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Todesfall Trauer um Buchenwald-Überlebenden Raymond Renaud

Bis ins hohe Alter sprach Raymond Renaud mit jungen Menschen über seine Erlebnisse im KZ Buchenwald. Sein Tod hinterlässt eine Lücke - nicht nur in Weimar.

Von dpa Aktualisiert: 15.01.2026, 16:48
Raymond Renaud starb am 14. Januar im Alter von 102 Jahren. (Archivbild)
Raymond Renaud starb am 14. Januar im Alter von 102 Jahren. (Archivbild) Bodo Schackow/dpa

Weimar - Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald und Ehrenbürger der Stadt Weimar, Raymond Renaud, ist tot. Er starb am 14. Januar im Alter von 102 Jahren, wie die Stadt unter Berufung auf das Internationale Komitee Buchenwald-Dora in Paris mitteilte.

Renaud war einer jener Überlebenden, die trotz ihres hohen Alters bis zuletzt regelmäßig nach Weimar reisten, um zu erinnern, zu mahnen und mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. In den vergangenen 20 Jahren arbeitete er den Angaben nach regelmäßig in Schulen mit Jugendlichen und legte Zeugnis von seinem Leben ab.

Mitfühlender Menschenfreund

Ministerpräsident Mario Voigt und Landtagspräsident Thadäus König (beide CDU) würdigten das Vermächtnis des Buchenwald-Überlebenden, der in Thüringen bleibende Spuren hinterlassen habe. Durch sein Wirken habe er ein unverrückbares Zeugnis gegen das nationalsozialistische Unrecht abgelegt, unterstrich Voigt. „Seine Stimme wird uns fehlen.“ 

Landtagspräsident König sagte, Renaud bleibe in Erinnerung als warmherziger und zugewandter Mahner sowie als ein mitfühlender Menschenfreund. „Wir durften ihm zuhören, von ihm lernen und uns mit ihm austauschen.“ König und Voigt waren Renaud zuletzt beim 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar im vergangenen April persönlich begegnet.

Erinnerung, die warm blieb

„Sein Tod reißt eine große Lücke“, sagte Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos). Die Stadt verneige sich in Dankbarkeit und Trauer vor Renaud. Er habe gezeigt, dass Erinnerung warm, menschlich und zugewandt sein könne. Trotz all dessen, was ihm in Buchenwald angetan wurde, sei er ein lebensfroher, humorvoller und gütiger Mensch geblieben, der anderen Mut gemacht habe. „Sein Leben und sein Zeugnis bleiben Teil des moralischen Gedächtnisses dieser Stadt.“

Renaud wurde am 13. Juli 1923 in Palinges (Saône-et-Loire) geboren. Im September 1943 wurde er nach Buchenwald deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 21.448. Nach der Befreiung kehrte er im Mai 1945 in seine Heimatstadt zurück. Er war Ritter der Französischen Ehrenlegion und seit 2022 Ehrenbürger von Weimar. Bis kurz vor seinem Tod lebte er in seinem Haus in Palinges.