dämmen.

Lange Schlangen vor Arztpraxen

Auch die Erkältungssaison verläuft intensiv. „Gerade diese Woche hatten wir sehr viele Patienten mit Infekten der oberen Atemwege“, schilderte etwa Nomayy Oweidi, Chefarzt des Lüneburger Klinikums. Er empfiehlt Erkälteten, sich an den Hausarzt zu wenden, um die Notaufnahmen nicht zu überlasten. Doch auch vor Arztpraxen bilden sich örtlich Schlangen.