Gesellschaft Stiftungslandschaft in Sachsen bekommt weiteren Zulauf
Ohne Stiftungen ist eine Förderung in Bereichen wie Kultur, Bildung und Soziales heute undenkbar. In Sachsen gibt es aktuell 688 Stiftungen, im Vorjahr kamen 18 neue dazu. Auch 2026 geht es weiter.

Dresden - Sachsen ist im Vorjahr um 18 neue Stiftungen reicher geworden. Auch in diesem Jahr hält das Engagement an. Am Donnerstag bekam eine von Geschäftsmann Fritz Albert Straub ins Leben gerufene Stiftung ihre Urkunde. Sie trägt den Namen Areopag - benannt nach einer antiken Stätte in Athen - und möchte vor allem Kunst, Kultur und den Erhalt des kulturellen Erbes fördern. Ferner setzt sie sich für Toleranz und Völkerverständigung ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Demokratie, Erziehung und Bildung, hieß es.
Stifter Straub will der Gesellschaft etwas zurückgeben
„Ich möchte der Gemeinschaft etwas zurückgeben“, erklärte Straub sein Engagement als Stifter. Der Unternehmer stammt aus Saarbrücken und war ursprünglich in der Pharmabranche tätig. 1992 erwarb er die Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden. Das 1898 gegründete Tischlerei-Unternehmen baute etwa die Semperoper, das Gewandhaus in Leipzig und Ostberliner Regierungsgebäude aus. Heute sind die Deutschen Werkstätten besonders auf die Ausstattung von Jachten spezialisiert. 2025 übergab Straub die Mehrheit seiner Anteile an die französische Unternehmensgruppe Ateliers De France.
Unternehmer Fritz Straub: Ich betrachte mein Leben als Glücksfall
Straub, der aus einfachen Verhältnissen stammt, bezeichnete sein Leben als Glücksfall. Mit dem Verkauf seiner Firmenanteile habe er Geld übrig: „Mit 83 Jahren ändert sich mein Leben nicht mehr. Ich kaufe mir keinen Ferrari oder so etwas“, sagte der Unternehmer. Er habe in seinem Leben eine ganze Menge geschenkt bekommen, deshalb sei der Schritt zur Stiftung nur logisch. Er wolle die Werte zurückgeben, die ihm selbst geholfen haben, sein Leben zu leben: „Die Werte, an die ich glaube und von denen ich hoffe, dass sie auch in dieser heutzutage schwierigen Zeit und auch in Zukunft eine Rolle spielen können.“
Mäzenatentum in Zeiten des Wandels ein starkes Signal
Nach den Worten von Regina Kraushaar, Sachsens Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung, ist ein solches Mäzenatentum „gerade in Zeiten des Wandels ein ganz starkes Signal an die Menschen im Freistaat“. Straub sei ein großartiger Mensch und engagierter Unternehmer. „Dass er nun – nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn – Stifter geworden ist, erscheint mir als geradezu logischer Schritt.“
Behördenchef würdigt Beitrag der Stiftungen zum Gemeinwohl
„Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten leisten Stiftungen einen unverzichtbaren Beitrag zum Gemeinwohl. Mit ihrem langfristigen und unabhängigen Wirken stärken sie den sozialen Zusammenhalt, fördern Innovationen im sozialen und kulturellen Bereich“, betonte Béla Bélafi, Präsident der Landesdirektion Sachsen (LDS). Stiftungen würden staatliches Handeln dort ersetzen, wo neue Impulse und nachhaltige Lösungen gefragt sind.
Für die Anerkennung von Stiftungen ist die LDS zuständig. Sie überwacht auch, ob eine Stiftung dem Zweck entsprechend agiert und das Vermögen erhalten bleibt. Eine Stiftung nutzt für ihr Wirken Kapital etwa aus Zinsen oder Dividenden. Gemeinnützige Stiftungen müssen dem Gemeinwohl dienen. Zweck solcher Stiftungen ist meist die Förderung von Kunst, Kultur, Bildung und Erziehung. Viele Stiftungen verfolgen auch mehrere Zwecke.
Älteste Stiftung in Sachsen stammt von 1543
Aktuell gibt es in Sachsen 688 Stiftungen, im vergangenen Jahr kamen 18 neue dazu. Die älteste noch bestehende Stiftung stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die „Kurfürst Moritz fromme Stiftung zu Glashütte“ wurde 1543 errichtet. Sie fördert die Erziehung von Kindern vor allem im Kindergartenalter.
LDS-Präsident Bélafi wünscht sich, dass Stiftungen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken - vor allem in Zeiten, in denen die Staatsfinanzen knapper werden. Deshalb schwebt ihm ein „Stiftungstag“ vor, an dem das Engagement vorgestellt wird. Meist würden Stiftungen im Verborgenen wirken, manche bewusst auf Eigenwerbung verzichten. Dennoch sei es wichtig, ihre Arbeit für das Gemeinwohl herauszustellen.