Bundestag

SPD wird bei der Bundestagswahl stärkste Kraft in Hamburg

Im Bund liegen die alten Volksparteien SPD und Union nach Hochrechnungen bei der Bundestagswahl recht dicht beieinander. In Hamburg ist das Verhältnis klarer - eine Schlappe für die CDU.

Von dpa 27.09.2021, 00:23 • Aktualisiert: 27.09.2021, 00:27

Hamburg - Die SPD ist bei der Bundestagswahl in Hamburg mit Abstand stärkste Kraft geworden. Nach Auszählung aller Stimmen kam sie nach Angaben des Landeswahlleiters vom späten Sonntagabend auf 29,7 Prozent. Auf Platz zwei landeten die Grünen mit 24,9 Prozent. Die CDU erzielte 15,5 Prozent, die FDP 11,4, die Linke 6,7 und die AfD 5,0 Prozent. Von den sechs Direktmandaten der Stadt konnten die Grünen zwei für sich verbuchen. Vier gingen an die SPD. Die Wahlbeteiligung lag bei 79 Prozent.

In Eimsbüttel setzte sich der langjährige Justizsenator Till Steffen (Grüne) knapp gegen den SPD-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen durch, der das Mandat seit 2013 gehalten hatte. In Altona nahm die ehemalige Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Linda Heitmann dem SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Bartke das Mandat ab. Die vier anderen Mandate gingen an die SPD-Kandidaten Aydan Özoğuz (Wandsbek), Falko Droßmann (Mitte), Dorothee Martin (Nord) und Metin Hakverdi (Bergedorf-Harburg).

Im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren verbesserte die SPD ihr Hamburger Ergebnis unter Kanzlerkandidat und Ex-Bürgermeister Olaf Scholz um 6,2 Punkte. Die Grünen legten um 11 Punkte zu und die FDP um 0,6 Punkte. Die CDU verbuchte mit einem Minus von 11,7 Punkten ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Hamburg. Auch die Linke verschlechtere sich im 5,5 Punkte, die AfD fuhr ein Minus von 2,8 Punkten ein.

Die SPD-Landesvorsitzende Melanie Leonhard freute sich über ein „sehr gutes Ergebnis“. Es enthalte alle Möglichkeiten, „was Koalitionsbildungen, was Möglichkeiten betrifft, soziale Politik zu machen“. Das sei ein großer Verdienst von Scholz - „aber auch von einer SPD, die geschlossen gekämpft hat wie noch nie zuvor“.

Das Ergebnis könne ihn nicht zufriedenstellen, sagte der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat, Christoph Ploß. „Es entspricht nicht den Ansprüchen der CDU und nicht den Zielen, die wir als CDU haben.“ Ploß hatte 2017 in Nord das Direktmandat geholt.

Hamburgs Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Beck sieht das Abschneiden ihrer Partei als gute Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung. „Wir haben alles, alles gegeben und wir haben jetzt unser historisch bestes Ergebnis“, sagte Beck. „Wir sind angetreten, dieses Land zu führen. Und wir werden es sehr wahrscheinlich mit führen - und zwar deutlich gestärkt.“

Der FDP-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Michael Kruse zeigte sich erfreut, „dass wir unser Ergebnis von vor vier Jahren sogar noch verbessern konnten“. Hamburgs Freidemokraten seien voraussichtlich wieder mit zwei Abgeordneten im Bundestag vertreten. „Deswegen ist das ein großer Erfolg für uns.“

Enttäuscht zeigte sich Linke-Spitzenkandidatin Zaklin Nastic. „Das ist ein bitteres Ergebnis“, sagte sie zu den rund fünf Prozent, die ihrer Partei in Hochrechnungen zugeschrieben wurden. „Wir haben uns auch in Hamburg mehr erhofft, nachdem wir intensiv Wahlkampf gemacht haben.“

Der Spitzenkandidat der Hamburger AfD, Bernd Baumann, sieht im Abschneiden seiner Partei trotz Verlusten ein „solides Ergebnis“. Gerade in Hamburg sei Wahlkampf für seine Partei wegen ständiger Gegendemonstrationen nicht möglich gewesen. Eine Großveranstaltungen habe man nicht abhalten können. „Alle Wirte wurden bedroht und mussten absagen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion.