Missstände aufgedeckt Dokumentarfilm-Legende Frederick Wiseman gestorben
Er war einer der Großen des Dokumentarfilms. Seine preisgekrönten Werke zeigen vor allem die oft brutalen Zustände in sozialen Einrichtungen der USA. Nun starb der Filmemacher in hohem Alter.

Cambridge - Mit seinen Dokumentationen deckte Filmemacher Frederick Wiseman über nahezu sechs Jahrzehnte Missstände in sozialen Einrichtungen und im Alltag der Menschen in den USA auf - nun ist er mit 96 Jahren gestorben. Seine Familie meldete seinen Tod in einer gemeinsamen Erklärung mit Zipporah Films, der von Wiseman 1971 gegründeten Vertriebsgesellschaft.
Mehr als 40 Filme habe Wiseman als Produzent oder Regisseur gedreht. Im Jahr 2016 wurde seine Arbeit mit einem Ehren-Oscar geehrt. „Was mich all die Jahre angetrieben hat, ist, dass es Spaß macht und ein Abenteuer ist“, sagte er damals in seiner Dankesrede. „Ständig zu arbeiten hält mich außerdem von der Straße fern – oder zumindest auf den Straßen, die ich mag.“
Wiseman gehöre zu den „einflussreichsten Regisseuren des Dokumentarfilms“, schrieb die „New York Times“ über ihn. Für sein Lebenswerk erhielt er 2014 einen Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspiele von Venedig.
Fast jedes Jahr ein Film
Geboren wurde Wiseman in Boston, später besuchte er die renommierte Yale Law School. Seine Filmlaufbahn startete er in den 1960er Jahren. „Seit seiner ersten Dokumentation drehte er nahezu jedes Jahr eine neue“, schreibt der „Hollywood Reporter“. In „Titicut Follies“ (1967) zeigte er die brutalen Zustände in einer Einrichtung für straffällige psychisch Kranke im US-Bundesstaat Massachusetts. Der Film sei zu einer stilistischen Vorlage für spätere Werke geworden, mit natürlichem Licht und Originalton, ohne Erzählstimme, schrieb die „New York Times“.
Auch mit Frankreich, wo er zeitweise lebte, befassten sich einige seiner Filme. „Menus Plaisirs — Les Troisgros“ feierte 2023 in Venedig Premiere und erzählt die Geschichte der Familie Troisgros und ihrer drei Restaurants - eines davon mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Andere seiner Filme waren „Public Housing“ (1997), „Domestic Violence“ (2001) und „Ex Libris: The New York Public Library“ (2017).
An mehreren Orten Zuhause
Wiseman sei am Montag friedlich gestorben, hieß es in der Mitteilung der Familie. Aus der Erklärung ging nicht hervor, wo er starb. Es hieß aber, Wiseman habe mehrere Wohnorte gehabt, in Massachusetts, in Maine sowie in Paris. Seine Ehefrau Zipporah Batshaw Wiseman war den Angaben zufolge bereits 2021 gestorben. Er hinterlasse zwei Söhne und drei Enkelkinder.